Die großen Favoriten sind andere, sie kommen aus Norwegen und Frankreich und heißen Johannes Thingnes Bö und - mit Abstrichen - Martin Fourcade und nicht etwa Julian Eberhard und Simon Eder. Dennoch sagt Österreichs Cheftrainer Ricco Groß vor der am Donnerstag beginnenden Biathlon-WM in Antholz: "Das Ziel ist klar. Wir wollen mit einer Medaille heimfahren." Seine Mannschaft würde damit auch eine gewisse Tradition fortsetzen, insgesamt gab es bisher 17 Medaillen für Österreich - vor einem Jahr in Östersund eine Bronzene durch Eberhard, vor drei Jahren bei der Heim-WM in Hochfilzen zwei Bronzene durch Eder, ebenfalls im Massenstart, sowie der Staffel.

In den Teambewerben kann man auch diesmal am ehesten mit Edelmetall spekulieren, die Herren belegten in Ruhpolding im Weltcup Platz drei, im Single-Mixed holten Eder und Lisa Hauser heuer und im Vorjahr ebenfalls schon Spitzenplätze. "In den verschiedenen Staffel-Formaten haben wir bereits im Weltcup angedeutet, dass einiges möglich ist", sagt Groß. "In den Individual-Rennen ist natürlich Julian aufgrund seines Leistungsvermögens in der Loipe ein Medaillenkandidat, aber jedes Rennen bietet eine Chance", sagt er. Der angesprochene Eberhard lieferte zwar in diesem Weltcup-Winter wieder einige Toplaufzeiten ab, der WM-Dritte des Vorjahres verfehlte aber zumeist zu viele Scheiben. "Bei einer WM geht es einzig und allein um Medaillen, deshalb heißt es ,alles oder nichts‘. Für eine Medaille braucht es auf alle Fälle eine außergewöhnliche Vorstellung", erklärt der Salzburger. Spannend werde gegen Ende der elftägigen WM auch sein, wer in der Höhenlage von 1600 Meter am besten mit den Kräften haushalten könne.

Umgekehrt sind die Voraussetzungen bei Eder. Der Routinier ist nach wie vor einer der Topschützen, vermag in der Loipe aber nicht ganz mit den Schnellsten mitzuhalten. Eder, 2016 und 2017 in Hochfilzen WM-Medaillengewinner, darf sich am ehesten über 20 Kilometer und eben mit Hauser im Single-Mixed etwas ausrechnen. Allerdings wird der Bewerb bei der WM aufgrund des Zeitplans getrennt von der zum WM-Auftakt angesetzten Vierer-Mixed-Staffel deutlich besser besetzt sein als im Weltcup. Hauser sieht sich in den Einzelbewerben trotz einer guten Generalprobe mit zwei siebenten Rängen in Pokljuka nicht als Edelmetallanwärterin. "Von der Medaille rede ich nicht, da hätte ich bereits im Weltcup einmal auf dem Stockerl stehen müssen. Das müsste ein wirklich perfekter Tag sein", sagt die Tirolerin, deren bestes WM-Ergebnis ein siebenter Rang über 15 Kilometer aus dem Vorjahr ist. Anders als Hauser gelangen Katharina Innerhofer nach gutem Saisonbeginn zuletzt aufgrund schlechter Trefferquote keine Spitzenergebnisse mehr. Mit gedämpften Erwartungen muss sich wieder einmal Dominik Landertinger zufriedengeben. Der mehrfache WM-Medaillengewinner schlägt sich bereits die gesamte Saison mit muskulären Problemen als Folge eines Bandscheibenvorfalls herum.

Johannes Thingnes Bö. - © afp/Jean-Pierre Clatot
Johannes Thingnes Bö. - © afp/Jean-Pierre Clatot

Duell der Superstars

In der Staffel hält der Ex-Weltmeister einen Stockerlplatz aber für möglich. "Das Ziel muss sicherlich die Medaille sein. Wenn wir alle einen guten Tag erwischen, haben wir ein sehr gutes Potenzial, auch wenn die Konkurrenz unheimlich groß ist", meint Landertinger, der 2017 bei der Heim-WM mit dem ÖSV-Quartett Dritter war. "Die Favoriten zu ärgern, wäre schon schön", meint auch ÖSV-Youngster Felix Leitner.

Martin Fourcade. - © afp/Christof Stache
Martin Fourcade. - © afp/Christof Stache

Das Duell um den Status des WM-Superstars dürften indessen der sechsfache Saisonsieger Bö und der im Jänner wiedererstarkte fünfmalige Gewinner Fourcade unter sich ausmachen. Einige ihrer Herausforderer kommen mit mehreren Norwegern um Tarjei Bö und Franzosen um Quentin Fillon Maillet aus dem jeweils eigenen Lager. Und ein bisschen spekulieren dürfen dann doch auch die Österreicher. (apa/art)