Für Dominic Thiem geht es wieder einmal um Historisches: Der Weltranglisten-Fünfte aus Lichtenwörth kann Mittwochfrüh (9.15 Uhr/Servus-TV) in der Night Session der Australian Open erstmals abseits seines Lieblingsturniers - den French Open - , das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. Er wäre der erste Österreicher nach Thomas Muster (1989 und 1997), dem dieser Coup gelänge. Allerdings: Wie schon bei den US-Open 2018 steht ihm wieder einmal eine der lebenden Tennis-Legenden gegenüber: der Spanier Rafael Nadal.

Viermal in Folge ist es Thiem in Roland Garros gelungen, das Semifinale beim größten Sandplatz-Turnier der Welt zu erreichen. Doch spätestens seit dem Viertelfinale in New York vor 16Monaten weiß man, dass man mit dem früher als Sandplatz-Spezialisten gebrandmarkten Thiem auch auf schnelleren Belägen rechnen muss. Im vergangenen März holte Thiem dann in Indian Wells seinen ersten Masters-1000-Titel nicht wie von vielen erwartet zunächst auf Sand, sondern Hardcourt. Gegen Nadal ist es das sechste Duell im Rahmen eines Majors, wo der Superstar aus Mallorca vielleicht noch schwieriger zu schlagen ist, als auf der normalen ATP-Tour. Die bisherigen fünf hat Thiem alle verloren. Der 4:49-Stunden-Fight bis 2:04 Uhr morgens Ortszeit in New York ist nicht nur Thiem-Fans noch in bester Erinnerung, es war die mit Abstand knappste Niederlage des Niederösterreichers gegen Nadal auf Grand-Slam-Ebene. Von den übrigen zwölf Duellen auf Sand hat Thiem vier für sich entschieden - zuletzt 2019 in Barcelona.

Sollte Thiem die Hürde meistern, hätte er sein fünftes Halbfinale auf Major-Niveau erreicht und würde diesbezüglich auch Muster (4) übertreffen. Mit bisher zwei Finali (French Open 2018, 2019) hat der 16-fache Turniersieger Thiem Muster (44ATP-Titel) diesbezüglich schon überholt.

Am wichtigsten ist aus Thiem-Sicht, dass er wieder körperlich topfit in dieses kräfteraubende Duell gehen kann. Vergangene Woche hatte ihm eine Erkältung doch Kraft geraubt. "Es geht viel besser. Es ist jetzt eigentlich weg. Ich habe einen Tag vor der ersten Runde Probleme bekommen, zum Glück aber kein Fieber. Jedoch war ein gewisser Energieabfall da", gestand Thiem im Eurosport-Interview. Eurosport-Experte Boris Becker sieht daher gute Möglichkeiten für Thiem. "Da muss er einige Grundschläge und Rallyes machen." Das kräfteschonende Viertelfinale gegen Gael Monfils sah der Deutsche als Vorteil. "Ich sehe das als ganz große Chance für ihn."

Für Nadal geht es nicht nur darum, weiter die Chance auf seinen 20. Grand-Slam-Titel aufrechtzuerhalten. Besiegt er Thiem am Mittwoch, bleibt er sicher Nummer eins. Verliert er, kann ihn Djokovic im Falle des Turniersieges in Melbourne überholen. Thiem könnte hingegen zum vierten Mal (im zwölften Versuch) eine aktuelle Nummer eins der Welt schlagen. Seine bisherigen Siege gelangen ihm 2017 im Barcelona-Semifinale gegen Andy Murray, 2018 im Madrid-Viertelfinale gegen Nadal und 2019 im French-Open-Halbfinale gegen Djokovic.

Und was sagt Nadal selbst zur Begegnung mit Thiem? "Ein sehr hartes Match. Ich habe ihn gegen Gael gesehen, er hat ein sehr hohes Niveau gespielt", erklärte der Spanier. "Er ist ein Spieler, den ich sehr mag, die Art wie er arbeitet, wie er spielt und er immer sein Bestes gibt. Es wird interessant, ich muss mein Bestes zeigen, damit ich eine Chance habe." Er sehe sich aber auf dem richtigen Weg. "Ich spiele jeden Tag ein bisschen besser."

Hit Federer vs. Djokovic

Indes haben die zwei anderen der Big Three im Herren-Tennis das Semifinale der Australian Open erreicht, wo es am Donnerstag zum Halbfinal-Hit kommt: Titelverteidiger Novak Djokovic hatte dabei gegen den Kanadier Milos Raonic (6:4, 6:3, 7:6) aber weit weniger Mühe als Roger Federer. Der Schweizer kam erst nach Abwehr von sieben Matchbällen gegen Tennys Sandgren (USA) weiter. Federer - von Leistenproblemen geplagt - musste über die volle Distanz gehen, um sich nach dreieinhalb Stunden mit 6:3, 2:6, 2:6, 7:6 (8) und 6:3 durchzusetzen. "Manchmal braucht man einfach auch Glück", sagte er anschließend. "Sieben Matchbälle hat man nicht unter Kontrolle. Ich glaube an Wunder. Ich habe es nicht verdient, aber ich stehe hier und bin natürlich sehr glücklich."