Österreichs Davis-Cup-Team hat die Vorentscheidung im Qualifikationsrunden-Duell mit Uruguay knapp verpasst. Nachdem Dennis Novak am Freitag in Premstätten bei Graz mit einem 6:2,6:4 gegen Martin Cuevas programmgemäß auf 1:0 gestellt hatte, schrammte Jurij Rodionov hauchdünn an seinem ersten Sieg in diesem Teambewerb vorbei. Der 20-Jährige unterlag Pablo Cuevas 7:6(7),3:6,6:7(5).

Der Niederösterreicher war als Außenseiter in seinen ersten Vergleich mit dem aktuellen Weltranglisten-60. gegangen. Basierend auf das Selbstvertrauen von zwei Challenger-Titelgewinnen vom Februar war er dann aber vor allem im ersten und dritten Satz auf Augenhöhe mit Uruguays Nummer eins. Letztlich war wohl die Routine des 34-jährigen Gegners für den Ausgang der Partie mitentscheidend.

"Es war ein unglaublicher Fight", resümierte Rodionov nach der Partie. "Ich habe mich noch nie so gut auf einem Tennisplatz gefühlt. Jedes Mal, wenn ich einen Punkt gemacht habe, habe ich gespürt, dass ich einen Schub von den Fans bekommen habe." Am Anfang sei er zu nervös gewesen, habe zu viel Energie in die Ballwechsel gelegt, woraus im dritten Durchgang Krämpfe resultiert haben.

"Er ist trotz Krämpfen lange Ballwechsel gegangen", lobte ÖTV-Kapitän Stefan Koubek seine Nummer zwei in der Steiermarkhalle. "Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht, da war alles drinnen in der Partie. Aber Jurij hat fast bis zum Umfallen gefightet." Hinsichtlich des vielleicht entscheidenden letzten Einzels müsse man die Nacht abwarten, wie sich Rodionov am Samstag fühle, so Koubek.

Vorerst treten ab 13.00 Uhr (live ServusTV) aber Oliver Marach und Jürgen Melzer im Doppel gegen Pablo Cuevas und Ariel Behar an. Gleich danach muss der erfolgreichere der Cuevas-Brüder im Einzel gegen Novak ran. Koubek: "Der ist zweieinhalb Stunden auf dem Platz gestanden. Jurij hat ihn ordentlich müde gemacht. Das wird er morgen spüren, und das ist sicher ein Vorteil für uns."

Rodionov hatte Pablo Cuevas schon im ersten Satz bei je 43 gewonnenen Punkten stark gefordert, im Tiebreak fixierte er seinen ersten Satzgewinn im Davis Cup. "Ich habe mich gut in die Partie reingefightet. Im zweiten Satz hat Cuevas eine Schippe draufgelegt, hat angefangen, aggressiver zu spielen. Im dritten Satz war es wieder sehr eng. Es war eine sau-gute Partie auf einem hohen Niveau."

Laut Koubek seien die Matches bisher nach Papierform ausgegangen und wenn es so weitergeht, mache er sich keine Sorgen. Sollte es für Rodionov bei 2:2 zu einem "Showdown" gegen Martin Cuevas kommen, sei er bereit. "Dann den entscheidenden Punkt holen und die Sachen, die ich letztes Jahr falsch gemacht habe (2 Niederlagen in Salzburg gegen Chile, Anm.), dieses Mal richtig zu machen."

Das weitere Programm

Am Samstag stehen ab 13 Uhr (live ServusTV) ein Doppel und zwei weitere Einzel auf dem Programm. Vorerst werden die Augen auf die Routiniers Jürgen Melzer und Oliver Marach gerichtet sein. Ersterer hat im September 1999 bei einem 3:2 in Pörtschach gegen Schweden sein Daviscup-Debüt gegeben, unterlag im Doppel an der Seite von Alexander Peya. Fast 20,5 Jahre später geht er in seinen bereits 38. Länderkampf.

Seine bisher 37 Nominierungen verhalfen ihm in einer internationalen Statistik zu einem Top-Fünf-Platz, wobei der 46-jährige indische Haudegen Leander Paes mit 57 gespielten Länderkämpfen einsamer Spitzenreiter ist. Melzer ist stolz, diesem elitären Kreis anzugehören: "Es ist cool, aber es zeigt auch, dass ich schon ein paar Jahre auf dem Buckel habe."

"Freundschaften fürs Leben"

Nach all der Zeit sei es noch immer etwas Besonderes, dabei zu sein. "Es ist schön zu sehen, dass nach all den Jahren das Feuer immer noch da ist", meinte Österreichs Rekord-Daviscupper. "Es war selten etwas dabei, wo wir uns uneinig waren. Wir haben immer eine gute Harmonie gehabt über die Jahre weg, und da sind sehr, sehr enge Freundschaften entstanden. Die bleiben fürs Leben. Das ist, was mir extrem taugt."

Abgesagt habe er nur wegen Verletzungen. Das sei bei Top-Spielern früher üblich gewesen. "Es hat ich aber in den letzten Jahren so entwickelt, dass sie nicht spielen, wenn es ihnen nicht in den Plan passt. Ich war immer da, ich habe immer meine Hand gehoben." Wohl nicht zuletzt auch dafür erhielt Melzer als einer von bisher sieben österreichischen Spielern vom Internationalen Verband (ITF) den Commitment Award.

Sein schönster Moment im Daviscup sei dabei der Fünfsatzsieg vor neun Jahren im Schwechater Flughafen-Hangar gegen Frankreichs Gilles Simon gewesen. "Die Stimmung, das war schon extrem", schwärmt Melzer noch heute davon. In Premstätten soll nun ein weiteres Highlight folgen.

Österreich - Uruguay (Steiermarkhalle, Hartplatz)

Zwischenstand: 1:1

Freitag:

Dennis Novak - Martin Cuevas 6:2,6:4

Jurij Rodionov - Pablo Cuevas 7:6(7),3:6,6:7(5)

Samstag:

Doppel und maximal zwei weitere Einzel.

Anmerkung: Der Sieger der Begegnung ist für das Finalturnier mit 18 Teams vom 23. bis 29. November in Madrid qualifiziert (6 Dreiergruppen). Der Verlierer spielt im September im Play-off um den Klassenerhalt bzw. die Teilnahme an der Qualifikationsrunde 2021.(apa/art)