Es war kein großes Geheimnis, das Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey nach der Verkündigung des vorläufigen Kalenders der Rennserie, die am 5. Juli in Spielberg verspätet in die Saison starten wird, aussprach. Und doch ist es in Zeiten wie diesen, in denen die Protagonisten des Sports sich Corona-bedingt sowie aufgrund der aktuellen Ereignisse in den USA rund um den bei einem Polizeieinsatz verstorbenen Afroamerikaners George Floyd in bisher selten dagewesener Weise darauf besinnen, eben nicht außerhalb der normalen Gesellschaft zu leben, nicht unbemerkenswert. Nun also sagte Carey: "Es wird in vielerlei Hinsicht wie das Leben in einer Blase sein."

Nur durch strikte Tests, durch die Vermeidung von Kontakt, durch Rennen ohne Zuschauer, Hygienemaßnahmen, eine deutliche Reduktion des Aufgebots sowie die Beschränkung des Kontakts zur lokalen Bevölkerung - wohl nicht zufällig war aber der Verband "Tourismus am Spielberg" wenige Tage davor als Testballon für die flächendeckenden Testungen für Mitarbeiter von Hotellerie und Gastronomie in Österreich auserkoren worden - wird es schließlich möglich sein, die WM auch in diesem Jahr durchführen zu können. Ein 80- bis 90-seitiges Papier soll alle diese Regeln enthalten. Veröffentlicht ist es bisher noch nicht, die Eckpunkte stehen aber schon fest. Und alle Teams, Fahrer sowie Veranstalter, so Carey, hätten sich auf die strikte Einhaltung sowie den Kalender verständigt.

Kein Abbruch bei positivem Test

Demnach beginnt die Saison am 5. Juli mit dem Grand Prix von Österreich, am Wochenende darauf folgt der "Grand Prix der Steiermark", was die Landespolitik noch am Tag der Verkündigung zu Jubelstürmen hinriss. Danach wird am 19. Juli auf dem Hungaroring gefahren, gefolgt von einer weiteren Doppelveranstaltung am 2. und 9. August in Silverstone, einem Grand Prix in Barcelona sowie den Traditionsrennen in Spa-Francorchamps und in Monza. Laut derzeitigen Plänen könnte der Tross danach nach Übersee übersiedeln, doch das steht noch nicht fest - wie so vieles noch nicht. Denn auch innerhalb der Blase namens Formel 1 ist vieles noch unklar. Zum einen weiß man noch nicht, wie sich die Pandemie im Herbst entwickelt, zum anderen könnten bei einem Wiederaufkeimen auch jetzt vorerst fixierte Rennen noch wackeln.

Für diesen Fall stünden Ersatzorte bereit, beruhigte Carey, der auch bei einem positiven Sars-CoV2-Fall kein Risiko eines Abbruchs sieht. Die WM könne auch dann fortgesetzt werden, betonte er. Der Betroffene müsste ins Hotel in Quarantäne und durch einen Reservemann ersetzt werden, sagte er. Auch falls ein Team nicht zu einem Rennen antreten könne, könnte dieses durchgeführt werden, so Carey.

Ein nicht unwesentliches Detail freilich - nämlich, nach welchem Modus gefahren werden soll - harrt indessen noch einer Klärung. Der Vorstoß, die Qualifikation vor dem jeweils zweiten Rennen als eine Art Sprintrennen mit gestürzter Reihenfolge auszutragen, um die Spannung über beide Wochenenden aufrechtzuerhalten, scheiterte vorerst am Veto des Weltmeisterteams Mercedes. "Wir arbeiten derzeit mehr oder weniger in Echtzeit", sagte Carey dazu. "Um Änderungen vorzunehmen, brauchen wir Einstimmigkeit."

Allerdings hält er es nicht für ausgeschlossen, dass dennoch diese Saison noch Anpassungen vorgenommen werden. Man sei offen für alle Ideen, wolle aber nicht alles über den Haufen werfen, sagte er. "Es ist ein großartiger Sport mit einer großartigen Geschichte, großartigen Helden und Stars sowie unglaublich talentierten Fahrern und anderen Personen. Das alles müssen wir respektieren - und gleichzeitig müssen wir sichergehen, dass das nicht heißt, dass wir nicht über Änderungen nachdenken würden", sagte er. "Diese Saison gibt uns auch die Chance, Dinge auszuprobieren." Denn auch dafür ist sie ja da, die Blase namens Formel 1.(art)