Eine Absage da, eine Verschiebung dort, Verhaltensregeln für Interview hier, Geisterspiele woanders: Zizerlweise tröpfelten in den vergangenen Tagen die Meldungen ein, wonach das Coronavirus unmittelbare Auswirkungen auf den Sport hat. Doch während die Organisatoren der weltgrößten Sportveranstaltung der Welt in Tokio trotz Einschränkungen im täglichen Leben nach wie vor an den Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele 2020 festhalten - sich das Zeitfenster indessen langsam, aber sicher zu schließen beginnt - waren es bisher vor allem einzelne Spiele und Bewerbe, die davon beeinflusst waren. Als erstes Land Europas macht nun aber die Schweiz auch auf breiterer Basis ernst: Am Freitag fällte der Bundesrat die Entscheidung, alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen ab sofort zu verbieten.

Die Regelung gilt vorerst bis 15. März und betrifft neben Kulturveranstaltungen und Messen freilich insbesondere den Sport. Demnach können die oberen Ligen im Fußball und Eishockey nicht wie geplant stattfinden. Die Fußball-Liga verschob daraufhin alle Spiele des Wochenendes auf einen noch unbekannten Zeitpunkt, die Eishockey-Spiele sollen vor leeren Rängen stattfinden. Welche Auswirkungen die Entscheidung darüberhinaus auf den weiteren Spielplan hat, stand vorerst noch nicht fest.

Geisterspiele in Italien

In Italien, jenem Land, das in Europa bisher die meisten Fälle verzeichnete, hält man indessen zwar noch am Spielplan fest, das Virus geistert aber auch dort durch die Stadien - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn am Wochenende werden fünf Spiele der ersten Fußball-Liga Serie A ohne Zuschauer, sprich als Geisterspiele, abgehalten. Darunter ist am Sonntagabend das Spitzenspiel zwischen Tabellenführer Juventus Turin und Inter Mailand. Weiters betroffen sind am Samstag Udinese gegen Fiorentina sowie am Sonntag AC Milan gegen Genoa, Parma gegen SPAL und Sassuolo gegen Brescia.

Österreich will sich mit Behörden abstimmen

In der österreichischen Bundesliga gibt es vorerst noch keine Absagen oder Verschiebungen wegen der Ausbreitung des Virus. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen und werde je nach Maßgabe gemeinsam mit den Klubs über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im ORF-Radio. Absagen oder Geisterspiele seien für ihn aber die letzte Option, erklärte er.

Rad-Tour wegen positiver Tests abgebrochen

Indessen haben in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwei positive Tests auf das Virus zum Abbruch der UAE Tour geführt. Laut Veranstalter wurden zwei italienische Mitglieder eines italienischen Teams positiv getestet. "Die Entscheidung wurde getroffen, um den Schutz alle am Rennen Beteiligter zu gewährleisten", heißt es in der Mitteilung des Veranstalters.

Zuvor hatten bereits mehrere Teams und Fahrer in den sozialen Medien über eine Absage berichtet. Alle an der Rundfahrt beteiligen Personen müssen sich einem Sars-CoV-2-Test unterziehen und dürfen bis dahin das Hotel nicht verlassen. "Ich hoffe, dass sich die Betroffenen schnell erholen und es keine weiteren Fälle gibt", twitterte der viermalige Tour-de-France-Sieger Chris Froome, der bei dem Rennen auf der arabischen Halbinsel sein Saisondebüt gegeben hatte. Mit Patrick Konrad, Gregor Mühlberger, Marco Haller und Matthias Brändle nehmen auch vier Österreicher an dem Rennen teil. (art)