Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu hat den Präsidenten des Eissportverbands nach Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsvorwürfe im Eiskunstlauf zum Rücktritt aufgefordert. Didier Gailhaguet könne sich seiner persönlichen und moralischen Verantwortung nicht entziehen und müsse sich dieser stellen, sagte Maracineanu am Montagabend.

"Die Anzahl der Tatbestände und ihre zeitliche Verteilung verdeutlichen, dass über die genannten Personen hinaus eine allgemeine Dysfunktion innerhalb des französischen Eissportverbandes besteht", meinte Maracineanu. Gailhaguet ist seit 1998 mit einer Unterbrechung Präsident des französischen Eissportverbandes. Er habe Fehler gemacht, sich aber nichts zuschulden kommen lassen, verteidigte sich der 66-Jährige nach der Rede der Ministerin.

Zu einem möglichen Rücktritt wollte er zunächst keine Stellung nehmen, er werde sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch äußern. Er habe über die meisten der Taten erst vergangene Woche etwa durch die Medien erfahren. "Einige von ihnen gehen 30 Jahre zurück, lange bevor ich Präsident des Verbandes wurde." Gailhaguet war in den 1970ern selbst Eiskunstläufer und zwei Mal französischer Meister.

In der vergangenen Woche hatte die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol schwere Missbrauchsvorwürfe gegen ihren damaligen Trainer erhoben. Im Zuge der Recherchen der Zeitung "L'Obs" kam zutage, dass auch andere Läuferinnen mutmaßlich Opfer des Trainers gewesen waren. Auch in der Sportzeitung "L'Equipe" berichteten ehemalige Eiskunstläuferinnen und Schwimmerinnen von Übergriffen. In Frankreich lösten die Anschuldigungen großes Entsetzen aus. Den Recherchen zufolge haben zahlreiche Opfer die Fälle den Verantwortlichen gemeldet - passiert ist demnach aber nichts. Vertuschungsvorwürfe wurden laut. (apa/dpa)