Sie heißen Eduard Engelmann, Gustav Hügel, Herma Szabo, Karl Schäfer, Sissy Schwarz/Kurt Oppelt, Emmerich Danzer, Karl Schäfer, Trixi Schuba, Ingrid Wendl-Turkovic und Claudia Kristofics-Binder; allesamt klingende Namen, die nicht nur österreichische, sondern auch internationale Eiskunstlauf-Fans auf der ganzen Welt mit der Zunge schnalzen lassen. Denn sie sind untrennbar mit der Geschichte dieses Sports verbunden, haben unzählige Medaillen bei Europa-, Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen geholt. "Die Österreicher", sagt Kristofics-Binder sogar zur Austria-Presse-Agentur, "haben den Eiskunstlauf geprägt wie kein anderes Land."

Österreichs Stars von heute heißen Miriam Ziegler und Severin Kiefer. - © afp/Kyrill Kudryavtsev
Österreichs Stars von heute heißen Miriam Ziegler und Severin Kiefer. - © afp/Kyrill Kudryavtsev

Doch so glanzvoll die entferntere Vergangenheit, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ausgang genommen hat, auch gewesen sein mag, so verblasst ist sie in den vergangenen Jahrzehnten. Dass Rot-Weiß-Rot sich etwa bei Winterspielen nur im Alpinskilauf öfter Edelmetall um den Hals hängen lassen durfte, ist selbst hierzulande den wenigsten mehr bewusst. Seit der EM-Goldmedaille Kristofics-Binders 1982 in Lyon, hat es keine Medaille mehr bei einem Großereignis für die einst dominierende Nation gegeben, und auch bei der am Mittwoch mit der Eröffnungsfeier (18.30 Uhr) beginnenden Europameisterschaft in Graz-Premstätten zählen die von Miriam Ziegler/Severin Kiefer angeführten heimischen Asse nicht zum Favoritenkreis. Ein bisschen werden die alten Erfolge freilich aufleben, dafür hat Kristofics-Binder alleine mit ihrem Beitrag zur Eröffnungsfeier gesorgt. Sie habe einen kleinen Showteil "passend zum Thema der EM" zusammengestellt, erzählte sie schon vorab - und dieser lautet ganz unbescheiden: "Figure Skating is coming home".

Pionier Eduard Engelmann (l.) und Karl Schäfer. - © Bundesarchiv
Pionier Eduard Engelmann (l.) und Karl Schäfer. - © Bundesarchiv

Nach 20 Jahren machen die kontinentalen Titelkämpfe also dieser Tage wieder in Österreich Station, damals war die Wiener Stadthalle Austragungsort und Julia Lautowa das heimische Aushängeschild. Mehr als ein zwölfter Platz war aber auch für die gebürtige Russin nicht drin, diesmal darf es ruhig ein bisschen mehr werden. Heute heißen die Hoffnungsträger Miriam Ziegler und Severin Kiefer, eine Medaille ist für das unbestritten beste heimische Paarlauf-Duo theoretisch möglich, aber schwierig zu erreichen.

Die zweifache Europameisterin Ingrid Wendl. - © imagno/Votava
Die zweifache Europameisterin Ingrid Wendl. - © imagno/Votava

Ziegler/Kiefer haben sich in den Ergebnislisten sukzessive nach oben gearbeitet, bei Österreichs erstem WM-Top-Ten-Platz seit 21 Jahren waren sie am Ende vergangener Saison bereits unter Europas Top fünf. Diese Position gilt es nun zu untermauern, und vielleicht geht ja noch ein bisschen mehr. "Wir denken, dass wir eine realistische Chance haben, wenn wir eine kleine Sternstunde haben. Wir brauchen zwei saubere Programme", hatte Kiefer schon im Dezember hinsichtlich einer Medaille gemeint. 19 Paare haben genannt, los geht es am Mittwoch (19.15 Uhr) mit dem Kurzprogramm. Dieser Programmteil lief den beiden Lokalmatadoren in dieser Saison international meist nicht nach Wunsch, weshalb sie in der zweiten November-Hälfte nach Rang vier beim Grand Prix in Moskau zu ihrem Kurzprogramm der Olympischen Spiele 2018 zurückgekehrt sind. "Wir haben zuletzt noch einmal an den Übergängen gearbeitet", erklärt der 29-jährige Kiefer.

Trixi Schuba holte 1972 Gold bei den Olympischen Spielen. - © imagno/Votava
Trixi Schuba holte 1972 Gold bei den Olympischen Spielen. - © imagno/Votava

Familiäre Unterstützung
für die Lokalmatadoren

Eine Schrecksekunde hatte es aber vor rund zwei Wochen bei einem Trainingszwischenfall gegeben. "Bei einem Wurf ist Miriam überrotiert und hat sich am Knöchel verletzt", erzählte der Salzburger über seine 25-jährige Partnerin. Für etwa eine Woche musste im Training daher umdisponiert werden, seit eineinhalb Wochen ist die Belastung wieder gesteigert. Um Verpasstes einzuholen, wurden die daheim nötigen Medien-Termine möglichst geballt auf vergangenen Freitag gelegt.

Claudia Kristofics-Binder, die bis dato letzte Europameisterin aus Österreich. Sie gestaltete die Eröffnung mit. - © imagno/Votava
Claudia Kristofics-Binder, die bis dato letzte Europameisterin aus Österreich. Sie gestaltete die Eröffnung mit. - © imagno/Votava

Die Nervosität vor dem großen Auftritt mit Kurzprogramm und der Freitag-Kür (19 Uhr) hielt sich bei den rot-weiß-roten Hoffnungsträgern zuletzt noch in Grenzen. Unterstützung beim Titelkampf wird es unter anderem von Carmen Kiefer, Mutter und EM-Organisatorin, die im Trainer-Team verankerte Schwester Julia Kiefer, weiteren Verwandten und Freunden geben. Auch Verwandt- und Bekanntschaft der aus dem Burgenland stammenden Ziegler hat es in die Steiermark nicht weit.

Das von Knut Schubert und Bruno Massot betreutet Gespann der Eisunion Salzburg darf sich wohl keinen Schnitzer erlauben, um im Medaillenrennen zu sein, sollte man die eigene Bestmarke von 187,01 Punkten verbessern. "Das ist auf alle Fälle notwendig, aber jeder Wettkampf hat eigene Regeln. Wir konzentrieren uns darauf, dass wir unser Zeug machen", sagt Kiefer. Der Titel ist durch die Absenz der 2019-Sieger Vanessa James/Morgan Cipres aus Frankreich vakant. Heute heißen die ersten Medaillenkandidaten Jewgenia Tarasowa/Wladimir Morosow und Aleksandra Boikowa/Dmitri Koslowskij. Denn aktuell ist Russland auf europäischem Eis die klare Nummer eins, rot-weiß-rote Tradition hin, Heimvorteil her.