Es sind erste Schritte. Erste Schritte, die der Fußball nun machen darf, und die von manchen als Privilegien erachtet werden. Nachdem das Kleingruppentraining in Österreich vor zwei Wochen aufgenommen worden ist, scheint der Umstieg ins Mannschaftstraining unmittelbar bevorzustehen, Ende Mai, Anfang Juni könnte dann auch die Liga wieder loslegen, schätzte Sportminister Werner Kogler am Montag. Auch Vertreter der Bundesliga, deren Hoffnungen vergangene Woche noch etwas gedämpft waren, sprachen mittlerweile von konstruktiven Gesprächen und einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent, dass in Österreichs Stadien - wie auch ab dem nächsten Wochenende in Deutschland - demnächst wieder gekickt werden kann.

Für viele andere Sportarten heißt es freilich immer noch: "Bitte warten." Dabei sehen sie sich teilweise weit größeren finanziellen Problemen ausgesetzt als König Fußball. Und auch der jammert über erhebliche Verluste. Laut aktuellen Berechnungen des "kicker" liegen diese für die Vereine der ersten und zweiten deutschen Liga bei mehr als 91 Millionen Euro.

Der Ruf nach Gehaltsreduktionen im Profifußball wird daher immer lauter. Die Meinungen gehen freilich auseinander. Viele internationale Klubs haben mit ihren Spielern einen freiwilligen Lohnverzicht ausverhandelt, die meisten Vereine in Österreich schon zu Beginn der Coronavirus-Krise auf das Kurzzeitmodell gesetzt. Zwar steht dieses durch Verhandlungen von Sport Austria, der Bundessportorganisation, auch anderen Klubs und auch im Amateurbereich frei, Spielergehälter sind aber dort ohnehin ein eher zu vernachlässigendes Thema - und die Perspektiven begrenzt.

Tom Berger, Noch-Geschäftsführer der Handball Liga Austria, sagt gar: "Momentan gibt es keine. Es ist ein Fahren im Nebel." Dabei ist gerade im Handballsport sowohl der sportliche als auch der finanzielle Zeitdruck enorm. Da die Spiele in der WM-Qualifikation aufgrund der Coronavirus-Pandemie gestrichen werden mussten, ist Österreich im Jänner in Ägypten dabei - so diese überhaupt planmäßig über die Bühne gehen kann. Noch ist nicht einmal klar, wann die Klubs überhaupt ein Training aufnehmen können.

"Wir spielen indoor, wir sind eine Kontaktsportart - und wir werfen einander den Ball sogar mit der Hand zu"

Liga-Geschäftsführer Tom Berger

Denn momentan symbolisiert Handball vieles, das derzeit nicht möglich ist. "Wir spielen indoor, wir sind eine Kontaktsportart - und wir werfen einander den Ball sogar mit der Hand zu, was ja auch kritisch gesehen wird", sagt Berger über die Schwierigkeiten. "Wenn wir das weiterhin nicht machen können, wird es viele Vereine im kommenden Jahr nicht mehr geben." Die Impulse, die Österreichs Handball durch die EM, bei der man im Jänner sowohl sportlich als auch als Co-Ausrichter organisatorisch überzeugt hat, drohen zu verpuffen; und selbst wenn in Zukunft Geisterspiele möglich wären, könnten diese die Kosten durch die notwendigen Tests bei weitem nicht abdecken. "Darüber hinaus sind wir abhängig von regionalen Betrieben als Sponsoren, die gerade selbst Probleme haben", sagt Berger auf dem virtuell abgehaltenen Sportwirtschaftskongress "Sport & Marke".

Dennoch hegt er Hoffnungen, dass sich das auch wieder ändern könnte. Denn Gespräche laufen, Konzepte, wie zumindest wieder einzeln, aber koordiniert trainiert werden kann, sind im Entstehen. Und dazu könnte sogar der Fußball, von manchen aufgrund der Lockerungen als Privilegienritter gesehen, seinen Beitrag leisten. "Wir haben auch die Möglichkeiten, das Wiederhochfahren wissenschaftlich zu begleiten und damit eine Vorbildrolle für viele andere Bereiche einnehmen", sagt Stephan Reiter, Geschäftsführer von Red Bull Salzburg. Auch Christian Feichtinger, Geschäftsführer der grenzüberschreitenden Eishockey-Liga - die gerade Sponsoren- und TV-Vertrag unterschrieben hat - sieht "keine Privilegien beim Fußball". Er sei sogar froh, "dass sie den Weg vorgehen. Vielleicht können sie ihn für uns ebnen."