Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem hat bei den Australian Open in Melbourne programmgemäß die zweite Runde erreicht. Während sich sein Trainingspartner und Kumpel Dennis Novak dem als Nummer 31 gesetzten Polen  Hubert Hurkacz trotz 2-0-Satzführung mit 7:6, 6:1, 2:6, 3:6, 4:6 geschlagen geben musste, hatte Thiem beim 6:3, 7:5, 6:2 gegen Adrian Mannarino keine größeren Probleme. Es war sein bereits achter Sieg im achten Duell mit dem Franzosen. Nächster Gegner Thiems beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne ist der mit einer Wild Card ausgestattete Australier Alex Bolt, der überraschend den Spanier Albert Ramos-Vinolas 7:6, 1:6, 6:7, 6:1, 6:4 ausschaltete.

Seinen dritten Matchsieg bei einem Grand-Slam-Turnier hatte auch Novak durchaus auf dem Schläger. Bei guten Bedingungen und nach starkem Regen vom Vortag schönem Wetter dominierte Novak seinen Gegner in den ersten beiden Sätzen. Obwohl er einem starken Aufschläger gegenüberstand, agierte der ohne Satzverlust aus der Qualifikation gekommene Außenseiter beim Service weitaus souveräner. Hurkacz hingegen wirkte da unsicher und instabil.

Hatte Novak bei 5:5 den einzigen Breakball in Satz eins vergeben, nutzte er seine Chance im Tiebreak. Nach einem Minibreak zum 5:3 verwertete er seinen zweiten Satzball und legte in Durchgang zwei mit einem Break zum 2:0 nach. Der durch drei Siege beim ATP Cup - unter anderem gegen Thiem - in die Gesetztenliste gekommene Hurkacz war mit der Empfehlung eines vorwöchigen Adelaide-Halbfinales angereist, war nun aber stark angeschlagen.

Sein Gegner wirkte - womöglich auch durch seinen neuen Top-100-Status - motiviert, legte mit einem Break zum 5:1 nach und servierte den Satz mit einem Ass aus. "Die ersten zwei Sätze waren sehr, sehr gut. Da gibt es nichts zum Aussetzen", meinte Novak nach der Partie über die Anfangsphase. Dann war es allerdings mit der Herrlichkeit Novaks weitgehend getan.

Ab Satz drei "hinterhergelaufen"

Hurkacz fand im dritten Durchgang zu seinem Aufschlag und damit seiner stärksten Waffe, breakte Novak zum 2:0. "Ich habe da extreme Probleme mit der Sonne gehabt", sagte Novak danach. "Da bin ich dann ein bisschen hinterhergelaufen. Er hat dann besser angefangen zu servieren. Ich habe versucht, wieder ranzukommen. Aber das war schwer bei seinem Aufschlag." Es folgte ein weiteres Break zum 6:2, eines zum 3:1 entschied Satz vier.

Nachdem Hurkacz Novak in der Entscheidung den Aufschlag zum 2:1 abgenommen hatte, sprach nicht mehr viel für den Weltranglisten-99. Doch auch durch fehlerhaftes Spiel des 22-jährigen Favoriten gelang das Rebreak zum 4:4, und plötzlich war Novaks Körpersprache eine andere. Er erarbeitete sich zwei Spielbälle auf das 5:4, vergab sie aber und kassierte das Break. Novak ließ noch eine Rebreak-Chance aus, womit das Match entschieden war.

"Es war bitter, dass ich das Game verliere zum 5:4", erklärte Novak. "Es ist auf zwei, drei Punkte angekommen." Er sei natürlich enttäuscht, da es eine große Chance für ihn gewesen sei. "Aber man darf nicht vergessen, dass er (Hurkacz, Anm.) die Nummer 31 ist, das Jahr sehr stark begonnen hat. Ich glaube, es war trotzdem eine sehr, sehr gute Leistung, auf die ich aufbauen kann. Daran gilt es anzuschließen."

Novak zog dennoch positives Australien-Fazit

Diese Analyse wird durch die Match-Statistik belegt. Über die fünf Sätze war Novak im Service ebenbürtig, am Netz effizienter, kam auf weniger unerzwungene Fehler und mehr Winner. Bei den Breakbällen hatte aber Hurkacz mehr Durchschlagskraft. So brachte das Daumendrücken auf Court 14 unter anderem durch Novaks Betreuer Wolfgang Thiem und Julian Knowle sowie von Thiem-Manager Herwig Straka nicht den gewünschten Effekt.

Knowle litt mit seinem Schützling mit. "Es tut mir wirklich leid", sagte der Vorarlberger gegenüber ServusTV. "Über zwei Sätze hat er sensationelle Bälle gespielt - aggressiv, aktiv. Anfang dritter Satz ist er ein bisschen zu passiv geworden, das hat sich dann leider durchgezogen. Matches auf diesem Niveau fehlen ihm aber noch. Wenn er dieses Niveau gewöhnt wird, können wir positiv in die Zukunft schauen."

Auf seine Zeit in Australien blickt Novak jedenfalls recht zufrieden zurück. "Ich bin das erste Mal in die Top 100 eingezogen, habe gegen viele gute Spieler viele enge, gute Matches gespielt. Das gibt mir die Gewissheit, dass ich mit solchen Leuten mitspielen kann." Seine nächsten Stationen werden die Indoor-Turniere im Februar in Montpellier und Rotterdam sein. Danach könnte es noch vor dem Daviscup gegen Uruguay nach Dubai gehen. (apa/red)