Das Auftakt-Doppel der Formel 1 im steirischen Spielberg ist in vielerlei Hinsicht historisch, Rennen unter solchen Bedingungen gab es noch nie. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Premiere der Formel 1 im Corona-Betrieb:

Welche Restriktionen gelten? Das Gelände rund um den Red-Bull-Ring gilt als Hochsicherheitszone. Der Zugang ist streng limitiert, nur rund 3000 Leute dürfen an die Strecke. Die zehn Teams dürfen mit höchstens 80 Mitarbeitern anrücken, dazu kommen Offizielle, Streckenposten, wenige Medienvertreter sowie die Mitwirkenden der Rahmenserien, die ebenfalls stattfinden. Es gibt auch keine Zuschauer, keine Sponsoren- oder VIP-Gäste. Zudem wird die soziale Interaktion zwischen Teamkollegen reduziert.

Wie läuft die Einreise ab? Die Teams kommen hauptsächlich aus England und Italien per Charterflügen am Flughafen in Zeltweg an. Falls möglich, soll die Anreise schon in der Gruppe erfolgen, die dann bis zum 12. Juli, nach dem zweiten Grand Prix, zusammenbleibt. Beim erstmaligen Eintreffen auf dem Ring-Gelände muss ein Attest über einen negativen Corona-Test vorgelegt werden, das nicht älter als vier Tage ist. Die Teams residieren in eigenen Hotels - ohne Freizeitausgang.

Warum gelten strenge Regeln? Als die Vorschriften ausgearbeitet wurden, war die Covid-19-Situation besorgniserregender, die Formel 1 mit Sitz in London stand noch dazu ständig unter dem Eindruck der dramatischen Lage in England. Einerseits soll so garantiert werden, dass der Grand Prix trotz Corona-Infektionen im Fahrerlager stattfinden kann. Andererseits will man ein PR-Desaster wie bei der Adria-Tour der Tennisprofis tunlichst vermeiden.

Wer wird wann getestet? Die Mitarbeiter der bei den Rennen involvierten Unternehmen (Stakeholder) werden in mehrere Kategorien geteilt. Wer in Hochsicherheitszonen arbeitet, gilt als Profil 1 und muss u. a. alle fünf Tage einen PCR-Test machen lassen und strikte Distanz zu anderen Gruppen einhalten. Auch in den Tagen zwischen den beiden Rennen. Auf dem Gelände stehen 20 Test-Stationen zur Verfügung, pro Rennwochenende können bis zu 5000 Abstriche genommen werden.

Was passiert bei Positivtests? Es werden eigene Stationen eingerichtet, um die Betroffenen zu isolieren. Alle, die mit positiv Getesteten Kontakt hatten, werden neu kontrolliert. Im Fall eines positiv getesteten Fahrers würde das betroffene Team durchgetestet werden. Der Grand Prix würde dann trotzdem stattfinden. Jedes Team hat Ersatzfahrer, die einspringen würden. Wie viele Personen nachweislich infiziert sein müssten, damit die Veranstaltung abgebrochen wird, ist nicht bekannt.

Wo ist eine Maske zu tragen? Vorgesehen ist, dass alle Beteiligten dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, einen Schutz tragen. Das betrifft auch die Mechaniker in den Boxen, und das könnte bei hohen Temperaturen problematisch werden. Einige Rennställe haben ihren Crews daher Atemübungen empfohlen.

Wie laufen die Siegerehrungen ab? Die Siegerehrung wird nach den Rennen auf der Start-Ziel-Geraden erfolgen, die üblichen Zeremonien fallen aus. Auch die obligatorische Sektdusche wird es somit nicht geben.

Wieso ist das Zweitrennen der Grand Prix der Steiermark? Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und Ex-Rennfahrer Helmut Marko, der als Vermittler zwischen dem Projekt Spielberg, der Formel 1 und den österreichischen Behörden eine Schlüsselrolle hat, haben diese Bezeichnung mit der Formel 1 erwirkt. Geld hat das Land Steiermark dafür nicht bezahlt. Nachdem es in Spielberg zwei Rennen gibt, musste das zweite einen anderen Namen bekommen.

Wie geht es dann weiter? Nach Spielberg übersiedelt der Formel-1-Tross per Autobahn nach Budapest, wo eine Woche später der dritte Lauf der WM-Saison stattfindet. Dieser Tripleheader ist für die Logistik-Verantwortlichen der Rennställe eine immense Herausforderung.

Wie viele Rennen wird es heuer noch geben? Angestrebt werden mindestens 15 Grands Prix. Damit wären die Vertragspflichten erfüllt und der Großteil der vereinbarten Beträge von TV-Partnern und Sponsoren würde fließen. Kommuniziert wurden vorerst nur die ersten acht WM-Läufe in Europa. Doch auch danach hat die Formel 1 hauptsächlich Europa im Visier, wenn die Pandemie-Situation unter Kontrolle bleibt. Mugello und Imola in Italien, Hockenheim in Deutschland, Portimao in Portugal sind als Standorte im Gespräch. Außerhalb Europas findet bisher nur der Große Preis von China in Shanghai fix statt. Weitere Termine sollen im Juli bekanntgegeben werden.

Bleibt Spielberg auch künftig im Formel-1-Kalender? Es ist davon auszugehen, dass der Sieben-Jahres-Vertrag der Formel 1 mit Red-Bull-Boss Didi Mateschitz verlängert wird. Denn auch punkto TV-Rechte wird Mateschitz, der über zwei Teams, eine Rennstrecke und einen Grand Prix verfügt, Interesse nachgesagt. (apa)