Einkaufen macht müde. Für manch einen gilt das sogar schon für das televisionelle Beobachten der Schlangen, die sich durch jene Menschen gebildet haben, die plötzlich den Heimwerker in sich entdeckt haben. Es war der erste Schritt von "Phase 2" der Corona-Maßnahmen, wie es Gesundheitsminister Rudolf Anschober genannt hatte, die Wiedereröffnung weiter Teile des Handels. Mit der Pressekonferenz von Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (beide Grüne) vom Mittwoch wurde nunmehr der zweite Schritt dieser zweiten Phase eingeläutet: das gestaffelte Wiederhochfahren des Sportbetriebs in Österreich. All diejenigen, die nach dem Einkauf noch nicht müde auf die mittlerweile liebgewonnene Couch sinken, haben demnächst also auch wieder mehr Freiheiten zur sportlichen Betätigung. Ob eine ähnliche Anzahl an Menschen aber nicht nur den Heimwerker, sondern auch den Mini-Tiger-Woods in sich entdeckt, bleibt abzuwarten.

Letztere jedenfalls dürfen aufatmen. Denn Golfclubs zählen neben Tennisplätzen, Reitanlagen und Co. – eben all jenen Sportarten, die im Freien und ohne Körperkontakt betrieben werden – zu jenen Sportstätten, die ihre Tore als erstes für den Breiten- und Freizeitsport öffnen dürfen. Am 1. Mai ist es soweit, dann werden die Betretungsverbote für diese Anlagen aufgehoben.


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Das Rechtsgutachten des ÖFB
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Verbände sollen Empfehlungen erarbeiten

Bis dahin und darüberhinaus sind die Verbände und Vereine angehalten, eigene Empfehlungen und Richtlinien an ihre Mitglieder abzugeben, wie die allgemein nach wie vor gültigen Maßnahmen – Abstands- und Hygieneregeln, Vermeiden direkten oder auch indirekten Kontakts etwa durch Tennisbälle – auf ihre jeweilige Sportart adaptiert anzuwenden seien. Als Bundesregierung könne man nur den Rahmen vorgeben, "wir wollen aber nicht jeden Zentimeter des Sports reglementieren", sagte Kogler dazu.

Bei Sportarten, die in der Halle ausgeübt werden, gelten diese Ausnahmen vom Betretungsverbot noch nicht – es sei denn, es handelt sich um Spitzen- beziehungsweise Berufssportler, die sich auf Wettkämpfe vorbereiten müssen. Allerdings müsste es dort noch strengere Bestimmungen bezüglich der Abstandsregeln – etwa mindestens zwei Meter zwischen den einzelnen Personen, mindestens 20 Quadratmeter Platz pro Person – geben.

Denn eines sei, Freiheit hin, positive Entwicklung bei den Zahlen her, klar: Menschenansammlungen dürfe es bis auf weiteres keine geben – weswegen Sport mit Zuschauern weiterhin untersagt ist.

Amateurfußball abgebrochen

Allerdings soll künftig der rechtliche Rahmen für Geisterspiele im Profifußball gewährt werden, die derzeit heftig debattiert werden und wohl die einzige Möglichkeit sind, die seit März unterbrochene Saison doch noch fertigzuspielen – um so nicht um wertvolle TV-Einnahmen umzufallen. Vor entsprechenden Konferenzen des ÖFB-Präsidiums am Mittwochnachmittag sowie der Bundesliga am Donnerstag sagte Kogler: "Wir als Bundesregierung wollen hier nicht im Wege stehen."

Da diese Möglichkeiten freilich nur dem Profibereich offenstehen, fällte der Fußballverband ÖFB am Nachmittag die (erwartete) Entscheidung, alle Ligen unterhalb der ersten und zweiten Bundesliga sowie die Bewerbe der Frauen und im Nachwuchs per sofort abzubrechen. Meister sowie Auf- oder Absteiger gibt es nach Einholen eines entsprechenden Rechtsgutachtens keine.

"Es war eine sehr schwere Entscheidung, alle Bewerbe im Landesverbandsbereich abzubrechen, aber angesichts der derzeitigen Lage letztendlich eine alternativlose. Die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler und die weitere erfolgreiche Eindämmung des Virus haben oberste Priorität. Die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs in der obersten Spielklasse ist hingegen ein Lichtblick und ein erster wichtiger Schritt in Richtung Normalität, die sich die Fußball-Fans herbeisehnen", erklärte ÖFB-Präsident Dr. Leo Windtner.

 

Bundesliga berät am Donnerstag

Im Profibereich berät die Bundesliga am Donnerstag über das weitere Vorgehen. Mit der Grundsatzentscheidung, Geisterspiele unter gewissen Voraussetzungen zuzulassen, hat die Regierung den Weg zu einem geordneten Saisonabschluss zumindest für die erste Liga - ebenso wie für das vom ÖFB veranstaltete Cupfinale -  geebnet.

Einfach werden die Diskussionen dennoch nicht werden. Denn zum einen zeigten sich im Vorfeld nicht alle euphorisch. Vor allem LASK-Präsident Siegmund Gruber hätte lieber einen Meisterschaftsabbruch (samt Titelverleihung an seinen nach dem Grunddurchgang führenden Verein). Zum anderen gibt auch die Regierung strenge und nicht ganz billige Auflagen vor. Schließlich sind auch solche Spiele ohne Zuschauer wegen des unvermeidlichen Körperkontakts zwischen den Beteiligten nicht ohne Testungen und Isolierungen von Spielern und Betreuern sowohl bei den Trainings, die ab Montag in Kleingruppen stattfinden könnten, als auch vor den Matches denkbar.

Die Bundesliga, die sich in einer ersten Reaktion vorsichtig optimistisch zeigte, müsse sich sowohl um die Beschaffung entsprechender Testkits als auch um die Organisation und vor allem die Bezahlung selbst kümmern, betonte Kogler. Öffentliche Mittel werde es dafür nicht geben, stellte er klar. "Die werden sich das überlegen – auch, was passiert, wenn etwa ein Infektionsfall auftritt", meinte der Sportminister.

Zumindest eines wäre mit Geisterspielen, die live im TV übertragen werden, aber gesichert: Auch jene, die nach dem Einkauf nicht den Golfschläger, sondern auf der Couch die Fernbedingung schwingen wollen, wären fürs Erste befriedigt.

Sportminister Werner Kogler und Innenminister Karl Nehammer informierten über die nächsten Lockerungen - diese betreffen den Sport. - © APAweb / Roland Schlager
Sportminister Werner Kogler und Innenminister Karl Nehammer informierten über die nächsten Lockerungen - diese betreffen den Sport. - © APAweb / Roland Schlager