Für zwei Matches kehrt Dominic Thiem am Dienstag und Mittwoch auf Rasen zurück. Österreichs Tennis-Star ist beim bett1Aces-Einladungsturnier in Berlin (12 Uhr/ServusTV/ Eurosport) topgesetzt und trifft am Dienstag im Halbfinale auf Altstar Tommy Haas (D) oder Italiens Hoffnung Jannik Sinner. Zusätzlich spielt er am Wochenende in Berlin auch noch zwei Matches auf Hartplatz. Rechnet man also seinen jüngsten Auftritt bei dem (von ihm mitorganisierten) Einladungsturnier Thiem’s 7 in Kitzbühel (auf Sand) hinzu - das Finale gegen den Russen Andrej Rublew hat er am Wochenende verloren -, so spielt Thiem derzeit so etwas wie einen Mini-Grand-Slam.

Thiem selbst will das nicht einmal bestreiten. Von der Höhenlage auf Sand in Kitzbühel zu seinem ersten Rasenmatch seit Wimbledon 2019 sei "schon eine große Umstellung", meinte der dreifache Grand-Slam-Finalist am Montag bei einer Pressekonferenz. "Aber ich fühle mich wohl, habe sehr viele Matches gespielt und war in Nizza auf Hartplatz, in Österreich auf Sand." Als ersten Gegner auf Rasen in Berlin wünscht er sich den aus der Pension kurz zurückkehrenden Altstar und mittlerweile Indian-Wells-Turnierboss Haas. "Ich hab gegen beide noch nie gespielt. Aber gegen Tommy würde ich schon gern ein echtes Match spielen." Da ist was dran: Gegen Sinner wird es noch Tourmatches geben, nicht aber gegen Haas.

Das Finale beim Thiem’s 7 in Kitzbühel hat Dominic Thiem verloren, nun wartet auf ihn der Rasen von Berlin. - © apa/expa/Adelsberger
Das Finale beim Thiem’s 7 in Kitzbühel hat Dominic Thiem verloren, nun wartet auf ihn der Rasen von Berlin. - © apa/expa/Adelsberger

Thiems Problem mit dem Belag ist, dass ihm seine Erfolge bei den French Open in den vergangenen Jahren nicht genügend Vorbereitungszeit gelassen hätten, wie er sagte. "Generell spiele ich gut darauf und habe 2016 große Erfolge gefeiert mit dem Titel in Stuttgart, dem Halbfinale in Halle." Tatsächlich ist aber Berlin nicht alles. So richtig ernst wird es Mitte August auf der ATP-Tour, wenn auch hinter den US Open noch ein Fragezeichen steht. Zuviel will Thiem über ein Antreten aber noch nicht nachdenken. "Ich glaube, dass die Entscheidung nicht in unserer Hand liegt, sondern beim amerikanischen Tennisverband, natürlich auch bei der amerikanischen Regierung, dem New Yorker Bürgermeister. Das Ganze steht auf sehr wackeligen Beinen und alles andere als sicher." Allerdings glaubt der 26-jährige Niederösterreicher, dass es bei grünem Licht zur Austragung auch sicher sei, dorthinzureisen. "Wir werden in einer Riesenbubble (Blase, Anm.) sein, wie man es auch bei der Formel 1 in Spielberg gesehen hat. Wir werden keinen Kontakt zur Außenwelt haben." Eine Entscheidung erwartet er in den nächsten Tagen oder Wochen.

Kein Hadern mit Corona

Die vergangenen vier Monate seien eine sehr spezielle Zeit gewesen, nun sehe sein Alltag schon wieder relativ normal aus. Als Australian-Open-Finalist in Topform hätte er seine bisher beste Saison spielen können. Ob er sich durch das Ausbrechen der Coronavirus-Pandemie darum betrogen fühlt? "Überhaupt nicht. Erstens kann man das sowieso nicht ändern, es ist ein Schicksal der Natur, zweitens gibt es auch wichtigere Dinge als Sport und Tennis. Und drittens gibt es auch Spieler, die es um einiges schlimmer erwischt hat als mich. Ich habe sechs, sieben unglaubliche Jahre auf der Tour gehabt. So eine Pause zu haben in einer guten Phase meiner Karriere ist natürlich bitter, aber was sollen Leute sagen, die gerade raufgekommen sind, am Weg nach oben sind und jetzt gestoppt worden sind? Oder Leute, die bald ihre Karriere beenden, die ein halbes Jahr verloren haben?"

Adria-Tour "war ein Fehler"

In Berlin, wo beim Turnier ein besonders rigoroses Sicherheitskonzept herrscht, fühlt sich Thiem jedenfalls sicher. "Auch letzte Woche in Kitzbühel haben wir alles getan, um es sicher zu halten und Risiken zu vermeiden." Die viel diskutierte, von Novak Djokovic organisierte Adria-Tour sei "natürlich ein Fehler gewesen". "Das kann man auch nicht bestreiten. Dort war plötzlich wieder die Normalität vorhanden. Keiner hat irgendwelche Gesetze gebrochen, aber trotzdem haben wir ein bisschen den Bezug zur Realität verloren dort. Wir haben einfach die ganze Euphorie von den Kindern, den Fans gesehen und uns dazu verleiten lassen, eben diese Abstandsregeln nicht mehr einzuhalten. Das war ein Riesenfehler im Nachhinein." Er hoffe, dass alle aus den Fehlern gelernt haben. Kommentare aus Australien, gemeint ist Nick Kyrgios, seien hingegen "sehr entbehrlich".

Kyrgios hatte im Zusammenhang mit einem Partybesuch des positiv getesteten Alexander Zverev scharfe Kritik geübt und Tenniskollegen via Twitter den Intellekt abgesprochen. Der Australier tritt in Berlin nicht an. (apa/rel)