Die großen US-Sportligen stehen nach wie vor still, im Hintergrund wird aber eifrig an Alternativszenarien gebastelt, die als Ausweg aus der sportlichen wie wirtschaftlichen Krise in Erwägung gezogen werden. Eishockey, Basketball, Baseball und Football gehen dabei durchaus unterschiedliche Wege. Während die Basketballer die ersten Lockerungen der Maßnahmen ab 8. Mai zu spüren bekommen werden, wenn etwa - auf freiwilliger Basis und unter Einschränkungen - die Trainingsstätten wieder betreten werden dürfen, heißt es für die Footballer weiterhin: bitte warten. Für Sandro Platzgummer, der es erst vor wenigen Tagen in den erweiterten Trainingskader der New York Giants geschafft hat, und Co. ist die Unsicherheit groß - wiewohl nach wie vor versucht wird, die Saison am 10. September starten zu lassen. An Konzepten, die Flexibilität zulassen, werde aber gearbeitet, hieß es eine Woche vor Bekanntgabe des vorläufigen Terminplans.

Im Eishockey preschte indessen Liga-Commissioner Gary Bettman am Freitag vor: Für ihn sei ein verspäteter Start der kommenden Saison - möglicherweise erst im Winter, um davor noch die laufende und seit März unterbrochene Spielzeit zu Ende zu bringen - eine realistische Option, sagte er in einem Interview auf nhl.com. "Wenn wir im November oder Dezember starten müssen, ist das etwas, was in Erwägung gezogen wird", wurde er auf die Plattform zitiert. Davor hatte die Liga in einer gemeinsamen Erklärung mit der Spielergewerkschaft davon gesprochen, demnächst in eine sogenannte Phase zwei eintreten zu können und die Trainingszentren für Kleingruppen wieder zu öffnen. Als erhofften Zeitpunkt dafür war von Mitte oder Ende Mai die Rede.

In der Major League Baseball konnte indessen heuer noch gar kein Ball geschlagen werden - und bezüglich weiterer Pläne gibt man sich wortkarg. Das jüngst geäußerte Gedankenspiel sieht vor, dass die komplette Liga in einem Bundesstaat, nämlich in Arizona, zur Austragung kommen könnte. Solche Pläne erhielten zuletzt auch Unterstützung aus der Politik. Arizonas Gouverneur Doug Ducey sagte: "Wenn es angemessen für die Gesundheit der Gesellschaft ist und Arizona sich wieder öffnen kann - die Einrichtungen haben wir."

Allerdings haben auch andere Bundesstaaten, selbst das von der Krise am meisten betroffene New York, Interesse angemeldet. Laut Andrew Cuomo, Duceys New Yorker Pendant, sei Baseball noch im Sommer in seinem Bundesstaat nicht völlig ausgeschlossen. "Seid kreativ! Versucht es herauszufinden", sagte er vor einigen Tagen. Allerdings stünden vorerst nur Spiele ohne Zuschauer zur Debatte. Doch Geisterspiele sind auch im an sich lukrativen US-Sport vor allem eine wirtschaftliche Frage. Man müsse erst sehen, ob es in dieser Hinsicht sinnvoll sei, auf die Einnahmen von verkauften Tickets zu verzichten, betonte Cuomo. Ein längerer Stillstand ist also durchaus nicht ausgeschlossen - doch auch der hätte freilich schwere wirtschaftliche Konsequenzen.(art)