Wer ist Emilien Jacquelin? Bis vor wenigen Tagen Tagen war der 24-jährige Biathlet aus Frankreich nur Experten und Hardcore-Anhängern ein Begriff. Seit er aber bei der aktuell in Antholz laufenden Weltmeisterschaft die Goldmedaille in der Verfolgung (über 12,5 Kilometer) gewonnen hat, ist der Überraschungsmann in aller Munde.

Sein Beispiel zeigt, dass im Biathlon alles möglich ist, selbst für jemanden wie Jacquelin, der zuletzt nur in Staffelbewerben (EM 2018 in Ridnaun, Weltcup in Ruhpolding und Pokljuka 2020) den Sprung aufs Stockerl schaffte. Bei der WM im Vorjahr in Östersund war er sowohl im Sprint wie auch in der Verfolgung nicht über den 24. beziehungsweise 29. Rang hinausgekommen, eine Steigerung von einem Niveau aus, das bemerkenswert ist. Wie auch immer, für die österreichischen Biathleten bedeutet das, dass auch sie beim Einzel-Bewerb am heutigen Mittwoch (14.15 Uhr/ORF1) für eine Überraschung sorgen könnten. Theoretisch zumindest, zumal hier die Franzosen mit Jacquelin und Martin Fourcade zu den Favoriten zählen.

Felix Leitner. - © apa/afp/Bertorello
Felix Leitner. - © apa/afp/Bertorello

Die Verfolgung am Wochenende war für die Österreicher mit Ausnahme des neunten Platzes von Felix Leitner ja nicht ganz nach Plan gelaufen, standen doch hier Plätze im hinteren Teilnehmerfeld (12. Simon Eder, 14. Julian Eberhard, 40. Dominik Landertinger) zu Buche. Während sich Leitner mit dem Ergebnis zufrieden zeigte ("Wieder Top Ten, ich kann nicht meckern"), hatte Landertinger seinem Ärger in Antholz Luft gemacht: "Ich habe geschossen wie ein Volksschüler und bin gelaufen wie ein Rentner. Das war ein Rennen zum Vergessen. Es war einfach von vorne bis hinten ein verkorkster Bewerb", sagte er.

Platz sieben für Rieder

Während die Herren nun also die 20 Kilometer in Angriff nehmen, haben die ÖSV-Damen ihren Einzel-Bewerb (über 15 Kilometer) bereits am Dienstag hinter sich gebracht. Die Überraschung des Tages lieferte hier die 26-jährige Christina Rieder, die mit einem fast fehlerfreien Lauf auf Anhieb den siebenten Rang (+1:20,6 Minuten) eroberte. Zuvor war sie im Weltcup nie unter den besten 20 platziert gewesen. "Es war ein perfektes Rennen, Platz sieben ist ein Wahnsinn", erklärte die Salzburgerin im ORF-Interview. Dass es bei einem fehlerfreien Lauf ein vierter Platz werden hätte können, kümmert sie nicht. "Der Fehlschuss ärgert mich überhaupt nicht, das Ziel war ein 20. Platz. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich auf den siebenten Platz komme, hätte ich den sofort genommen", meinte Rieder.

Der Sieg ging nach dem Verfolgungsbewerb auch hier wieder an die Südtirolerin Dorothea Wierer, diesmal mit 2,2 Sekunden Vorsprung auf die Deutsche Vanessa Hinz, die einen Fehlschuss verzeichnete, und 15,8 Sekunden vor der Norwegerin Marte Olsbu Röiseland. Katharina Innerhofer wurde mit vier Strafminuten 20., Lisa Theresa Hauser musste sich mit fünf Fehlern mit dem 51. Platz begnügen. (rel)