Er habe es satt, sagte Niki Lauda einmal, ständig im Kreis zu fahren. Und irgendwie trifft das knapp ein Jahr nach dem Tod der österreichischen Rennfahrerikone offenbar auch auf die aktuelle Formel 1 zu. Denn seit Wochen bewegt sich diese im Kreis - nämlich um die Fragen, ob, wann und wie sie heuer überhaupt starten kann. Nun dürfte sie zumindest eine Autolänge vorwärts gekommen sein. Wie die BBC am Freitag berichtete, gibt es eine Grundsatzentscheidung, die Saison am 5. Juli mit einem Geisterrennen in Spielberg beginnen zu lassen. Der Grand Prix von Frankreich eine Woche davor ist zwar noch nicht offiziell abgesagt, eine Durchführung erscheint aber ebenso wie ein Nachtrag der neun Rennen, die seit dem ursprünglich geplanten Saisonstart in Melbourne im März zumindest vorerst schon der Coronavirus-Pandemie zum Opfer gefallen sind, unrealistisch.

Die Anzeichen hingegen, dass in Spielberg tatsächlich gefahren werden kann, haben sich in den vergangenen Tagen verdichtet. Zwar hatten sich ehemalige Motorsportgranden wie Bernie Ecclestone und Max Mosley zuletzt gar für eine komplette Streichung dieser Saison ausgesprochen, doch die aktuell Handelnden rund um Jean Todt, den Chef des Automobilweltverbandes FIA, hoffen nach wie vor, die WM - mit bis zu 18 Rennen - über die Bühne bringen zu können. Und die Aussagen von Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler in dieser Woche, einem "Geisterrennen grundsätzlich nicht im Wege stehen" zu wollen, haben dieser Hoffnung neue Nahrung gegeben.

Problem Reisebestimmungen

Freilich sind Geisterrennen in der Formel 1 noch komplizierter zu organisieren als -spiele im Fußball auf nationaler Ebene. Das Abstandhalten ist zwar unter den Piloten kein Problem, doch alleine durch die ebenso not- wie aufwendige Reisetätigkeit des Trosses - jedes der zehn Teams jettet für gewöhnlich mit rund 60 Mitarbeitern aus aller Welt über den Globus - ergeben sich große Schwierigkeiten und strenge Auflagen. So muss sich etwa jeder, der aus dem Ausland nach Österreich kommt, einer zweiwöchigen Selbstisolation unterziehen. Zwar ist die Formel 1 ohnehin ein Mikrokosmos in sich, in dem auch die Möglichkeit von Testungen besteht, "aber wir können nicht riskieren, uns eine Infektionskette ins Land zu holen, die sich dann rasch wieder verbreitet", hatte Innenminister Karl Nehammer schon am Mittwoch zu dem Thema gesagt.

An den Vorbereitungen und am politischen Willen wird es aber wohl nicht scheitern. Zum einen wäre der Red-Bull-Ring "aufgrund der hervorragenden Infrastruktur" binnen "drei bis vier Wochen" bereit für ein Rennen, erklärte Red-Bull-Konsulent Helmut Marko. Zum anderen scheint sich in der Steiermark die Ansicht durchzusetzen, es sei besser, auch unter strengen Auflagen und ohne Zuschauer ein Rennen zu haben, als gar keines. "Es wäre schön, wenn wir zumindest via TV einen spannenden Grand Prix sowie die schönen Bilder vom Murtal in die Welt schicken könnten", sagte ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer am Freitag auf Anfrage der Austria Presse-Agentur.

Allerdings wird nun jeder (potenzielle) Veranstalter für sich zwischen den Kosten eines Grand Prix’ - alleine das Antrittsgeld liegt im zweistelligen Millionenbereich, und darüber, ob die selbst kriselnde Formel 1 den Betreibern entgegenkommt, gibt es keine Auskünfte - und den Nutzen der möglichen Werbung abwägen müssen. Zudem dürfte es auch unter den Teams noch Diskussionen geben, ist doch ein wesentlicher Punkt nach wie vor umstritten. Aufgrund der Krise drängen vor allem die Kleineren auf eine weitere Senkung der angepeilten Budgetobergrenze. Es gibt also noch Gesprächsbedarf, ehe die Königsklasse des Vierradsports auch den Königsweg aus dem Kreisel findet.