Jetzt also auch der Basketball. Was im globalen Fußball ständiger Begleiter ist, was im internationalen Tennis immer wieder für Negativschlagzeilen sorgt, ist nun auch auf die bisher vermeintlich verschont gebliebene Insel übergeschwappt: Spätestens am Montagabend hat das Thema Spielmanipulation die Basketball-Superliga erreicht. Fünf Spieler des UBSC Graz wurden wegen eines entsprechenden Verdachts beziehungsweise Flucht- und Verdunkelungsgefahr festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt (dessen Entscheidung steht noch aus), am Dienstag verkündete der Erstligaklub die Trennung von ihnen - zwei kommen aus den USA, drei aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wie General Manager Michael Fuchs bekanntgab, habe man selbst Anzeige erstattet, als vor etwa drei Wochen der Verdacht aufkam und man aufgrund verbaler Äußerungen "eines Bedrohungspotenzials" gewahr wurde.

Auch der Basketballsport ist vor Manipulationen und Wettbetrug nicht gefeit. - © APAweb / afp
Auch der Basketballsport ist vor Manipulationen und Wettbetrug nicht gefeit. - © APAweb / afp

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Spieler "den Ausgang der Spiele durch schwache Leistungen, spielentscheidende Fehler, vorgetäuschte Verletzungen und dergleichen gezielt zum Nachteil des Vereins beeinflusst haben. Im Hintergrund wurden auf Niederlagen des UBSC Graz mit einer gewissen Punktedifferenz Geldsummen gewettet". Aufgekommen sei der Betrugsverdacht durch Hinweise aus dem Mannschaftsumfeld an die Vereinsführung.

Weiter ins Detail wollte weder der Behördensprecher noch Fuchs gehen, auch die Namen der Betroffenen wollte dieser vorerst nicht bekanntgeben. "Das wird man nächste Woche sehen, wenn das nächste Spiel ansteht", sagte der Manager. Es sei "unmöglich" gewesen, sie noch ein Match bestreiten zu lassen, auch wenn man zunächst aufgrund einer Verschwiegenheitsvereinbarung mit den Behörden dazu gezwungen gewesen sei, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Und über die vergangenen Wochen erzählte Fuchs: "Wir saßen beim Spiel und wussten, dass es vielleicht nicht so läuft. Es war der Horror. Seit ich davon erfahren habe, habe ich keinen Tag vor 2 Uhr Früh ein Auge zugemacht." Dass man mit dem Verdacht zur Polizei gegangen sei, sei allerdings alternativlos gewesen. "Wir sind unseren rund 200 Vereinsmitgliedern und Sponsoren verpflichtet."

Geeint in der Fassungslosigkeit: Graz-Manager Michael Fuchs (l.) und Liga-Geschäftsführer Thomas Kanovsky. - © apa/Erwin Scheriau
Geeint in der Fassungslosigkeit: Graz-Manager Michael Fuchs (l.) und Liga-Geschäftsführer Thomas Kanovsky. - © apa/Erwin Scheriau

Die Anfälligkeit ist da

Und man ist auch den eigenen Statuten verpflichtet. Seit 2017 ist der österreichische Basketballsport Mitglied des "Vereins zur Wahrung der Integrität im Sport - Fair Play Code". Insgesamt umfasst diese fünf Jahre davor in Kooperation zwischen dem Sportministerium, der Fußball-Bundesliga und dem Fußballbund ÖFB gegründete Organisation bisher fünf Sportarten: Tennis, das auf internationaler Ebene von der Tennis Integrity Unit überwacht wird, und Handball sind im vergangenen Jahr als bisher letzte dazugestoßen, davor waren Fußball, Ski alpin, Eishockey und eben Basketball dabei. Obwohl es in den meisten dieser Sportarten noch keine Fälle zu größerer, wenn auch unrühmlicher Bekanntheit geschafft haben, ist eine Prävalenz schon alleine durch die Präsenz auf dem rasend wachsenden Markt und die schier unendlichen Möglichkeiten an (Echtzeit-)Wetten in allen von ihnen gegeben.

Prävention ist für die Verantwortlichen das A und O in der Bekämpfung dessen, was gemeinhin neben Doping als die größte Geißel des Sports angesehen wird. Im vergangenen Jahr führte der Verein, der auch international tätig ist, 75 Schulungstage in den diversen Sportarten durch.

Vor "schwarzen Schafen" sei man freilich nie gefeit, sagte Liga-Geschäftsführer Thomas Kanovsky, der aber zugab, dass "so ein Verdacht für die Basketballliga komplett neu" sei. Zwar gibt es international im Basketball immer wieder Fälle, bei denen etwa absichtlich verloren wird, um für eine spätere Saisonphase oder einen kommenden Draft eine bessere Ausgangsposition zu haben - im Fachjargon "Tanking" und zumindest seit einer deswegen gegen Mavericks-Eigentümer Mark Cuban verhängten Rekordstrafe bekannt -; zwar hat sich auch im Vorjahr ein heimischer Zweitligaverein aufgrund eines ähnlichen Vorwurfs von einem Spieler getrennt. Dass die Dimensionen bei einem österreichischen Superligaklub aber so groß sein könnten, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Kanovsky zeigte sich darob ähnlich enttäuscht wie Fuchs: "Wir sind vor acht Monaten angetreten, um den österreichischen Basketball nachhaltig voranzutreiben. Ich weiß nicht, wie man so etwas so sabotieren kann." Immerhin weiß nun auch der österreichische Basketball, dass er keine Insel der Seligen ist.