Die Sportwelt steht still. Keine Veranstaltungen, keine Ergebnisse, keine Sieger und Verlierer. Seit die Regierung die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verschärft hat, sind nicht nur Bewerbe in großem Stil gestrichen, sondern auch Aufenthalte im Freien wie zum Beispiel zum Sport nur noch eingeschränkt möglich. Auch längere Single-Läufe sind nicht mehr erlaubt. Und dennoch - oder auch deswegen - steigt gerade in Zeiten wie diesen die Sehnsucht, nach draußen zu kommen. Naturerlebnisse spielen wieder eine größere Rolle - und könnten daher für die Zeit danach und die Planungen auch für Laufbegeisterte für das kommende Jahr verstärkt in Betracht gezogen werden. Denn "schöne Läufe" gibt es viele.

"Wer ist die Schönste im ganzen Land?", hat schon die Königin im Märchen "Schneewittchen" gefragt. Rankings sind heute in Mode, Listen, wer die Besten, Attraktivsten, Tüchtigsten sind. Im Sport ergibt sich die Reihung oft durch messbare Kriterien (Zeiten, Weiten et cetera.). Schönheit ist in Sportarten wie Turnen und Eiskunstlauf gefragt, aber dass es beim Laufen nicht um einen Schönheitspreis geht, hat schon in den 1950er Jahren "die tschechische Lokomotive" Emil Zatopek vorgeführt und ausgesprochen. Nicht die Schönheit des keuchenden Läufers, aber die Schönheit von Laufveranstaltungen war in Österreich schon der Gegenstand von Umfragen. Dahinter stand wohl der Gedanke, dass die Attraktivität eines Laufes nicht nur davon abhängt, wie groß die Teilnehmerzahlen sind und ob die Strecke vergleichbare Spitzenzeiten zulässt. Wäre es so, müssten die großen Stadtmarathons, möglichst flache 10-Kilometer-Läufe oder Halbmarathons am attraktivsten sein - aber genau das ist nicht der Fall. Die Internet-Plattform laufkalender.at ließ in den Jahren 2011 bis 2014 den "schönsten Lauf Österreichs" wählen und ermittelte jedes Mal einen anderen Sieger: 2011 den Frauen-Fun-Run im Wiener Prater, 2012 das 24-Stunden-Benefiz-Lauffestival im steirischen Irdning, 2013 den Achenseelauf in Tirol und 2014 den Klassiker "Rund um den Wolfgangsee".

Was macht
einen Lauf schön?

Einige Veranstaltungen schienen in allen vier Jahren unter den Top Ten auf: der Wolfgangseelauf, der Scharnitzer Karwendelmarsch und der Heiligenbluter Großglockner-Berglauf. Dreimal schafften es der Klagenfurter Wörthersee-Trail, der Welser Halbmarathon und der in einer Hinsicht herausragende Achenseelauf: Nur er kam dreimal unter die drei schönsten Läufe Österreichs, 2014 fiel er freilich auf Rang 15 zurück.

Ganz andere Läufe lagen 2016 in einer Umfrage von HDsports.at an der Spitze. Von 5000 Stimmen, die sich auf 207 Läufe verteilten, entfielen 11,9 Prozent auf den Bergmarathon um den Traunsee, der damit vor dem Kaindorfer Römerlauf und dem Klosterneuburger Adventlauf das Rennen machte. Von den Läufen, die von 2011 bis 2014 bei laufkalender.at Spitzenplätze erreicht hatten, kam hier nur der Wolfgangseelauf halbwegs gut weg. Was macht einen Lauf schön? Offenbar nicht eine gängige Streckenlänge, denn der Traunsee-Bergmarathon führt über 70, der Wolfgangseelauf über 27 und der Achenseelauf über 23,2 Kilometer. Auch die große Teilnehmerzahlen aufweisenden Marathons in Wien, Graz, Salzburg oder Linz können bei diesem Thema nicht punkten. Die größte Rolle dürfte eine reizvolle Landschaft spielen. Hinzu kommt, wie sehr der Veranstalter durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine möglichst perfekte Organisation dafür sorgt, dass sich die Läufer wohlfühlen. Natürlich haben auch das Wetter und die Tagesverfassung Einfluss darauf, wie man einen Lauf in Erinnerung behält.

Dass seit 2016 keine Umfragen zur Schönheit von Läufen vorliegen, kann man unterschiedlich interpretieren. Haben wir den Sinn für die Schönheit im Sport verloren? Oder verzichtet man gern auf Umfrageergebnisse, die darauf hindeuten, dass die Laufszene in Österreich nicht nur am Wien-Marathon oder anderen Großveranstaltungen hängt? Was man bisher weiß, legt jedenfalls nahe, dass die Mehrheit der Läufer lieber in imposanten Landschaften als im städtischen Bereich unterwegs ist. Natürlich kann es Hochgefühle auslösen, auf sonst den Autos vorbehaltenen Verkehrsflächen wie der Wiener Ringstraße zu laufen - aber Läufe entlang von Seen oder in den Bergen sind offenbar für viele noch attraktiver. Auch wenn man sich dafür wohl etwas gedulden wird müssen: Für die Zukunft könnte dies noch stärker gelten.