Sportminister Werner Kogler hat weitere Lockerungen für den Sport sowie eine baldige Ausschüttung der Hilfsgelder in Aussicht gestellt. Sowohl in der Puls4-Sendung "Sommergespräche" am Montagabend als auch bei einem Medientermin zum Thema "Bewegt im Park" am Dienstag, bei dem kostenlose Sommerkurse präsentiert wurden, äußerte sich Kogler zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit weitere Lockerungen vollzogen werden können. So sollen alle Mannschafts- und Kontaktsportarten – mit Erstellung von Teilnehmerlisten, durch die Kontakte nachvollzogen werden können – ab Juli im Freien, ab September auch in Hallen möglich sein. Zudem kündigte Kogler an, dass ab September auch Besucher in Stadien wieder zugelassen werden könnten. Allerdings betonte der Grünen-Chef auch, dass die Kompetenz für diese Entscheidung beim Gesundheitsministerium liegen würde. "Aber ich lehne mich jetzt so weit aus dem Fenster, dass ich sage, wir wollen das ermöglichen."

Am Wochenende hatte ein frauenfeindliches Transparent des harten Kerns der Rapid-Fans für Unruhe gesorgt. Kogler verurteilte dies scharf. "Also dass das nicht hinnehmbar ist, ist ja wohl klar", sagte er in den "Sommergesprächen". Nach ursprünglichen Ausflüchten der Rapid-Führung sowie eines Gesprächs Koglers und der Frauenministerin mit dem Rapid-Präsidenten hatte es schließlich eine Entschuldigung gegeben.

"Hilfgeld mehr, als man glaubt"

Kritik übte Kogler aber auch an den Aussagen von Vertretern des Sports, man fühle sich wegen der bisher noch nicht erfolgten Ausschüttung von Hilfsgeldern im Stich gelassen. Er "verstehe die Ungeduld", sei aber ständig in Kontakt mit Hans Niessl, dem Präsidenten der Bundessportorganisation Sport Austria. Eine Ausschüttung der ersten Tranche werde demnächst erfolgen – "und es wird mehr sein, als Herr Niessl vielleicht glaubt".

Zudem gibt es nun konkrete Perspektiven für den Sport. Auch Kampfsport soll wieder ausgeübt werden dürfen, sagte der Vizekanzler. Derzeit gebe es "intensive Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium und Bundeskanzleramt". Für die Verordnungen zuständig ist das Gesundheitsministerium, betonte Kogler. Dass Mannschafts- und Kontaktsportarten im Juli im Freien ausgeübt werden dürfen, dazu sei er "mehr als zuversichtlich"; für Indoor-Sportarten ist der September das Ziel. "Doch auch in diesem Bereich kann man noch viel schneller im wahrsten Sinne des Wortes ins Tun kommen", meinte Kogler. Ziel sei, "viel mehr zu ermöglichen".

500 Kurse in Parks

Eine konkrete Initiative zur Sportausübung im Freien wurde unterdessen am Dienstag präsentiert. Im Rahmen der Aktion "Bewegt im Park" finden bis 15. September österreichweit 500 kostenlose Kurse in Parks und öffentlichen Plätzen statt. Knapp 70.000 Teilnehmer wurden bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien als Ziel ausgelobt. Corona habe bereits viele Menschen zum Sport gebracht, konstatierte Peter Lehner, der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger.

Neben dem Corona-Speck gebe es nunmehr auch den Corona-Sport. "Wir wissen, dass Sport und Bewegung und ein gesunder Lebensstil unglaublich viel beitragen für ein gesundes Leben", sagte Lehner. "Jeder, der sich hier betätigt, hat die Chance, gesünder zu sein, und auch wenn es zu Erkrankungen im Bereich Corona kommt, kann man die Krankheit besser überstehen", meinte der Chef des Kassen-Dachverbands.

Die "Bewegt im Park"-Kurse werden bereits zum fünften Mal abgehalten, erstmals in ganz Österreich. Hier müsse er auch seine "Vorgänger da und dort loben, wenn es was zu loben gibt", konstatierte Sportminister Kogler. Das Projekt sei bereits zu einem "Förderklassiker geworden" und soll auch in Zukunft weiter abgehalten werden. Ob Yoga, Ballsport oder Tanzen - seit 22. Juni bis 15. September finden die Kurse statt, in Kooperation mit dem Dachverband der Sozialversicherungsträger und den Sport-Dachverbänden. Das Angebot ist niederschwellig, egal welches Alter oder Fitnesslevel, jeder kann kostenlos teilnehmen.

Bewegung im Freien war auch während des Lockdowns erlaubt, "wir haben das nicht ganz unschlau gemacht", meinte Kogler. Nach der "Zeit des Stillstands" gebe es nun ein "Comeback des Sports, der Bewegung", sagte der Sportminister. Schließlich habe man "ein paar Tausender durch den Lockdown auch gesparrt", nun gehe es darum, zu schauen, "wie wir das in der zweiten Halbzeit investieren können", meinte Kogler.

"Kostenlos, aber nicht umsonst"

Seit Sommer 2016 finanzieren der Dachverband der Sozialversicherungsträger und das Sportministerium das kostenlose Bewegungsangebot. Trainer der Sportdachverbände ASKÖ, ASVÖ und der Sportunion halten die Kurse vom Boden- bis zum Neusiedlersee ab. 170 Locations gibt es österreichweit, bei denen man sich "gemeinsam aktiv sportlich begegnen" kann, sagte Lehner. "Das Angebot ist kostenlos, aber ganz sicher nicht umsonst", konstatierte ASKÖ-Präsident Hermann Krist.

Bewegung an der frischen Luft schaffe mehr Immunität, meinte Siegfried Robatscher, ASVÖ-Präsident. Man müsse "nicht nur eine Pandemie bekämpfen, sondern auch eine Seuche, die Bewegungsarmut", sagte Robatscher. Denn diese "führt zu Krankheiten, der können wir entgegenwirken, wenn wir uns in der frischen Luft bewegen". An den rund 500 Kursen kann man kosten- und anmeldefrei teilnehmen. Leichtathletin Beate Schrott unterstützt die Initiative, die sie "als Sportlerin und Medizinerin bemerkenswert findet". "Niederschwelliger geht es nicht", konstatierte die Hürdenspringerin. Damit sei den Österreichern jegliche Entschuldigung genommen, warum sie nicht Sport machen können.

"Wir schaffen die Möglichkeit, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher selbst eigenverantwortlich einen Beitrag leisten kann", sagte auch Peter McDonald, Präsident der Sportunion. Österreich werde europaweit um seine flächendeckende Sportinfrastruktur beneidet, meinte McDonald. Die Vereinsstruktur werde von mehr als einer halben Million Ehrenamtlichen getragen. "Wir sollten alles unternehmen, dass wir 100 Prozent der Sportvereine durch die Krise bekommen", forderte McDonald. Laut ihm ist jeder vierte Österreicher und jedes zweite Kind in einem Sportverein. Kinder lernen dabei "den Umgang mit Siegen und Niederlagen", wie man mit Fairness erfolgreich sein kann. Er forderte die Öffnung der Schulsportmittel - "keiner versteht, dass an 180 schulfreien Tagen die Schulsportstätten geschlossen sind", sagte McDonalds. Außerdem brauche es "ordentlich ausfinanzierte Leistungsvereinbarungen". Doch auch in diesem Bereich dürfte es bald eine Entscheidung geben. (art/apa)