Vier Monate nach dem finalen Endspiel der Heim-Europameisterschaft 2020 hat Österreichs Handballsport auch wirtschaftlich Bilanz gezogen. Die größte Handball-EM aller Zeiten, die Österreichs Herren auf Platz 8 beendeten, sei ein Turnier der Superlative gewesen, hieß es am Dienstag in Wien. Dank 152.000 Zusehern in Wien und Graz konnte der ÖHB die Europameisterschaft refinanzieren. Die Bruttowertschöpfung betrug 22 Millionen Euro. Aber auch sportlich hat es sich ausgezahlt: Das ÖHB-Team hatte im vergangenen Jänner mit drei Siegen in der Vor- und drei Niederlagen in der Hauptrunde sowie einem abschließenden Unentschieden gegen Weißrussland Platz acht und damit das beste Endrundenresultat der Geschichte erreicht. Weil danach wegen der Corona-Pandemie das WM-Play-off abgebrochen wurde, sind die heimischen Handball-Herren mittlerweile direkt für die Weltmeisterschaft im Jänner 2021 in Ägypten qualifiziert. In Wien war am EM-Ende auch die Frauen-Europameisterschaft 2024 an die Dreier-Bewerbung Österreich, Schweiz, Ungarn gegangen, auch dabei wird es 24 teilnehmende Nationen und drei Ausrichter geben.

"Platz acht war die beste Leistung, die bisher eine österreichische Herrenmannschaft abgeliefert hat", sagte ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer erfreut. Nachdem der sportliche und organisatorische Erfolg schon seit längerem evident ist, wurden nun auch die Medien- und Wirtschafts-Zahlen nachgereicht - mit einem sehr positiven Ergebnis. "Mit der Euro 2020 ist man in neue Sphären vorgedrungen", erklärte ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner. "Wir sind stolz, dass wir Teil dieser neuen Dimension sein durften." So sei allein schon das Medienecho "überragend" gewesen. In Zahlen gegossen bedeutet das insgesamt 153 Stunden TV-Berichterstattung. Alle sieben Spiele des ÖHBTeams waren live in ORF 1 zu sehen gewesen mit im Schnitt knapp unter 300.000 Zusehern (Spitze 419.000). Erstmals war ein Handball-Spiel in Österreich (das gegen Deutschland) live in der Primetime zu sehen gewesen. Insgesamt wurden alleine in Österreich fast 48 Millionen Personen im TV erreicht. Weltweit wurde gar 3600 Stunden über die EM berichtet und so gleich 1,1 Milliarden kumulierte TV-Zuseher erreicht. Aber auch im Print habe man in Österreich 500 Artikel generieren können, hieß es, online knapp über 900 bei etwa 25 Millionen Page-Impressions. Alle drei Medien zusammengenommen sei damit ein Werbewert von 11,5 Millionen Euro generiert worden.

Vorfreude auf Frauen-EM 2024

An allen Spielorten in Schweden, Österreich und Norwegen zusammen ist man auf 500.000 Zuschauer gekommen, was EM-Rekord bedeutet. Obwohl die Zuseher die praktisch einzige Erlösquelle in Österreich waren, habe man dank der 152.000 Fans in den Hallen die EM refinanzieren können, betonte Christoph Joklik vom ÖHB-Marketing. Die wirtschaftliche Bedeutung der EM erklärt eine regionalwirtschaftliche Analyse der Fachhochschule Campus 02, bei der der Fokus auf die Wertschöpfung, die Beschäftigung und die Steuerleistungen sowie Abgaben in den Regionen Graz und Wien gelegt wurde. Der durch die EM ausgelöste Gesamteffekt beziffert sich auf 22 Millionen Euro an Bruttowertschöpfung (18,39 Millionen Wien, 3,83 Millionen Euro Graz). Dies entspricht einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 27 Millionen Euro. Der Subventionskoeffizient belege, dass bei der EM eine 8,7 mal größere Bruttowertschöpfung im Vergleich zu den Subventionen der öffentlichen Hand erzielt wurde.

Zudem wurden durch die EM Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen in der Höhe von 11,1 Millionen Euro erzielt (9,27 Millionen in Wien; 1,87 Millionen Euro Graz). Dies entspreche der Hälfte der generierten Wertschöpfung. Jeder von der öffentlichen Hand eingesetzte Euro sei also 4,4-fach zurückgeflossen. Außerdem wurden 256 Vollzeitarbeitsplätze (in Ganzjahresvollzeitäquivalenten) ausgelastet. Ausgelöst wurden in Österreich durch die EM auch zusätzlich 111.700 Nächtigungen alleine in Hotels und Pensionen.

Ein großer Erfolg also - und die nächsten Handball-Highlights stehen etwa mit der Herren-WM 2021 schon vor der Tür. Die Qualifikation für die EM 2022 soll trotz Corona wie geplant im kommenden Herbst starten. Die Auslosung der Qualifikationsgruppen erfolgt am 16. Juni in Wien, Österreich wird aus Topf zwei gezogen. Dass vier Jahre nach den Herren 2024 auch die Frauen-EM unter anderem in Österreich (Vorrunde in Innsbruck) stattfindet, sei "das Tüpfelchen auf dem i" des Finalwochenendes gewesen, so Rabenseifner. "Erstmals erleben wir Spiele einer Frauen-EM in Österreich. Das wird einen großen Impuls für den Frauen-Handball in Österreich bringen. Auch die Frauen haben an medialem Echo und Reichweite zugelegt."(apa)