Eventabsagen, Geisterspiele, Trainings nur mit Mindestabstand - die Corona-Krise hat den Sport nach wie vor fest in Griff. Dabei mag man bei aller Gefährlichkeit von Sars-CoV-2 übersehen, dass viele Sportarten auch ohne jedes virale Zutun (lebens-) gefährlich sein können. Man denke an die häufigen Reit- und Skiunfälle, an Rugby, Boxen, Radfahren, Tauchen, Rafting, Eisklettern - von Extremsportarten wie Big-Wave-Surfing, Wing-Surfing oder Base-Jumping gar nicht zu reden. Ja, selbst Cheerleading und Gymnastik werden von manchen Statistikern als besonders gefährlich eingestuft. Und dennoch werden diese Sportarten täglich von Millionen Menschen ausgeübt. Allerdings existieren sportliche Herausforderungen, die sich sehr wenige Athletinnen und Athleten zutrauen und die gewöhnlich auch nur bei fixen Events den Sprung ins Rampenlicht schaffen. Hier eine Auswahl der gefährlichsten Veranstaltungen im Überblick:

Isle of Man Tourist Trophy: Zehn Zentimenter Abweichung von der Ideallinie können hier bereits den Tod bedeuten. Wer schon einmal die Isle of Man in der Irischen See mit dem Mietwagen erkundet hat, hat sie gewiss in Erinnerung: Die zahlreichen schmalen, meist von Steinmauern begrenzten Straßen und Wege, welche die nur 53 mal 21 Kilometer große Insel überziehen. Gasfüße haben es hier recht schwer - außer sie sitzen auf dem Rücken eines Motorrads und sind für die Isle of Man Tourist Trophy genannt. Ursprünglich als Strecke für Radrennen angelegt, jagen jedes Jahr Ende Mai Amateure wie Profi-Piloten mit durchschnittlich 190 Stundenkilometern über den 60 Kilometer langen und aus 250 Kurven bestehenden ungesicherten Kurs. Mehr als 250 Rennfahrer, Zuschauer und Unbeteiligte haben seit Beginn der Rennen vor 113 Jahren auf der Insel ihr Leben verloren. Das ist auch ein Grund, warum selbst erfahrene MotoGP-Fahrer wie Valentino Rossi die Isle of Man meiden. Immerhin wird es heuer keine Verletzten und Tote geben. Die für 28. Mai geplante Rennveranstaltung wurde wegen der Corona-Krise abgesagt.

Buzkaschi: Eine makabre Art des "Polo-Spiels" üben die Nomaden Zentralasiens: Bei Buzkaschi handelt es sich um ein in Westeuropa weitgehend unbekanntes afghanisches Turnier, bei dem Reiter versuchen, einen Ziegen- oder Kälberkörper in ein Tor zu befördern. Dabei sind sowohl Spieler als auch Zuschauer einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt, obwohl keinerlei Waffen außer einer Peitsche verwendet werden dürfen.

Gewöhnlich wird die Peitsche von den Reitern dazu benutzt, um das Pferd anzutreiben, allerdings schlagen sie damit bisweilen auch auf den Gegner ein. Zudem ist es erlaubt, ihn an den Haaren vom Pferd ziehen, weswegen der extrem schnelle und reichlich chaotische Sport eine Reihe von Verletzungen verursacht: Diese reichen von normalen Blutergüssen und Knochenbrüchen bis hin zum Tod. In der Volksrepublik China etwa steht die Sportart sogar auf der Liste des nationalen Immateriellen Kulturerbes. Actionfilmfans wiederum wird der Wettkampf zu Pferd aus dem Streifen Rambo III geläufig sein. Buzkaschi-Geisterspiele wegen Corona sind bis dato nicht überliefert.

Bo-Taoshi: Ein gefährliches Spiel der ganz anderen Art praktizieren die Kadetten der japanischen Landesverteidigungsakademie im nur wenige 1000 Kilometer entfernten Tokio. Bo-Taoshi bedeutet wörtlich Stab-Kippen und wurde ursprünglich zur Vorbereitung auf den Einsatz im Zweiten Weltkrieg angewendet. Das Ziel ist es, einen von der gegnerischen Mannschaft gut gehüteten Stab zu Fall zu bringen. Die teilnehmenden Mannschaften bestehen aus je 75 Personen - einer Angreifer- und einer Verteidiger-Truppe. Die verteidigende Einheit postiert sich um ihren Stab, den die angreifende Gruppe umzustoßen versucht. Kommandiert werden die Verteidiger von einem auf dem Stab sitzenden Teamkapitän, "Ninja" genannt. Obwohl der Sport oft Verletzte fordert, wird er auch in Schulen praktiziert.

Rallye-Dakar: Sie zählt zu den bekanntesten, aber auch gleichzeitig den gefährlichsten Motorsportrennen der Welt. Grund: Die Rallye Dakar ist offen für Amateure und Profis, wobei Amateure in der Regel etwa achtzig Prozent der Teilnehmer ausmachen. So kamen etwa allein bei der Ausgabe im Jahr 1988 sechs Menschen ums Leben. 2005 starb der spanische Motorradfahrer José Manuel Pérez in einer spanischen Klinik, nachdem er in der Woche zuvor einen Unfall erlitten hatte. 14 Tage später verstarb auch der italienische Motorradfahrer Fabrizio Meoni, immerhin zweifacher Sieger der Veranstaltung. 2020 forderte die Rallye mit Paolo Goncalves (Arg) und Edwin Straver (Nl) in Saudi-Arabien erneut zwei Todesopfer.

Das Terrain, das die Piloten befahren, ist schwieriger als das bei konventionellen Rallyes. Die Spezialabschnitte führen meist durch unwegsames Gelände - unter anderem über Dünen, Schlamm, Kamelgras, Felsen und Felsklippen. Die Entfernungen der einzelnen Etappen betragen bis zu 900 Kilometer. Seit 1978 sind 69 Personen auf der Dakar verstorben.

Volvo-Ocean-Race: Dass das Setzen von Segeln manchmal lebensgefährlich sein kann, beweist wiederum das Volvo-Ocean-Race, das mit 72.000 Kilometern als das gefährlichste und längste Hochseerennen der Welt gilt. Das Problem ist weniger die Führung des Bootes als die Witterung, führen doch die gewöhnlich in zehn Etappen aufgeteilten Kurse durch alle Klimazonen der Erde. Die schlechtesten Wetterbedingungen sind normalerweise im Südpolarmeer anzutreffen, wo die Wellen bis zu 46 Meter Höhe und die Windstöße bis zu 130 Stundenkilometer erreichen können. Im Unterschied zur Dakar und Isle of Man TT sind hier daher nur professionelle Segelteams - das Starterfeld ist mit acht Yachten begrenzt - teilnahmeberechtigt, wobei die Besatzungen in den Bereichen Segelherstellung, Reparatur von Dieselmotoren, Elektronik, Medizin, Ernährung, Mathematik und Hydraulik gut geschult sein müssen. Hinzu kommt: Nach dem Startschuss dürfen keine frischen Lebensmittel mehr mit an Bord genommen werden, daher leben die Teams von gefriergetrockneten Speisen, die immerhin Temperaturschwankungen von minus 5 bis plus 40 Grad Celsius ausgesetzt sind. Darüber hinaus ist lediglich ein einmaliger Kleidungswechsel erlaubt. Das Race findet alle drei Jahre und auf neuen Kursen statt.

Iditarod: Das Iditarod Trail Sled Dog Race ist ein jährliches, 1850 Kilometer langes Schlittenhunderennen zwischen Anchorage und Nome in Alaska, das Anfang März ausgetragen wird. Schlittenlenker und ein Team von 14 Hunden, von denen mindestens 5 die Ziellinie erreichen müssen, legen die Strecke in 8 bis 15 Tagen zurück. Dabei sind die Hundeschlittenfahrer Temperaturen von minus 50 Grad und starken kalten Winden ausgesetzt und erleiden dabei nicht selten Erfrierungen, Blutergüsse sowie Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen. Kaum ein Teilnehmer beendet das Rennen ohne Verletzung. Bisher haben nur etwa 700 Menschen die Ziellinie erreicht, während der Mount Everest von weitaus mehr Menschen bezwungen wurde.

Tierschutzaktivisten verurteilen den Iditarod als Tierquälerei. Tatsächlich sterben bei den Rennen regelmäßig Hunde oder werden verletzt. Laut der Tierschutzvereinigung Peta sind seit 2004 150 Tiere verendet, kritisiert wird auch die Praxis, die Tiere an Ketten zu fesseln. Laut Veranstaltern wird der Gesundheitszustand der Hunde permanent überwacht.