Eine enorm starke Besetzung, aber keine Zuschauer - dies sind das lachende und das weinende Gesicht, das die Coronavirus-Pandemie den Veranstaltern der österreichischen Golf-Staatsmeisterschaften beschert. Wegen der Zwangspause im internationalen Turnierkalender hat sich für die am Donnerstag beginnenden Titelkämpfe in Zell am See/Kaprun die heimische Elite vollzählig angesagt. Die Europa-Tour-Spieler Bernd Wiesberger, Matthias Schwab, Christine Wolf und Sarah Schober greifen nach den Titeln. Angesichts der tollen Besetzung legen sich die Veranstalter besonders ins Zeug. "Der Kitzsteinhorn-Kurs wurde etwas verschärft", sagte Niki Zitny, Sportdirektor des heimischen Verbandes. Das zwölfte Loch wurde zu einem Par 4, der Platzstandard liegt nun bei 72 Schlägen statt bisher bei 73.

Mit dabei sind auch Senioren-Tour-Profi Markus Brier sowie starke Amateure, angeführt vom Tiroler Maximilian Steinlechner, dem Meister von 2018. Die 62 Profis und 9 Proetten unter den 156 Teilnehmern und Teilnehmerinnen der offenen Titelkämpfe spielen um 25.000 Euro Preisgeld. Angesetzt sind zunächst drei Qualifikationsturniere, am Sonntag ermitteln die besten 60 Herren und 20 Damen die Meister.

Von den weiteren Lockerungen, die die Regierung für den Sport in den Raum gestellt hat - auch als Reaktion auf die harsche Kritik von Vertretern des organisierten Sports am Dienstag - profitieren die Veranstalter freilich noch nicht. Dennoch ist ein Aufatmen in der Szene spürbar, dass nun auch der Wettkampfbetrieb im Golfsport langsam wieder hochgefahren werden kann. Österreich kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Denn die European Tour kehrt im Juli nach mehrmonatiger Pause mit zwei Turnieren hierzulande aus der Corona-Pause zurück. Vom 9. bis 12. Juli werden im Diamond Country Club von Atzenbrugg die Austrian Open gespielt, gleich in der Woche darauf vom 15. bis 18. Juli folgen zum ursprünglichen Termin die EURAM Bank Open beim GC Adamstal.

Die in Niederösterreich stattfindenden, auch zur Challenge Tour zählenden Events werden mit jeweils 500.000 Euro dotiert sein. Erfreut zeigte sich naturgemäß auch Österreichs Verbandspräsident Peter Enzinger: "Besonders in so außergewöhnlich schwierigen Zeiten ist es ein großartiges Zeichen und auch ein verdienter Erfolg für den österreichischen Golfsport, dass die European Tour die Saison 2020 nach der Zwangspause mit zwei hochrangigen Turnieren in Österreich startet."

Neben dem ÖGV sind laut Aussendung die beiden Turniere und die Politik mit unter anderem dem Land Niederösterreich dafür verantwortlich, dass das Tour-Comeback in Österreich ähnlich wie in der Formel 1 in Spielberg (5. und 12. Juli) in zwei aufeinanderfolgenden Wochen stattfindet. Das sei die Folge der Strategie, in Gruppen innerhalb eines Landes zu spielen. "Deshalb sind wir dem österreichischen Golfverband und den beiden Veranstaltern sehr dankbar", sagte Challenge-Tour-Chef Jamie Hodges.

Christian Guzy vom Diamond Country Club wies auf die Corona-Schutzmaßnahmen hin: "Aufgrund von Covid-19 gibt es behördliche Vorschriften, die wir streng einhalten werden." Den Aufstieg zum European-Tour-Turnier feiert GC-Adamstal-Präsident Franz Wittmann: "Ich freue mich, dass Österreich nach der Corona-Krise gemeinsam mit dem Diamond Country Club in Atzenbrugg zum Vorreiter für den internationalen Spitzengolfsport in Europa geworden ist." Nach diesen beiden Veranstaltungen wird die European Tour vom 22. bis 25. Juli mit dem British Masters fortgesetzt.(apa/art)