Bei der Darts-WM im Dezember hat sie Geschichte geschrieben, am Donnerstag wird sie dieser ein weiteres Kapitel anfügen: Nach dem ersten und zweiten Sieg einer Frau bei der PDC-Weltmeisterschaft wird Fallon Sherrock nun auch als erste Frau ein Spiel in der Premier League bestreiten. Im vierten Match nach 20 Uhr (Sport1, Dazn) wird damit aus der "Queen of the Palace", zu der die Engländerin bei ihren Auftritten im Alexandra Palace von London von den euphorisierten Fans geadelt wurde, die Königin der Nacht von Nottingham. Der Gegner Sherrocks ist ihr Landsmann Glen Durrant, der bei der WM ins Viertelfinale eingezogen war und nach einem klaren 7:3-Auftaktsieg über Michael Smith an der Spitze der Premier League liegt. Sherrock selbst hat in London mit ihren Siegen über Ted Evetts und den Wiener Mensur Suljovic, der diesmal keine Einladung für die lukrative Premier League erhalten hat, Meilensteine in ihrem Sport gesetzt.

Der historischen Bedeutung war sich die 25-Jährige durchaus bewusst. "Ich bin stolz auf das, was ich für den Darts-Sport erreicht habe. Ich habe bewiesen, dass wir Frauen gegen Männer spielen und sie besiegen können. Wir müssen nur die Chance dazu bekommen, die haben wir nicht so oft", sagte sie in London.

Vergleich mit Billie Jean King

Beobachterinnen und Beobachter waren sich schon damals sicher, dass Sherrock selbst einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet hat, dass sich das nun langsam ändert. Von manchen war sie schon mit der Tennis- und Frauenrechtsikone Billie Jean King, einer Vorkämpferin für die Damen-Profiliga WTA sowie höhere Preisgelder, verglichen worden; diese hatte die Britin "eine Inspiration für Millionen" genannt.

Zeichen der Zeit

Die Entwicklung wird freilich nur in kleinen Schritten voranschreiten - für einen weiteren sorgte inzwischen Sherrocks Landsfrau Lisa Ashton, die als erste Frau eine Tourkarte für diese und die kommende Saison gelöst hat.

Doch auch Sherrock, die sich auch als Stargast bei der Vienna Darts Gala am 10. April angekündigt hat, wird man nun öfter im Duell mit den männlichen Superstars der Szene zu sehen bekommen, entsprechende Einladungen trudeln ein. Zudem hat sich die Zahl ihrer Werbe- und sonstigen Auftritte - beispielsweise bei ihrem Einsatz für Kinder mit Autismus - in den vergangenen eineinhalb Monaten seit der WM ebenso deutlich erhöht wie jene ihrer Follower auf den sozialen Medien.

Es sind dies allesamt Zeichen, die auch die ansonsten eher konservativ ausgerichtete PDC (Professional Darts Corporation) unter Chefpromoter Barry Hearn nicht mehr länger übersehen kann. Dort sind die Medienstationen Dauergäste, und dort werden die großen Preisgelder verteilt. Die Premier League etwa - ein mehrwöchiges Turnier - ist insgesamt mit 700.000 Pfund dotiert, der Sieger erhält 200.000. Für Sherrock ist fürs Erste Dabeisein zwar nicht alles, aber doch schon sehr viel.