Nach fünfwöchiger Pause wegen der Corona-Einschränkungen ist Verena Preiner am Montag im Olympiazentrum Oberösterreich auf der Linzer Gugl ins alltäglichere Training zurückgekehrt. Auf dem Programm standen Hürdensprint und Kugelstoßen, mit dabei war auch Wolfgang Adler, der Trainer der WM-Bronzemedaillengewinnerin im Siebenkampf von Doha 2019.

Es sei ein schönes Gefühl, wieder im gewohnten Umfeld trainieren zu dürfen, erzählte Preiner. "Erstmals wieder Spikes anziehen und auf einer Laufbahn ein Hürdentraining absolvieren, hat richtig gutgetan. Und natürlich ist die Qualität des Trainings eine andere, wenn der Trainer direkt dabei ist und du nicht Videos herumschicken musst und dann am Telefon technische Einzelheiten besprichst."

Nur nicht zuviel des Guten

Abstandhalten und Vorsichtsmaßnahmen einhalten, gehört zu den neuen Erfordernissen dazu. Trainer Adler war die ganze Zeit mit Schutzmaske unterwegs. "Wir werden uns in dieser Woche auf Kugelstoßen, Weitsprung und Hürdentraining konzentrieren und dazu ein paar Einheiten auf dem Krafttrainingsgerät absolvieren. Es ist wichtig, in dieser ersten Woche nicht gleich zu viel zu machen, um nicht unnötig eine Verletzung zu riskieren", erklärte Adler.

In Oberösterreich ist laut einer Aussendung des Landes Training für die Spitzensportler und -sportlerinnen neben dem Olympiazentrum mit seinen Einrichtungen sowie im Linzer Stadion auch in der Leichtathletik-Halle und im Tennis-Damen-Leistungszentrum in der Wieningerstraße, im Tischtennis-Leistungszentrum Lissfeld, im Ruder-Kajak-Leistungszentrum Ottensheim und im Turnleistungszentrum in der Hafenstraße möglich.

Sportlern eine Perspektive geben

"Es ist dies ein erster Schritt für ein Stück neuer Normalität auch im Sport. Mit den Spitzensportlerinnen und Spitzensportler wurde heute gestartet, ab 1. Mai folgt dann ein nächster Schritt mit der Öffnung von Sportstätten im Outdoor-Bereich für den Breiten- und Freizeitsport", wird Wirtschafts- und Sport-Landesrat Markus Achleitner in der Aussendung zitiert. "Wir sind da längst nicht beim gewohnten Normalbetrieb, aber es ist ein wichtiger erster Meilenstein, eine Perspektive für den Sport."

Eine solche will man nun auch österreichweit Hobbysportlern und -sportlerinnen geben. Bis Mitte der Woche wollen die Fachverbände neue Richtlinien für den mit 1. Mai angekündigten Neustart im Breitensport fixieren. Auf Basis der hierzu noch nicht veröffentlichen Verordnung der Bundesregierung und der Verbandsvorgaben sollen ab Ende nächster Woche viele Outdoor-Freizeitsportler unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln wieder ihren Hobbys nachgehen können.

Die Aufhebung der seit mehr als einem Monat geltenden Betretungsverbote für Trainingsstätten aufgrund der Corona-Pandemie wird aber auf Freiluft-Sportarten ohne Körperkontakt wie Tennis, Golf, Reiten und Leichtathletik beschränkt sein. Sportminister Werner Kogler kündigte in der Vorwoche an, dass Mannschafts-, Indoor- und Kampfsportarten noch länger warten müssen. Das Sportministerium schreibt hierzu auf seiner Webseite von einer Beibehaltung von "wohl noch bis in den Herbst".

Bereits ab 1. Mai fällt hingegen die bisher geltende Empfehlung zur zeitlichen Beschränkung von Outdoor-Sport wie Radfahren oder Laufen. Dementsprechend steht ausgiebigeren Touren unter Einhaltung der Sicherheitsabstände nichts mehr im Wege. Ebenfalls möglich ist auch die Abhaltung von Sportkursen wie zum Beispiel Yoga im Freien.

Tennis mit Pionierrolle

Der Betrieb von Freiluft-Sportstätten und -Trainingsanlagen wie Golf- und Tennisplätzen sowie Leichtathletik-, Pferde- und Flug- und Schießsportanlagen soll ab 1. Mai wieder anlaufen. Hierbei seien die Fachverbände gefordert, Hygieneregeln festzulegen, um jedes Ansteckungsrisiko zu minimieren, so das Sportministerium.

Die angesprochenen Verbände arbeiten derzeit an der Festlegung ihrer Kriterien, die sie dem Ministerium bis Mittwoch übermitteln wollen. Im Tennisverband, dessen über 170.000 Mitglieder aus 1.600 Vereinen auf landesweit 6.570 Plätzen spielen, hat man schon länger einen Zehnpunkte-Katalog ausgearbeitet. Dieser sieht unter anderem Desinfektionsmittelspender auf allen Anlagen, das Verbot von Doppel-Partien und Handshakes vor. Auch die Markierung der eigenen Bälle ist angedacht.

Grundlage der Umsetzung ist für alle Verbände die angekündigte Verordnung der Regierung, mit der bis spätestens Anfang nächster Woche gerechnet wird. "Wir sind dabei, unsere Richtlinien zu verschriftlichen, davor muss es aber allgemeine Regelungen geben, die alle Sportarten betreffen", betonte Helmut Baudis, der Generalsekretär des österreichischen Leichtathletik-Verbandes. Je früher die Verordnung komme, desto besser könne man sich auf den Neustart vorbereiten. "Was wir unabhängig davon machen können, ist, Spielregeln für das Training festzulegen", sagte Baudis bezüglich des eigenen Regelwerks und nannte neben den ohnehin gültigen Hygiene- und Abstandsregeln das Desinfizieren von Sportgeräten und das Freihalten von Bahnen im Sprintbereich. Nicht möglich werde hingegen weiterhin Laufgruppentraining sein, so Baudis, der Richtlinien für die 30.000 ÖLV-Mitglieder und 425 Vereine bis hin zu Details der diversen Disziplinen ankündigte.

Die Wiedereröffnung werde vielerorts aber nur schrittweise erfolgen, ist er überzeugt. "Wir freuen uns natürlich, dass wir da dabei sind, aber es wird nur langsam anlaufen können, und das ist auch sinnvoll so. Man darf nicht glauben, dass ab 1. Mai jeder wieder trainieren wird können", meinte Baudis und sprach nötige Zutrittsregelungen und Hygienevorkehrungen an. Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung komme den Sportstättenbetreibern zu. "Sie müssen die Einteilung auf ihren Anlagen sicherstellen."

Reservierung unbedingt erforderlich

Im Golf ist die Einteilung von Platzbelegungen mittels der gängigen Online-Reservierungstools wie im Tennis einfacher. "Damit haben wir die Möglichkeit, die Anzahl der Menschen auf den Anlagen sinnvoll zu begrenzen. Ohne vorherige Reservierung und Bestätigung wird kein Besuch erlaubt sein", erklärte Robert Fiegl, der Generalsekretär des Golfverbandes.

Auch Fiegl wartet schon sehnsüchtig auf die angekündigte Verordnung. Abgesehen von der strikten Einhaltung der behördlichen Vorgaben werde man jedenfalls Richtlinien und Empfehlungen für alle Golf-Plätze festschreiben. "Es wird ein Handout für jeden Golfer geben, wir werden das natürlich auch veröffentlichen und den Clubs zur Verfügung stellen", sagte Fiegl. So soll es beispielsweise eine Maskenpflicht in den Club-Räumlichkeiten, genügend Abstand zwischen den Flights und verstärkte Platzaufsicht zur Überwachung der Maßnahmen gelten. Jedes einzelne Detail könne aber natürlich nicht geregelt werden, ergänzte Fiegl mit dem Hinweis auf den viel zitierten Hausverstand.

Die Wiedereröffnung vieler Sportstätten bewertete er uneingeschränkt positiv, die finanziellen Sorgen vieler Sportvereine seien durch die dann achtwöchige Schließung aber unverändert, betonte er in seiner Funktion als Präsidiumsmitglied von Sport Austria. "Dass wir öffnen dürfen, ist schön, es regelt aber keines der Probleme, die viele Leute haben", meinte Fiegl - und sprach das weiterhin fehlende Sport-Hilfspaket an, das die Regierung schon vor längerer Zeit angekündigt hatte. (apa/red)