Dem frühen Tod haftet nicht selten etwas Mythenhaftes an, schlag nach bei Lady Diana, Janis Joplin und zahlreichen Ikonen aus der Welt des Pop. Doch ein Mythos, eine Ikone, das war Kobe Bryant schon zu Lebzeiten, ein Popstar des Basketball-Sports ist und bleibt er ohnehin. Am Sonntag starb der 41-Jährige gemeinsam mit seiner Tochter Gianna, dem langjährigen Baseball-College-Trainer John Albotelli und weiteren sechs Insassen bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien. Als Unglücksursache wird der dichte Nebel vermutet, dessentwegen andere Hubschrauber auf dem Boden blieben. Die Untersuchungen halten aber noch an.

Dass seine Wirkung weit über den Basketball, weit über den Sport überhaupt, hinausgeht, zeigten die Reaktionen aus aller Welt. Nachrichtensender brachten Sondersendungen, vor dem Staples Center in Los Angeles stapelten sich Blumen und Kerzen, die Gebäude waren mit seinem Konterfei erleuchtet. Die japanische Stadt Kobe drückte ihre Trauer und ihren "Dank, dass Bryant Kobe Beef in der ganzen Welt bekannt gemacht hat", aus, Fans fordern in einer Petition, dass das NBA-Logo seinem Porträt nachempfunden wird. Und der Achtelfinal-Spieltag der Tennis-Australian Open stand ebenso im Zeichen des Tributs an den legendären Shooting Guard der Lakers wie die Grammy-Verleihung in Los Angeles.

Dort, im Staples Center, hatte Bryant 20 Jahre lang den Lakers gedient, seitdem er im Alter von 17 Jahren ohne Umweg des Colleges in die NBA gekommen war, hatte mit ihnen fünfmal die Trophäe in der Profiliga geholt und ihnen mit seinem auf Schnelligkeit, Aggressivität und Kreativität basierenden Spiel, aber auch seiner Präsenz, unauslöschlich seinen Stempel aufgedrückt. Vielleicht liegt ein Teil seiner Popularität auch genau darin begründet: Dass er nämlich den Lockrufen anderer Franchises in einer Zeit, in der der Basketball einem massiven Wandel unterzogen wurde und Spieler ihre Trikots zu tauschen begannen wie andere ihre Unterwäsche, stets widerstand und seinen Lakers treu geblieben war. Über allem stand die Hingabe zum Sport, von dem er sich 2016 in einem bewegenden Gedicht "Dear Basketball", das er später sogar erfolgreich verfilmte, verabschiedete. Er habe sich im Alter von sechs Jahren in ihn verliebt und ihm seither alles gegeben, schrieb Bryant damals.

O’Neal: "Keine Worte, die den Schmerz beschreiben"

"Er wird am meisten dafür in Erinnerung bleiben, wie er Menschen weltweit inspiriert hat, einen Basketball aufzuheben und ihr Bestmögliches zu geben", sagte NBA-Commissioner Adam Silver. "Worte können den Einfluss auf unsere Spieler, die NBA und den Basketballsport nicht ausdrücken", hieß es von der Spielergewerkschaft NBPA, die in einer Stellungnahme von einem "monumentalen Verlust" schrieb.

Dem schlossen sich zahlreiche Athleten jenseits des Basketball an. Neymar, brasilianischer Fußballstar in Diensten von Paris Saint-Germain, widmete Bryant eines seiner zwei Tore gegen OSC Lille, das australische Tennis-Enfant-terrible Nick Kyrgios erschien zu seinem Australian-Open-Achtelfinale gegen Rafael Nadal im Lakers-Trikot mit Bryants Namen, und "der europäische Fußball" zeigte sich "vereint in der Trauer", wie die Uefa auf Twitter bekundete.

Am größten war freilich der Schock bei seinen einstigen Kollegen und Weggefährten. Shaquille O’Neal, in der Anfangszeit kongenialer Partner, dann eine Zeit lang auch Kritiker Bryants, schrieb, es gebe "keine Worte, meinen Schmerz zu beschreiben, den ich durch den tragischen Verlust meiner Nicht Gigi und meines Bruders Kobe Bryant durchmache. Ich liebe euch und werde euch vermissen."

Zumindest die Geschichten über die angeblich erbitterte Feindschaft der beiden dürften damit ein für allemal ins Reich der Legenden verbannt sein. Der Mythos Kobe Bryant bleibt davon freilich unangetastet.