Der ehemalige ÖSV-Trainer Walter Mayer hat sich am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck wegen Dopingvergehen und Beitrags zum Sportbetrug verantworten müssen. Sein Verteidiger, Hans-Moritz Pott, kündigte im Eröffnungsplädoyer an, dass sein Mandant vorerst vom Entschlagungsrecht Gebrauch machen werde. Die erstangeklagte ehemalige Leichtathletin bekannte sich indes teilweise schuldig - und wartete dann mit einer Überraschung auf: Sie gab nämlich zu, Mayer bei ihrer Einvernahme bei der Polizei zu Unrecht beschuldigt und damit verleumdet zu haben. Der Staatsanwalt dehnte daraufhin sogleich den Strafantrag gegen die 37-jährige ehemalige Leichtathletin auf das Vergehen der Verleumdung aus. Außerdem beantragte er die Ladung der Beamten als Zeugen. Andere Zeugen - der mehrfache Doper Johannes Dürr und der ehemalige Trainer Gerald Heigl - beschuldigten Mayer allerdings. Der Prozess wurde schließlich vertagt, die Verteidigung ließ offen, weitere Beweisanträge zu stellen.

Angeklagte will Mayer zu Unrecht belastet haben

"Ich wurde von den Beamten unter Druck gesetzt", sagte die ehemalige Leichtathletin über ihre Einvernahme bei der Exekutive. Die Polizisten hätten sie dazu gedrängt, "etwas über Mayer zu sagen". "Die Polizisten sagten: 'Wir wissen, dass du mehr weißt über Mayer'", schilderte die Angeklagte. Man habe ihr damit gedroht, "heute nicht mehr heimgehen" zu dürfen.

Mayer habe ihr vor Wettkämpfen zwar Infusionen gegeben, dabei habe es sich aber um Magnesiumlösungen gehandelt und nicht um das verbotene Humanalbumin, wie sie vor der Polizei noch angegeben hatte, betonte die 37-Jährige. Auch Mayer selbst bestätigte diese Version der Erstangeklagten. Er habe ihr vor Wettkämpfen Kochsalzlösungen mit Magnesium als Infusion gegeben. Der ehemalige ÖSV-Trainer bekannte sich diesbezüglich demnach nicht schuldig. Zu den übrigen Vorwürfen wollte er zunächst keine Aussagen machen.

Belastendes kam dann allerdings von Dürr und Heigl. Der ehemalige Langläufer Dürr sagte, zu vier Blutbehandlungen bei Mayer gewesen zu sein. Heigl gab an, gemeinsam mit ihm Wachstumshormone und EPO besorgt beziehungsweise teilweise über ihn bezogen zu haben.

Mayers Anwalt Hans-Moritz Pott hatte Dürr bereits zu Prozessbeginn angegriffen: "Wenn man sich Dürr anschaut, ist er das Paradebeispiel eines Zeugen, dem man nicht glauben darf. Und genau auf seine Aussage baut man jetzt eine Anklage auf", empörte er sich.

Mayer ein alter Bekannter vor Gericht

Mayer wird vorgeworfen, von 2012 bis 2019 Sportler beim Dopen unterstützt zu haben und auch selbst Dopingmittel, darunter Wachstumshormone, Testosteron und Humanalbumin, an Sportler weitergegeben zu haben. Zudem soll er Blutdoping an Athleten praktiziert und damit zu deren Sportbetrug beigetragen haben.

Der ehemalige ÖSV-Trainer war bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Doping in die Schlagzeilen geraten. Er war bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City 2002 und Turin 2006 in Doping-Skandale um österreichische Langläufer und Biathleten verwickelt. Im August 2011 wurde er am Wiener Straflandesgericht nach dem Anti-Doping- sowie dem Arzneimittel-Gesetz in erster Instanz zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt. 2013 bestätigte das Wiener Oberlandesgericht die Strafe, setzte sie aber zur Gänze auf Bewährung aus. (apa/red)