Die Rechnung ist simpel, doch die Vergangenheit hat gelehrt, dass durch eine solche ebenso leicht ein Strich gemacht werden kann. Aber der Reihe nach: Um die Euphorie nach der Super Bowl zu nützen, die dem seit Jahren in puncto Zusehergunst nicht eben florierenden American-Football-Sport dann doch wieder verlässlich Topquoten und Aufmerksamkeit beschert, soll die Saison in diesem Sport verlängert, das Interesse aufrechterhalten werden. Also hat ein findiger Unternehmer, in dem Fall Vince McMahon, besser bekannt als Wrestling-Promoter, eine eigene Firma gegründet, mit dessen Geld er eine neue Liga aus dem Boden der größten Football-Märkte der Vereinigten Staaten gestampft hat. An diesem Samstag, also nur sieben Tage nach dem Triumph der Kansas City Chiefs über die San Francisco 49ers im Kampf um die Vince-Lombardi-Trophy, nimmt die XFL ihren Betrieb auf - mit dem Spiel der DC Defenders gegen die Seattle Dragons (19.30 Uhr MESZ/Puls 4) und unter dem naheliegenden Motto: Nach der NFL ist vor der XFL.

Acht Teams, die zentral von der Liga (und damit McMahons Unternehmen Alpha Entertainment) gesteuert und vermarktet werden, kämpfen in einem über insgesamt 43 Spiele beziehungsweise zehn Wochen andauernden Grunddurchgang um die Play-offs, die schließlich zum XFL Champions Game am 26. April führen. Die Regeln weichen in einigen Punkten von jenen des großen Bruders NFL ab; beispielsweise sind zwei Forward Passes in einem Spielzug erlaubt, vorausgesetzt der erste geht nicht über die Line of Scrimmage. Ein Unentschieden nach der regulären Spielzeit hat ein Shoot-out zur Folge, und die Uhr läuft mit Ausnahme der letzten beiden Minuten einer Halbzeit durch. Zudem hat die Offense nur 25 - und nicht wie in der NFL 40 Sekunden - Zeit, um den Ball ins Spiel zu bringen. Schneller, kürzer, spektakulärer lautet die Devise, unter der all diese Maßnahmen stehen.

Die große Politik, die vor der Super Bowl mit den Wahlkampfeinschaltungen von Donald Trump und Michael Bloomberg nicht Halt machte, soll möglichst draußen bleiben, drinnen wird Entertainment-Faktor größer als alles andere geschrieben.

Dabei war unter anderem das einer der Kritikpunkte an der Vorgängerversion, der "Origin XFL", mit der McMahon schon 2001 sein Glück versuchte. Doch mangels Interesse musste der Bewerb, dem Effekthascherei à la Wrestling nachgesagt wurde, wieder eingestellt werden. "Mit der Origin XFL hat das jetzt aber nicht viel zu tun", sagt der Unternehmer, der kolportierte 500 Millionen Dollar an Anschubfinanzierung leistet. Dabei hat er schon mit der Origin XFL viel Geld verloren - und sich damit in die Riege jener eingereiht, die schon bei anderer Gelegenheit versucht hatten, den Footballsport vor ihren Karren zu spannen. Einer von ihnen war ein gewisser Donald Trump, der mit weiteren Entrepeneurs Anfang der Achtzigerjahre hinter der United States Football League (USFL) steckte.

Nach einem Rückgang ist das Interesse wieder gestiegen

Als Eigentümer der in dieser agierenden New Jersey Generals drängte er auf eine Verlegung der Liga in den Herbst, um Druck auf die NFL auszuüben, mit der USFL zu fusionieren und somit selbst einen Fuß in die Tür zur prestigeträchtigsten Sportliga der Welt zu bringen. Das Unternehmen ging allerdings nicht auf. Nach nur drei Saisonen ihrer Existenz und 163 Millionen Dollar Verlust war die USFL auch schon wieder Geschichte.

Unternehmer Vince McMahon - der Mann, der hinter der neuen Liga steht. - © afp/Getty/E. Miller
Unternehmer Vince McMahon - der Mann, der hinter der neuen Liga steht. - © afp/Getty/E. Miller

Zumindest daraus wollen McMahon, der vom College-Football abgeworbene Oliver Luck als Commissioner und Konsorten gelernt haben. Die neue Liga versteht sich somit auch nicht als Alternativ-, sondern als Komplementärbewerb. Für die Zuseher, die noch nicht genug von Football haben, bietet sich die Gelegenheit, ihren Lieblingssport weiter zu verfolgen - in den USA überträgt ABC, in Österreich Puls 4 -, für die Spieler jene, sich abseits der NFL vielleicht auf dem zweiten Weg für diese zu bewerben. In den acht Mannschaften stehen zahlreiche aktuelle und ehemalige Akteure, die auf eine zweite Chance hoffen.

Die Zeiten scheinen jedenfalls günstig. In den USA erlebte die Super Bowl zuletzt nach fünf Jahren sinkender Zuschauerzahlen wieder einen Anstieg, auf Fox verfolgten rund 100 Millionen Menschen die Spielzüge. Puls 4 verbuchte in Österreich bis zu 323.000 Zuschauer und rühmte sich eines Marktanteils von 31 Prozent bei der Hauptzielgruppe der Unter-50-Jährigen. Für die neue Liga heißt das freilich noch nicht allzu viel. Denn nicht überall, wo FL draufsteht, ist NFL-Flair drin. Diese Rechnung wäre dann doch zu simpel.