Österreich ist in regelmäßigen Abständen Ausrichter von Eiskunstlauf-Großveranstaltungen, auch wenn es doch 20 Jahre von der Wien-EM 2000 bis zu den laufenden Europameisterschaften in Graz-Premstätten gedauert hat. Auf eine EM-Medaille wartet Österreichs Verband (ÖEKV) allerdings bereits 38 Jahre. Die Bemühungen um einen merkbaren Aufschwung gibt es, sie gestalten sich aber mühsam. Die bei der EM sechstplatzierten Paarläufer Miriam Ziegler/Severin Kiefer zeigen, dass die Verbandsarbeit alleine nicht zum Aufstieg in die internationale Spitze reicht. Mit viel Eigeninitiative und Verlegung des Trainingsschwerpunkts nach Berlin haben es die beiden in den erweiterten Kreis der Medaillenanwärtern geschafft. "Der Verband ist da, um die Basis zu legen", sagt EM-Organisatorin Carmen Kiefer. "Aber die Olympiasieger, das sind Einzel-Persönlichkeiten."

Die Mutter von Severin Kiefer weist im Gespräch mit der Austria-Presse-Agentur auf die Beispiele Marcel Hirscher und Dominic Thiem hin, die es als Einzelkämpfer mit eigenem Umfeld an die Spitze brachten. "Wir als Verband sind da, um die Sportart weiterzuentwickeln. Die Schiene Infrastruktur, Nachwuchskonzept und gescheite Trainerausbildungen sollte das Konzept dafür sein. Der Spitzensportler aber muss noch viel mehr drauflegen."

Die Infrastruktur stelle nach wie vor ein Problem dar. "Weil wir in Hockey-Hallen trainieren und in Hockey-Hallen veranstalten. Aber die beiden Sportarten sind inkompatibel", erläutert Kiefer. "Wenn Hockey im Play-off ist, kann ich keine Veranstaltung machen. Trainings-Infrastruktur und Veranstaltungs-Infrastruktur - beides fehlt." Im Berliner Olympia-Zentrum sei für Ziegler/Kiefer hingegen alles da - auch andere Paare, Sparring-Partner.

Sportminister Werner Kogler war anlässlich der Heim-EM in der Steiermarkhalle, die ständigen Wechsel auf dem Ministerposten würden die Deponierung der Wünsche aber nicht leichter machen. ÖEKV-Präsidentin Christiane Mörth hat schon 20 Sportminister erlebt, seit sie Ende der Achtziger in den Verband gekommen ist. Bei der EM 2000 war sie Volunteer, seit 2006 amtiert die heute 69-Jährige mit einem Jahr Unterbrechung als Verbandschefin. "Ich hoffe, dass die EM einen Impuls gibt, mehr Kinder zum Sport kommen und die Bedingungen besser werden", sagt Mörth. Die Hallen-Situation bezeichnete sie als Katastrophe. Ganzjährig geöffnet sei nur die Eishalle in Telfs. "In Wien ist der Eisring Süd zu, es drängt sich alles in der Stadthalle." Auch in Linz und in Salzburg sei kein ganzjähriger Betrieb gegeben. Mörth: "Wir sperren im August auf und zu Ostern wieder zu."

In der Nachwuchsausbildung hat der Verband die Situation eher in der eigenen Hand als in der Infrastrukturfrage, auch wenn beide Bereiche natürlich ineinandergreifen. In Linz, Salzburg, Innsbruck und Wien gibt es Nachwuchskompetenzzentren. "Wir setzen sehr viel auf die Initiative der Trainer, dass sie da was aufstellen", berichtet Mörth. "Es gibt eine Trainer-, eine Instruktoren- und eine Übungsleiterausbildung - und da regelmäßig Fortbildungen." Kiefer, im Verband früher Vizepräsidentin und Mediensprecherin, nun Kassier-Stellvertreterin, sieht die Trainerausbildung als großes Thema: "Wir haben ganz, ganz viele junge engagierte Trainer herausgebracht, die sich auch international fortbilden." Die Ausbildung laufe mit ausländischen Experten. Im Nachwuchs sei etwa die bei der EM-Eröffnung involvierte Hanna Frank hervorzuheben, deren Kür bereits fünf Dreifache beinhaltet. Dass solche Talente dabei bleiben, sei aber auch immer eine Glückssache. Kiefer: "Es ist immer das Problem, du fängst mit jungen und talentierten Menschen an, und durch die Pubertät, da bleiben dann immer nur eine oder zwei über."

Über Veranstaltungen wie die laufende EM soll der Nachwuchs begeistert werden, nachzueifern. So soll es nicht wieder 20 Jahre dauern, bis das nächste Eiskunstlauf-Großereignis in Österreich stattfindet. "Wir wollen im Veranstaltungsbereich mehr Kontinuität hineinbringen", erklärt Kiefer. Dafür sei die "Skate Austria Event GmbH" gegründet worden, mit ihr als Geschäftsführerin. "Wir versuchen, alle zwei, drei Jahre Veranstaltungen nach Österreich zu bringen." Denn wenn die Aufmerksamkeit steigt, wird auch das Interesse bei potenziellen Sponsoren größer - und dadurch die Anzahl an Argumenten für bessere Rahmenbedingungen.(apa)