Sie heißen Toni Fritsch, Thomas Vanek und Jakob Pöltl - und alle waren oder sind sie österreichische Sportler, die in den größten aller Sportligen in den USA ihre Fußstapfen hinterlassen haben. Aktuell drängen zwei junge Österreicher, besser gesagt: Vorarlberger, in diese, einer im Basketball, einer im Eishockey. Ihre Namen lauten Luka Brajkovic und Marco Rossi, und laut Meinung der meisten Experten wird man sie sich merken müssen.

Rossi, Center der Ottawa 67s, wurde unlängst als erst zweiter Europäer mit der Red-Tilson-Trophy für den herausragenden Spieler der kanadischen Junioren-Eishockey-Liga ausgezeichnet. Nur die Corona-Pause konnte den Sprung des 18-Jährigen aus Feldkirch in die stärkste Eishockey-Liga der Welt hinauszögern. Doch weil aufgeschoben bekanntlich nicht aufgehoben ist, dürfte sein Wechsel in die NHL im Oktober bevorstehen. Beim Draft, bei dem die Teams unter den stärksten Junioren wählen können, ist er als Nummer sechs in Nordamerika eingestuft. Die Experten lobten ihn bei der Tilson-Wahl als "cleversten Spieler, besten Spielmacher und Nummer eins im Penaltyschießen". Mehr geht fast nicht.

Marco Rossi steht vor dem Sprung in die NHL. - © APAweb / afp / Getty, Craig Abel
Marco Rossi steht vor dem Sprung in die NHL. - © APAweb / afp / Getty, Craig Abel

Bei Basketballer Brajkovic, wie Rossi aus Feldkirch, dürfte es indessen noch etwas dauern, bis er sich seinen Traum von einem Engagement in der höchsten Liga seiner Sportart, der NBA, erfüllen kann. Der 21-jährige Vorarlberger steht vor seiner dritten Saison bei den Davidson Wildcats in der College-Liga NCAA und plant weitere vier Jahre im Amateurbereich. Das Ziel verliert er dennoch nicht aus den Augen; Schritt für Schritt soll es nach oben gehen. Es seien "extrem wichtige Saisonen", sagt er, er sei nun "in der Position, mein ganzes Talent zu zeigen". Doch es ist auch etwas Bescheidenheit dabei, schließlich hat er das in den beiden vergangenen Saisonen bereits getan. In der Corona-bedingten Zwangspause habe er weiter an sich gearbeitet, hat drei- bis fünfmal pro Woche Lauf- und Krafttrainings absolviert und gemeinsam mit Individualtrainer Stefan Weissenböck in Bamböck an Wurf und Technik gearbeitet. "Die Workouts waren extrem gut", sagt er. Gerne hätte er die Ergebnisse der Arbeit auch beim ursprünglich geplanten Sommercamp des Nationalteams präsentiert. Da dieses in Schwechat nun aber nicht zustandekommt, hält er sich vorerst in seiner Vorarlberger Heimat in Feldkirch fit. Wann es wieder nach North Carolina geht, weiß er noch nicht, vorerst muss sich Brajkovic auf Zoom-Meetings mit den Verantwortlichen beschränken. Sein nächstes Ziel ist aber klar: "Ich bin bereit, ein Führungsspieler im Team zu werden."

Pöltl in schwieriger Phase

Dass es selbst von dort bis zum durchschlagenden Erfolg in der NBA ein weiter Weg ist, macht aktuell Jakob Pöltl durch. Der Wiener bestreitet seine vierte Saison in der NBA, erlebt derzeit aber nicht nur Corona-bedingt eine schwierige Zeit. Beim früheren Meister San Antonio Spurs musste er sich in den beiden vergangenen Jahren hinter Topstar LaMarcus Aldridge anstellen. "Ich weiß nicht, ob das eine optimale Situation für mich ist noch ein weiteres Jahr", sagte Pöltl kürzlich im Gespräch mit der Austria-Presse-Agentur.

Jakob Pöltl (l.) macht derzeit indessen nicht nur Corona-bedingt eine schwierige Zeit durch. - © APAweb / afp / Getty, Jonathan Daniel
Jakob Pöltl (l.) macht derzeit indessen nicht nur Corona-bedingt eine schwierige Zeit durch. - © APAweb / afp / Getty, Jonathan Daniel

Weil Pöltl nur ein eingeschränkt vertragsloser Spieler ist, könnten die Spurs im Herbst mit jedem Angebot eines Konkurrenten gleichziehen. Grundsätzlich sei er dem Team gegenüber positiv eingestellt. "Aber was meine Karriere und meine Entwicklung angeht, steht zurzeit meine Rolle und die Spielzeit im Vordergrund."

Vor der Corona-Zwangspause kam der Center in dieser Saison durchschnittlich 16,6 Minuten zum Einsatz, erzielte 5,3 Punkte und 5,3 Rebounds pro Spiel. "Ich komme dann in mein fünftes Jahr in der NBA. Ich sage jetzt nicht, dass ich mir von Anfang an erwartet habe, dass ich im fünften Jahr 30 Minuten spiele. Aber ich habe mir einen Fortschritt jedes Jahr erwartet." Derzeit allerdings stagnieren die Werte, was Pöltl durchaus selbstkritisch sieht. "Es hängt viel davon ab, wie gut ich spiele."

Nach oben zu kommen, ist schwer. Sich oben zu halten, freilich umso mehr. Das könnten auch Rossi, Brajkovic und Co. noch zu spüren bekommen.