Der Slowene Radovan Gacic soll die österreichischen Volleyballer erneut zur EM führen. Der 45-Jährige ist am Freitag als neuer Teamchef mit dem Ziel der Qualifikation für die Euro 2021 vorgestellt worden. Unter seinem deutschen Vorgänger Michael Warm, der über neun Jahre im Amt gewesen war, hatte man das für die auf 24 Nationen aufgestockte Endrunde 2019 erstmals aus eigener Kraft geschafft.

"Warm hat gute Arbeit geleistet, der Weg ist der richtige, das wollen wir fortsetzen", betonte Gacic, der erstmals als Nationalchefcoach tätig sein wird, bei seiner Präsentation in Wien. Mit den rumänischen Herren-Klubs Zalau und Constanta sammelte er bereits Champions-League-Erfahrung, auf Nationalteamebene war Gacic unter anderem als Co-Trainer in seiner slowenischen Heimat und in Ägypten tätig. Parallel zum ÖVV-Amt bleibt er weiterhin Chefcoach der slowenischen Damenclubs Branik Maribor.

Mit Österreich will er sich nicht nur für die EM qualifizieren, sondern im Erfolgsfall auch mit den besten Nationen mithalten. Im Vorjahr war unter Warm kein Sieg bei der Euro gelungen. "Es ist Zeit für den nächsten Schritt, bei der EM auch etwas zu zeigen", meinte Gacic, der auf eine gute Gruppendynamik der arrivierten Führungsspieler um Alexander Berger und Peter Wohlfahrtstätter und der jüngeren Garde baut. Die EM-Teilnahme sei ein ambitioniertes Ziel, aber ebenso wie das Mithalten mit den Topnationen an einem guten Tag machbar. "Der Unterschied zu den besten Mannschaften ist nicht so groß, dass wir nicht zu einem positiven Resultat kommen können." Das gelte auch für den Qualifikationsgegner Bulgarien, gegen den es wie gegen Israel ab August in Hin- und Rückspielen in einer Dreiergruppe um die EM-Teilnahme geht.

ÖVV-Präsident Gernot Leitner verspürt bei Gacic jedenfalls das nötige "Feuer" und ist zuversichtlich. "Ich habe ein gutes Gefühl. Ich bin sicher, dass er unseren Volleyballsport weiterentwickeln wird und kann." Neben der fehlenden Sprachbarriere - Gacic spricht ausgezeichnet Deutsch - habe auch das restliche "Gesamtpaket" für den vor allem gut mit den österreichischen Mevza-Clubs vertrauten Slowenen gesprochen. "Wir brauchten jemand, der 10, 20 Jahre in der Branche ist, die richtige Persönlichkeit, Autorität und Kompetenz ausstrahlt", so Leitner über die Vorzüge seines neuen Teamchefs, der sich gegen 30 Mitbewerber durchgesetzt hat und einen Zweijahresvertrag erhielt. Dass unter den Kandidaten kein einziger Österreicher war, sei allerdings ein "Armutszeugnis", räumte der Verbandschef ein.

ÖVV-Sportdirektor Gottfried Rath erwartet sich unter Gacic schlicht und einfach "Erfolg". Dem Teamchef bleibe bis zum Beginn der Qualifikation im Sommer aber nicht viel Zeit. "Wir brauchen schon im August und im September Erfolgserlebnisse. Radovan hat viel zu tun, er hat neue Spieler unter sich, die müssen sich an den neuen Coach und seine Philosophie gewöhnen", erläuterte Rath. Zeit dazu erhält man bei einem ersten Vorbereitungsblock im Mai und im Juni, da soll es auch Testspiele gegen hochwertige Gegner geben. Nach einer kurzen Sommerpause folgt im Juli die Intensivvorbereitung auf den EM-Quali-Auftakt am 15. August auswärts gegen Israel. Rath erhofft sich nicht nur die EM-Teilnahme, sondern träumt langfristig sogar von der WM-Qualifikation. Mit der nötigen Kontinuität sei vieles möglich. "Wir haben tatsächlich eine realistische Chance, uns in die Top 36 der Welt hineinzuspielen." (apa)