Alessandro Zanardi befindet sich nach seinem Verkehrsunfall und der Operation weiter in Lebensgefahr. Zwar sei die Operation "so verlaufen, wie sie verlaufen sollte", sagte der behandelnde Arzt Giuseppe Oliveri am Samstag vor Journalisten in Siena, doch sei die Ausgangssituation sehr schlecht gewesen. Der 53-jährige Zanardi befindet sich im künstlichen Koma.

Oliveri sagte, dass Zanardi aber "kein hoffnungsloser Fall" sei. Allerdings befände sich der mehrmalige Paralympics-Sieger in einer Situation, "in der man auch sterben" könne. Auch den Hirnschaden, den Zanardi bei dem Unfall davontrug, kann Oliveri nach eigenen Angaben derzeit nicht beurteilen. Dieser werde dann bewertet, "wenn er aufwacht, falls er aufwacht", sagte Oliveri.

Zanardi war am Freitag mit seinem Handbike in Italien schwer verunglückt. Medien berichteten, dass er bei Pienza auf einer abschüssigen Straße auf die Gegenseite geraten sei und mit einem Lkw kollidiert sein soll.

Zanardi wurde umgehend mit einem Rettungshubschrauber ins Universitätskrankenhaus von Siena geflogen. Die Ärzte sprachen von einer "heiklen neurochirurgischen Operation", die unmittelbar eingeleitet wurde. Zanardi sei mit schweren Kopfverletzungen gebracht und knapp drei Stunden operiert worden.


In Gedanken seien alle mit ihm, twitterte die Formel 1, in der Zanardi von 1991 bis 1994 und dann noch einmal 1999 an insgesamt 44 Grands Prix teilnahm. "Du warst immer ein Kämpfer und wirst immer einer sein", twitterte der Präsident des Automobil-Weltverbandes (FIA), Jean Todt, kurz vor Mitternacht: "Alex, die ganze FIA-Gemeinde unterstützt dich in diesem grausamen Moment."

"Gib mehr als jemals zuvor"



Schockiert zeigte sich unter anderem der britsche Ex-Weltmeister Damon Hill bei Twitter. "Für ihn, seine Familie und Freunde und Millionen Fans und Anhängern, wir beten für dich, Alex." Die gesamte Motorsportgemeinde sei bei ihm, schrieb der spanische Formel-1-Pilot Carlos Sainz: "Gib mehr als jemals zuvor." Ferraris Charles Leclerc von Ferrari twitterte: "Kämpfe, Du weißt, wie. Du bist großartig."

Die Nachrichtenagentur AP berichtete, dass Zanardi ein schweres Kopftrauma erlitten haben soll. Mario Valentini, Trainer der italienischen Handbike-Mannschaft, der nach kurzer Zeit am Unfallort gewesen war, berichtete, dass Zanardi noch bei Bewusstsein gewesen sei und gesprochen habe. Zanardi bestritt ein Rennen für paralympische Athleten mit Handbikes oder Fahrrädern in der Toskana.

Zanardi als Formel-1-Fahrer bei Williams.  - © APAweb / Action Images, Malone
Zanardi als Formel-1-Fahrer bei Williams.  - © APAweb / Action Images, Malone

Zanardi hatte vor knapp 20 Jahren nach einem verheerenden Unfall auf dem Lausitzring schon einmal mit dem Tod gerungen. Er bezwang ihn damals, nachdem er in der Champcar-Serie verunglückt war. Zanardi verlor bei dem Horrorcrash am 15. September 2001 beide Beine. Dass er den Unfall überlebte, bei dem er sich mit seinem Wagen gedreht hatte und ein Konkurrent mit dessen Wagen in ihn gekracht war, grenzte an ein Wunder.

Im Helikopter auf dem Weg zum Notfallkrankenhaus in Berlin hatte Zanardi siebenmal wiederbelebt werden müssen. Er hatte große Menge Blut verloren. Aber Zanardi überlebte und kehrte nach einer langen Reha sogar zurück in den Rennsport. Bewundert von Kollegen, von Fans, von Menschen in aller Welt.

Der Lebenswille des am 23. Oktober 1966 in Bologna geborenen Zanardi schien einfach unzerstörbar. Oder wie es sein langjähriger Arbeitgeber BMW einmal schrieb: "Alessandro Zanardi ist ein Phänomen - und der lebende Beweis dafür, dass es keine Grenzen gibt, wenn man sich einer Herausforderung mit Leidenschaft und Begeisterung widmet."

Nur zwei Jahre nach dem Crash saß Zanardi wieder im Cockpit eines Rennwagens - umgebaut für seine Bedürfnisse. Im Deutschen Tourenwagen-Masters hatte er vier Starts. Dann schlug Zanardi eine zweite Karriere ein, er gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 jeweils zweimal die Goldmedaille mit dem Handbike. Selbst vor dem Ironman machte Zanardi nicht halt und überwand alle Schwierigkeiten und Herausforderungen.