Sichtlich erschöpft, aber bester Laune betrat Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem am Dienstagmittag wieder heimischen Boden. Nach rund zwei Monaten im Ausland werde er erst einmal etwas mehr als eine Woche in der Heimat genießen, den Schläger in die Ecke stellen und Zeit mit der Familie verbringen, sagte der Australian-Open-Finalist unmittelbar nach seiner Landung in Wien-Schwechat. Damit stellte er auch klar, dass er das ATP-250-Turnier in Buenos Aires in der kommenden Woche auslassen und erst bei der darauffolgenden Veranstaltung in Rio de Janeiro wieder aufschlagen wird.

Die Jagd auf Weltranglistenplatz drei beziehungsweise Roger Federer ist damit vorerst aufgeschoben, aufgehoben ist sie aber freilich noch lange nicht. Schon bei seiner Rückkehr auf die Tour in Südamerika kann Thiem den Schweizer überholen und sich hinter seinen Melbourne-Bezwinger Novak Djokovic und den Spanier Rafael Nadal schieben. "Ich würde mich freuen, wenn es klappt. Im Normalfall sollte es auch passieren, da Roger danach viele Punkte zu verteidigen hat", sagte der Niederösterreicher. Hauptziel ist die Verbesserung in der Weltrangliste aber nicht. "Hauptsache ist, dass ich das Level wie in Australien spiele, dann sollte das mit dem Ranking automatisch kommen." In Melbourne habe er gesehen, dass er seinem großen Ziel, selbst ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, wieder einen Schritt nähergerückt sei. Zum ersten Mal hat er Nadal bei einem Major geschlagen, Djokovic zudem im Finale an den Rande einer Niederlage gebracht. "Es sind sehr viele schöne Erinnerungen mit einem kleinen Makel", sagt der 26-Jährige.

Dominic Thiems Ankunft in Wien-Schwechat

Nach einem einwöchigen Heimaturlaub haben auf seinem Weg die nächsten Turniere - Rio, aber dann vor allem die amerikanische Hartplatzsaison mit den Masters-1000-Turnieren in Indian Wells und Miami - für den Niederösterreicher Priorität. Daher wird er Österreichs Team auch wie erwartet nicht beim Daviscup gegen Uruguay zur Verfügung stehen. Die Mannschaft von Kapitän Stefan Koubek wird daher am 6./7. März in Graz-Premstätten ohne ihre Nummer eins versuchen müssen, ein Ticket für das Finalturnier in Madrid im Herbst zu ergattern.

Während dies schon schwer genug sein wird, ist die Situation bei den österreichischen Damen freilich noch schwieriger. Die kämpfen nämlich im Schatten von Thiems Erfolglauf ab Mittwoch im Fed Cup in Tallinn um den Klassenerhalt in der Europa/Afrika-Zone I - und das ebenfalls ohne ihre Nummer eins Barbara Haas. Während sie beim Turnier in Thailand kommende Woche einen weiteren Angriff in Richtung Top 100 der Welt unternimmt, bekommen es Julia Grabher, Melanie Klaffner und Sinja Kraus in Estland mit Italien, Griechenland und den Gastgeberinnen zu tun. Kapitänin Marion Maruska sieht das Fehlen Haas’ zwiespältig. "Natürlich sinken die Chancen, wenn die beste Spielerin nicht dabei ist. Auf der anderen Seite wäre es natürlich gut, wenn Österreich bald wieder eine Spielerin in den Top 100 der Welt hat." Denn von Sphären à la Thiem können seine Landsfrauen derzeit ohnehin nur träumen.(art/apa)