Keine Zuschauer, aber auch kein positiver Corona-Test. Teil eins des Grand-Prix-Doubles in Spielberg hat dank der rigorosen Hygiene-Maßnahmen gut funktioniert. Sportlich gesehen gab es einen Sieg von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas vor Ferrari-Ass Charles Leclerc sowie McLaren-Newcomer Lando Norris. Vor der Revanche mit dem Steiermark-Grand-Prix konnten Rennstrecke und Teams kurz durchatmen. Allerdings galten natürlich auch in der Halbzeit die strengen Corona-Hygiene-Maßnahmen.

Das Projekt Spielberg erwies sich auch in der Pause zwischen den beiden Österreich-Rennen als Top-Gastgeber. Für Teams und Fahrer gab es zahlreiche Freizeitangebote. An der Rennstrecke steht eine Fitnessbox mit Workout-Geräten. Man kann Fischen gehen oder Radfahren - alles mit getesteten Betreuern.

In der Zwischenzeit wird der Red-Bull-Ring aufgeputzt und dann mit dem gleichen Konzept wieder angeworfen. Bis dahin werden sich auch die aus dem Ausland in die Steiermark gereisten Journalisten an das aktuelle Szenario gewöhnt haben. Keine Zuschauer, keine Stimmung, keine Kontaktmöglichkeiten im globalen Formel-1-Zirkus: Das war für viele ungewohnt und neu. "Es ist alles sehr eigenartig", meinte etwa Joe Saward, der seit 34 Jahren Formel-1-Reporter ist. Überrascht hatte er bei einem Ausflug in ein steirisches Gasthaus festgestellt: "Niemand trägt hier Masken." Französische Journalisten registrierten verwundert, man gewinne außerhalb der Rennstrecke den Eindruck, das ganze Murtal sei immun.

Andere Welten

Der Unterschied zwischen der Außenwelt und dem abgeschotteten Mediencenter, in das man nur nach PCR-Tests, Fiebermessen und mit Schutzmasken kommt und in dem akkurat auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet wird, könnte größer nicht sein, auch der Kontakt zu den Teams findet nur virtuell statt. Auch in der zweiten Spielberg-Woche wird sich wegen der Pandemie-Regeln der Formel 1 an dieser ungewöhnlichen Situation nicht viel ändern. Fahrer, Teams und Medienvertreter müssen alle fünf Tage zum Test. Die Selbstisolation galt laut dem umfangreichen "Code of Conduct" des Weltverbands FIA auch für die Tage zwischen den Rennen und setzt sich danach auch in Ungarn fort, wo das Triple mit drei Rennen innerhalb von drei Wochen abgeschlossen wird. Danach geht es für zwei Rennen nach Silverstone. "Das in England wird eine Riesen-Herausforderung", meint Saward trotz der jüngsten Lockerung der Einreisebestimmungen für Spitzensportler. "Die Corona-Situation ist dort weit schlechter als in Österreich."

Dabei steht die Formel 1 nicht nur in Spielberg, sondern während der ganzen Saison auf dem Prüfstand. Die ohnehin schon in einer Krisensituation befindliche Rennserie sollte sich tunlichst keine Blöße geben wie zuletzt der Tennissport bei der Adria-Tour. Schon in der Corona-Pause hatte die Formel 1 unter dem Druck der Pandemie deshalb ein Rettungspaket geschnürt. So wurde die neue Budgetgrenze für 2021 noch einmal deutlich gesenkt und die kostspielige Regelreform um ein Jahr auf 2022 verschoben.

Die Fahrer setzten ein Zeichen gegen Rassismus. - © Reuters
Die Fahrer setzten ein Zeichen gegen Rassismus. - © Reuters

Und auch die Diskussionen um Rassismus trüben die Stimmung. Zahlreiche Sportler hatten sich der Black-lives-Matter-Bewegung angeschlossen, Weltmeister Lewis Hamilton, der beim ersten Spielberg-Rennen nur Vierter wurde, hatte sich zu deren Sprachrohr aufgeschwungen. In Spielberg waren 14 der 20 Fahrer vor dem Rennen auf die Knie gegangen, um ein Zeichen für mehr Chancengleichheit und Vielfalt zu setzen. Charles Leclerc, der sich dem nicht anschloss, verteidigte sich danach auf Twitter. Es gehe im Kampf gegen Rassismus - den er voll unterstütze - nicht um symbolische Gesten, sondern um Taten, schrieb er.

Hamilton äußerte Verständnis: "Niemand sollte zu etwas gezwungen werden", sagte er. Doch auch wenn Dissonanzen nach dem Saisonauftakt in Spielberg tunlichst vermieden werden sollten: Für die Highspeed-Branche hat die Reise ins Ungewisse gerade erst begonnen.(apa)