Was lange währt - wird dann doch zu einem Saisonstart in Österreich. Denn nachdem die Formel 1 monatelang über einen Ausweg aus dem Corona-bedingten Stillstand getüftelt hatte, scheint man nun eine Lösung gefunden zu haben, die die obersteirische Gemeinde Spielberg ins Zentrum der Motorsportwelt rücken dürfte: Wie die Rennserie am Montag mitteilte, soll der verspätete Start in die Saison am 5. Juli mit dem für dieses Datum geplant gewesenen Grand Prix von Österreich auf dem Red-Bull-Ring erfolgen.

Schon vor zwei Wochen hatte die Bundesregierung in Person von Vizekanzler Werner Kogler erklärt, einem solchen Szenario - freilich ohne Zuschauer - grundsätzlich nicht im Weg stehen zu wollen, allerdings auf die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen gepocht. Wie diese nun konkret aussehen sollen - etwa hinsichtlich der Reisebeschränkungen und Test- beziehungsweise Quarantäneauflagen -, wird in Kürze bekanntgegeben. Fix ist schon jetzt, dass "die ersten Rennen ohne Zuschauer" stattfinden werden, betonte auch Geschäftsführer Chase Carey.

Das gilt auch für das Rennen in Silverstone, wohin der Tross unmittelbar nach dem Geister-Gastspiel in der Steiermark übersiedeln soll. Er hoffe aber nach wie vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr auch wieder Besucher an die Rennstrecken kommen können, betonte Carey.

Doppelrennen in Spielberg ist eine Option

Ziel der Rennserie seien 15 bis 18 Rennen mit einem von November auf Dezember verschobenen Saisonfinale in Abu Dhabi. Die ersten neun von ursprünglich 22 angesetzt gewesenen Rennen waren schon zu einem früheren Zeitpunkt abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben worden, am Montag erfolgte nun wie erwartet auch das Streichen des für 28. Juni geplant gewesenen Frankreich-Grand-Prix’. Die Veranstalter selbst hatten das Rennen abgesagt, weil man sich nicht in der Lage sah, allen aufgrund der Coronavirus-Pandemie geltenden gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, hieß es aus Südfrankreich.

Anders stellt sich die Situation in der Steiermark dar. Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, dass alle behördlichen Auflagen schon jetzt erfüllt werden können. Die benötigte Vorlaufzeit für die Organisation hatte er schon davor aufgrund der "hervorragenden Infrastruktur" auf rund drei Wochen eingeschätzt.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist jedenfalls schon voller Vorfreude: "Es wäre ein großartiger Start für die Meisterschaft, falls dies als sicher erachtet wird. Ich weiß, dass Red Bull alles tut, um das Rennen zu ermöglichen."

Veranstalter zurückhaltend

Laut Marko sind sogar zwei Rennen, "jeweils am Sonntag, den 5. und den 12. Juli", geplant. Diesbezüglich gab es am Montag allerdings weder von den Schirmherren der Rennserie noch seitens des Veranstalters "Projekt Spielberg" eine Bestätigung. Dieser verwies auf Nachfrage der Austria Presse-Agentur lediglich auf die Stellungnahme von Formel-1-Eigentümer Liberty Media und erklärte, man werde weiterhin alle Vorgaben sehr ernst nehmen. Die Durchführung hänge "von den weiteren Entwicklungen und Entscheidungen der Bundesregierung" ab.

Laut Marko prüfe die Formel 1 gemeinsam mit den Veranstaltern in der Steiermark, "wie man die Anzahl der Personen einschränken kann, dass nicht der komplette Tross – dann wären es mehrere Tausend Leute – anreisen muss". Die Teammitglieder könnten über Charter-Flieger direkt in Zeltweg nahe der Rennstrecke landen.

Noch ist dies freilich nicht in Stein gemeißelt, die Pläne könnten sich noch ändern, betonte Carey. Allerdings liegt es im Interesse der Rennserie, möglichst viele Bewerbe durchzuführen, schließlich fließt nur dann auch das TV-Geld in voller Höhe. Und Geldsorgen sind derzeit nicht einmal der vermeintlichen Königin unter den Vierradserien fremd. (art)