"Er ist ein richtiger Bär, hat Kraft, ist fit, kann sich bewegen" - mit diesen Worten hatte Österreichs Daviscup-Kapitän Stefan Koubek den jungen Tennisspieler Jurij Rodionov schon vor knapp einem Jahr geadelt. Nun scheint es immer mehr so, dass der 20-jährige Niederösterreicher den Vorschusslorbeeren auch gerecht wird. Denn wer angesichts der wohlverdienten Pause des Australian-Open-Finalisten Dominic Thiem sowie des vorzeitigen Ausscheidens Dennis Novaks beim Turnier in Montpellier vergangene Woche geglaubt hatte, im heimischen Tennis sei Flaute eingekehrt, hatte sich geirrt. Zum einen sicherten sich die Fed-Cup-Damen trotz der Abwesenheit ihrer nominellen Nummer eins, Barbara Haas', mit einem Kraftakt den Verbleib in der Europa/Afrika-Zone I, zum anderen sorgte eben dieser Jurij Rodionov jenseits des Atlantik für Schlagzeilen.

Im Finale des mit 108.320 Dollar dotierten Challengers von Dallas setzte sich der Österreicher gegen den US-Lokalmatador Dennis Kudla mit 7:5, 7:6 durch, in der Weltrangliste machte er einen großen Sprung von Platz 362 auf Rang 230, womit er nun viertbester Österreicher hinter Thiem (4.), Novak (96.) und Sebastian Ofner (158.) ist. An der Spitze gab es keine Veränderungen, Australian-Open-Sieger Novak Djokovic liegt weiter vor Rafael Nadal und Roger Federer, dessen Vorsprung auf Thiem allerdings minimal ist.

 

Eine Frage der Einstellung

Von solchen Sphären ist Rodionov seinerseits zwar noch weit entfernt, dennoch macht sich die harte Arbeit, die Österreichs (einziger) Konstante im Junioren-Bewerb von Grand-Slam-Turnieren der vergangenen Jahre seit Längerem von Experten zugeschrieben wird, immer mehr bezahlt. Der in Nürnberg geborene Sohn weißrussischer Eltern, der in Niederösterreich lebt und trainiert, gilt als extrem strebsam und lernfähig, ist Linkshänder und körperlich für sein Alter auf einem hohen Niveau. "Da ist viel drinnen, weil die Einstellung passt", hatte Koubek bei Rodionovs Daviscup-Debüt gegen Chile im vergangenen Jahr gemeint. "Das ist einer, der echt will, fightet bis zum Ende, und dementsprechend trainiert er auch."

Damals hatte Rodionov zwar seine beiden Einzel verloren - die Chancen stehen aber gut, dass er seine Daviscup-Bilanz beim Duell am 6./7. März in Graz-Premstätten aufbessern kann. Koubek hat ihn vorerst in den erweiterten Kader für das Duell gegen Uruguay nominiert, nach der Absage Thiems, der den Daviscup zugunsten seiner Titelverteidigung beim Masters-1000-Turnier in Indian Wells sausen lässt, hat sich Rodionov aber für einen Einsatz aufgedrängt. Im Vorjahr gegen Chile musste er noch der Erfahrung seiner beiden Top-100-Gegner Tribut zollen. In Dallas hat er nun selbst zwei Spieler dieser Kategorie - Andrea Seppi und Dominik Köpfer - geschlagen. Und ein "richtiger Bär" im Team kann freilich nicht schaden.