Mit Orchestermusik, Tanz- und Choreinlagen wurde am Dienstagabend in Reggio Emilia der neue Ferrari-Bolide präsentiert, ein weiterer Paukenschlag folgte dann am Mittwoch: Denn wegen des Coronavirus, das sich von China aus verbreitet hat und dem dort schon mehr als 1000 Menschen zum Opfer gefallen sind, wird der Grand Prix in Shanghai verschoben - wenn er nicht ganz abgesagt werden muss.

Das eigentlich für den 19. April geplante Rennen soll laut Meldung vom Mittwoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgehalt werden, sofern die Situation sich bessere, teilte der internationale Automobilverband mit.

FIA und die Formel-1-Führung hatten schon vor Wochen angekündigt, die Entwicklungen in China sehr genau zu beobachten und nötigenfalls "Maßnahmen zu ergreifen, um zu helfen, die weltweite Motorsportgemeinschaft und die breite Öffentlichkeit zu schützen". Eine Option war zunächst auch, das Rennen ans Saisonende zu verschieben. Allerdings ist der Kalender schon jetzt mit 22 Rennen sehr dicht, die Saison endet erst am 29. November 2020. Dennoch konnte man sich vorerst nicht zu einer gänzlichen Absage durchringen.

Vettel: "Ein bisschen mehr rot"

Während die Macher der Rennserie ihrem Expansionsdrang weiter nachgehen wollen - ab 2021 könnte sogar auf 25 Rennen aufgestockt werden -, haben Fahrer und auch Teams bereits Kritik an dieser Entwicklung geäußert. Ferrari-Teamchef Matteo Binotto hatte die Kosten-Nutzen-Rechnung in Frage gestellt, Sebastian Vettel eine Rückkehr zum Motto Qualität statt Quantität angeregt. Klare Worte hatte auch Weltmeister Lewis Hamilton gefunden. Für ihn sei der XXL-Kalender "völlig sinnlos", hatte er gemeint - und dabei auch auf die Belastung der Techniker verwiesen.

Wegen der nach wie vor möglichen Absagen - auch die Formel-1-Premiere in Vietnam könnte aufgrund der geographischen Nähe zu China betroffen sein - steht nun auch noch nicht fest, wann Ferrari sein Jubiläum feiern soll. Dabei steht die Saison für die Scuderia unter dem Zeichen des 1000. Grand-Prix-Starts. Dem Rechnung zollend hat man den neuen Boliden auch den Namen SF1000 verpasst. Während er optisch beinahe exakt dem Vorjahresmodell gleicht, will man im Innenleben "an allen Komponenten" gearbeitet haben, wie Binotto sagte. Und noch etwas ist für Vettel neu an seinem künftigen Arbeitsort: "Er ist ein bisschen mehr rot." (art)