Am Rande des Kitzbühel-Wochenendes war den österreichischen Skifahrern noch zum Scherzen zumute - wenn auch der Hintergrund ein durchaus ernster ist. Die Frage, ob die Athleten im Februar zu den Weltcup-Rennen im chinesischen Yanqing aufbrechen sollten oder doch lieber nicht, hatte die Gemüter jedenfalls fast ebenso erhitzt wie der legendäre Stanglwirt seine nicht minder legendären Weißwürste. Während Peter Schröcksnadel, der Präsident des österreichischen Skiverbandes (ÖSV), gemeint hatte, sollte der Weltverband FIS - der zunächst noch von einem geringen Risiko durch das in China grassierende Coronavirus gesprochen hatte - entscheiden, dass die Rennen stattfinden, würde auch der ÖSV seine Mannschaft entsenden. "Andernfalls haben wir einen Nachteil." Streif-Sieger Matthias Mayer konnte sich dem allerdings nicht anschließen: "Wenn alle anderen einreisen, aber nicht ausreisen können, sind wir bei den letzten Rennen alleine - auch ein Vorteil, oder?" Er, so Mayer, "brauche des jedenfalls nicht".

Tatsächlich dürfte Mayer, Schröcksnadel und Co. die Entscheidung nun abgenommen werden. Denn mittlerweile dürfte sich auch bei der FIS die Erkenntnis durchgesetzt haben, die auch vom heimischen Außenministerium vertreten wird. Dieses hat die Sicherheitsstufe am Dienstag erhöht und rät bis auf weiteres von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach China ab. Am Mittwoch wird die endgültige Entscheidung der FIS erwartet.

Aus ÖSV-Kreisen war zu vernehmen, dass Saalbach-Hinterglemm als Ersatzort für den Super G und die Abfahrt bereitstünde. Der mögliche Schauplatz der WM 2025 im Salzburger Pinzgau trägt am 5. und 6. Februar schon zwei Europacup-Abfahrten aus. Andere Orte, die für eine Übernahme der Rennen in Frage kommen würden, seien in diesem Zeitfenster schwer zu finden, hieß es am Dienstag.

Für China wäre eine Absage der Rennen freilich ein schwerer Schlag, schließlich sollten erstmals Alpinrennen der Herren in dem Land stattfinden - was angesichts der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking sowie der Selbstwahrnehmung als aufstrebende Skination besondere Bedeutung hätte. Ähnlich wie im Fußball investiert die Regierung Milliarden in Wintersportprojekte, jährlich werden 15 bis 20 neue Skigebiete aus dem Boden gestampft. Als Ziel hat sich die Führung des 1,4-Milliarden-Einwohner-Staates gesetzt, 300 Millionen Bürger zu Wintersportlern zu machen; als Lokomotive sollen schon vor den Olympischen Spielen internationale Bewerbe dienen.

Doch diese sind nun mehr denn je in Schwebe. Während die Chinesen bis zuletzt doch noch auf eine Anreise der Skifahrer hoffen, mussten andere Großveranstaltungen schon in den vergangenen Tagen nach dem Ausbruch des Virus' beziehungsweise dessen schneller Verbreitung  abgesagt werden.

Das Olympia-Qualifikationsturnier der Frauen im Basketball wurde von Foshan nach Belgrad verlegt, jenes im Fußball von Nanjing nach Sydney. Die Hainan-Radrundfahrt im Süden Chinas Ende Februar wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, der internationale Tennisverband übersiedelt die für Anfang Februar geplante Fed-Cup-Veranstaltung der Asien/Ozeanien-Gruppe von Dongaguan nach Nur-Sultan in Kasachstan. Auch die nationalen Winterspiele, die als Vorbereitung für Olympia dienen sollten, wurden bereits auf unbestimmte Zeit verschoben. Für den Skiweltcup wird es wohl heuer keinen Ersatztermin mehr geben. Lustig findet das in China niemand. Doch der Hintergrund erlaubt ohnehin keine Scherze.