Aller (Neu-)Anfang ist schwer, dabei hätte alles perfekt werden sollen: Nachdem die großen US-Sportligen, die wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen werden mussten oder gar nicht erst gestartet werden konnten (wie die Baseball-Liga), lange pausieren mussten, sollte nun die Major League Soccer den Ankick zum Neustart geben. Ein Turnier auf dem Gelände von Disney-World ab Mittwoch wurde dafür auserkoren; das passt durchaus zu den Vorstellungen von Präsident Donald Trump, der die Wiederaufnahme der Sportligen trotz Infektionszahlen, die in den USA in schwindelerregende Höhen geklettert sind, forciert hatte und der großen Show bekanntlich nicht abgeneigt ist. Doch anstatt eines neuen Höhenfluges für den US-Sport, der durch die Ausfälle auch massive finanzielle Einbußen erlitten hatte, brachte das Turnier nun vorerst einen veritablen Bauchfleck - und das, noch bevor es überhaupt begonnen hatte.

Denn wie die Major League Soccer unmittelbar vor dem geplanten Start am Mittwoch bekanntgab, wurde die Mannschaft des FC Dallas wegen zu vieler positiver Tests auf Sars-CoV2 aus dem Bewerb genommen. In der Delegation aus Texas, eines der am härtesten von der Pandemie betroffenen US-Bundesstaaten, sind zehn Spieler und ein Betreuer mit dem Coronavirus infiziert. "Angesichts der Auswirkungen der Anzahl positiver Tests auf die Fähigkeit des Vereins, zu trainieren und Pflichtspiele zu bestreiten, haben wir beschlossen, den FC Dallas vom MLS-is-Back-Turnier zurückzuziehen", erklärte MLS-Chef Don Garber.

Welche Auswirkungen die Causa auf die weiteren Saisonpläne hat - nach dem Turnier, das als Zuckerl für den Sieger einen Platz in der Concacaf-Champions-League bereithält, sollte die reguläre Saison weitergehen -, ist derzeit noch unklar.

Fest steht aber, dass sie anstatt des Showlights- eher ein negatives Schlaglicht auf eine allzu rasche Wiederaufnahme des Spielbetriebs im US-Sport wirft. Nach einem langwierigen Streit zwischen Spieler- und Ligavertretern sollten als nächstes - am 23./24. Juli - die Baseballer zu spielen beginnen; in der Basketball-Liga NBA sollen die ersten Partien am 30. Juli ebenfalls in Disney World über die Bühne gehen. Und am Dienstag gab auch die Eishockey-Liga NHL bekannt, dass man sich auf einen Neustart am 1. August mit einem erweiterten Play-off geeinigt hat. So weit, so gut, so unsicher. Denn alle diese Sportarten haben nicht nur mit der Situation im Land, sondern auch mit Gezänk in den eigenen Reihen über die finanziellen Rahmenbedingungen sowie zahlreichen Coronavirus-Infektionen zu kämpfen. 31 erst am Wochenende bekannt gewordene Fälle bei Baseball-Spielern sowie sieben bei Klub-Mitarbeitern lassen den Saisonstart der MLB schon jetzt ordentlich wackeln - immerhin sind 19 der 30 Klubs betroffen.

Chef-Virologe warnt

Etwas entspannter sieht man die Lage - noch - in der lukrativsten aller Sportligen, der National Football League, die traditionell erst im Herbst startet und vorerst von einem planmäßigen Beginn am 10. September ausgeht. Allerdings hat US-Virologe Anthony Fauci angesichts steigender Zahlen schon jetzt die Befürchtung geäußert, dass auch dieses Datum nicht halten könnte. Mehr noch: "Es könnte sein, dass es heuer keinen Football mehr geben wird", sagte er. Im Weißen Haus und in der NFL hört man solche Dinge freilich nicht gerne, lieber schreibt man andere Schlagzeilen. So hat Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs Quarterback Patrick Mahomes zuletzt mit einem neuen Vertrag bis 2031 ausgestattet - mit dem Mahomes mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar verdienen kann. Ganz so schlecht steht es also doch noch nicht um die US-Sportligen.