Hans Holdhaus begleitet den europäischen Handball seit Jahrzehnten, der Sportmediziner ist Anti-Doping-Chef des europäischen Verbandes und jettet derzeit zwischen den Austragungsorten der EM hin und her. Die Europameisterschaft wird im Handball erst seit 1994 alle zwei Jahre ausgetragen. Damals war das Teilnehmerfeld noch überschaubar, zwölf Teams konnten sich für das Turnier qualifizieren, es gab maximal sieben Spiele pro Team. Allerdings diese in nur zehn Tagen.

Heute erstreckt sich die EM immerhin über 18 Tage bei maximal neun Partien und 24 Teilnehmern. Dennoch ist die Belastung deutlich größer geworden, wie Holdhaus erzählt. "Es war ein ganz anderes Spiel. Nach jedem Tor hat es eine Pause gegeben, die Spieler sind langsam zur Mittelauflage gegangen." Heute muss nach jedem Treffer schnell zurückgesprintet werden, es gibt kaum eine Sekunde zum Luftholen.

Grund dafür war eine Regeländerung 2001, die es ermöglichte, den Anwurf nach einem Treffer ganz schnell durchzuführen. Das ist unter dem Begriff der "schnellen Mitte" zur taktischen Option geworden. Ziel ist es, den Gegner, der gerade ein Tor erzielt hat und ein paar Sekunden jubelt, zu überraschen. Diese Änderung erhöhte das Tempo und die Dynamik enorm, sie veränderte den Handballsport.

Wie fordernd ein solches Turnier sein kann, weiß auch Österreichs Teamchef Ales Pajovic, der mit Slowenien 2004 im Finale der EM stand. Die Gastgeber hatten damals eine richtig gute Mannschaft, dennoch war das Erreichen des Endspiels eine große Überraschung. "Im Finale nach dem Aufwärmen war ich leer. Auch im Kopf", erzählt Pajovic. Slowenien war damals gegen die Deutschen chancenlos. Ob ein, zwei Ruhetage mehr etwas bringen? Holdhaus schüttelt den Kopf. Ob die Pause zwischen den Partien einen Tag oder gelegentlich zwei Tage beträgt, sei nicht wirklich relevant. Wenn, dann müssten es vier, fünf Tage sein, damit sich der Körper erholen kann. Doch das ist unrealistisch. Eine EM würde dann viel zu lange dauern, das wäre organisatorisch nicht zu stemmen, auch die Vermarktung verlangt nach möglichst großer Kompaktheit.

Gewerkschaft beklagt mangelnde Solidarität

Widerstand von Spielerseite regt sich dagegen nur selten - selbst in Deutschland, wo die Spieler von einer Gewerkschaft vertreten werden und Studien belegen, dass selbst Juniorenspieler zu fast 70 Prozent zu Schmerzmitteln greifen und Handballer die größte Verletzungsanfälligkeit unter Mannschaftssportlern abgesehen von Fußballern aufweisen.