Dieses Wochenende gastiert die Formel 1 in Ungarn für das dritte Rennen der Saison. Wer am Rennsonntag (15.10 Uhr) auf das Stockerl fährt, wird heiß diskutiert. Einige Teams rechnen sich gute Chancen aus, andere hingegen müssen langsam mal liefern. Der Druck ist groß.

Der meiste Druck lastet wohl auf Ferraris Schultern. Nach zwei Wochenenden in Spielberg, die wirklich zum Vergessen waren, müssen die Italiener nun in Ungarn Leistung bringen. Die italienischen Medien haben die Scuderia bereits unter Beobachtung und blicken nun gespannt nach Ungarn. Einen sechsten und siebten Platz im ersten freien Training machten der Deutsche Sebastian Vettel und der Monegasse Charles Leclerc am Freitag. Um den Weltmeistertitel macht sich Ferrari wohl momentan sicher keine Gedanken - zu schnell sind die Silberpfeile mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Stattdessen ist bei der Scuderia Schadensbegrenzung angesagt, denn sonst gerät Teamchef Mattia Binotto langsam in Erklärungsnot.

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In Erklärungsnot kommt Sebastian Vettel hingegen nicht. Er bestätigte am Freitag bei der Pressekonferenz am Hungaroring, dass es bereits "lose Gespräche" zwischen ihm und Racing Point gebe. "Gerüchte sind Gerüchte. Nur ein paar Tage nach Österreich hat sich nicht viel geändert. Fakt ist, dass es keine Neuigkeiten gibt", meinte der Deutsche. Sergio Perez, jener Fahrer, dessen Platz Vettel eventuell einnehmen könnte, verwies in der Konferenz immer wieder auf seinen bis 2022 gültigen Vertrag, legte sich jedoch nicht fest, ob er auch in der nächsten Saison für Aston Martin an den Start gehen würde. Er bestätigte, dass bereits ein Rennstall nach dem Aufkommen der Gerüchte um Vettel und Racing Point auf ihn zugekommen seien.

Auch auf der Strecke fiel Sergio Perez am Freitag im ersten freien Training auf. Der Mexikaner lag hinter den beiden Mercedes-Piloten Hamilton und Bottas auf Rang drei. Sein Teamkollege, der Kanadier und Sohn von Lawrence Stroll, Lance Stroll, folgte ihm dicht dahinter auf dem vierten Platz.

Auch Red Bull drückte im ersten Training ordentlich aufs Gas, landeten Daniel Ricciardo und Max Verstappen doch auf Rang fünf und acht. Ihr Ziel ist es, dieses Wochenende die Vorherrschaft der Silberpfeile am Hungaroring zu brechen und selber zum Zug zu kommen. In der Steiermark hatten sie beide am ersten Wochenende einen Totalausfall, die Woche darauf fuhr Verstappen immerhin auf Rang drei. Da der Hungaroring eine kurvenreichere Strecke ist, rechnen sich die Red-Bull-Piloten wesentlich bessere Chancen auf einen Stockerlplatz aus. Die Autos von Mercedes überzeugen auf den Geraden mit ihrer Geschwindigkeit, doch in den Kurven könnte Red Bull die Nase vorne haben. Immerhin hat der Niederländer Verstappen vergangenes Jahr dort seine erste Pole Position in seiner Karriere erfahren. Die Chancen würden für Red Bull gar nicht so schlecht stehen, wäre da nicht ein gewisser Lewis Hamilton, der diese Strecke wahrscheinlich in- und auswendig kennt.

Bereits sieben Erfolge durfte der Brite Lewis Hamilton am Hungaroring feiern. Der achte könnte nun zum Greifen nahe sein, nachdem er der schnellste Fahrer im ersten freien Training war. Acht Siege auf einer Strecke gelangen bisher nur Formel-1-Legende Michael Schumacher in Magny-Cours in Frankreich, nun könnte Hamilton diesen Rekord am Wochenende knacken.

Jedoch könnte Hamilton dabei sein Teamkollege Valtteri Bottas in die Quere kommen. Auch der Finne dreht momentan schnelle Runden in seinem Formel-1-Wagen. Bottas ist sogar der derzeitige WM-Leader nach einem Sieg und einem zweiten Platz in Österreich. Ein dichtes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden könnte nicht nur am Hungaroring, sondern generell diese Saison programmiert sein. Toto Wolff warnt jedoch vor zu viel Optimismus in Ungarn: "Der Hungaroring ist Red Bull schon immer gelegen, und sie haben auch in diesem Jahr bereits ihre Stärke in den langsamen Kurven unter Beweis gestellt. Sie werden dort nur sehr schwer zu schlagen sein."

Heimliche Favoriten gibt es, aber wer die Nase von all den Formel-1-Teams wirklich ganz vorne haben wird, wird man am Sonntag am Stockerl sehen.