Wie schon in der Vorwoche relativ mühelos hat Lewis Hamilton auch den Großen Preis von Ungarn gewonnen. Der Brite holte sich damit am Sonntag einen weiteren Formel-1-Rekord: Mit seinem achten Sieg auf dem Hungaroring egalisierte er die Bestmarke von Michael Schumacher, der achtmal in Frankreich Sieger war. Mit seinem insgesamt 86. Grand-Prix-Erfolg übernahm der Mercedes-Mann auch die WM-Führung.

Hamilton liegt nun fünf Punkte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, der diesmal Dritter war. Zweiter war Red-Bull-Pilot Max Verstappen, und das obwohl der Niederländer sein Auto bei einem Unfall vor dem Start schwer beschädigt hatte. Die Podest-Ambitionen von Racing Point erfüllten sich indes nicht, der Kanadier Lance Stroll musste sich mit dem vierten Platz begnügen. Alexander Albon pilotierte den zweiten Red Bull auf den fünften Rang, Sebastian Vettel belegte im Ferrari Platz sechs.

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"Gratulation an alle, die dafür gearbeitet haben", sagte Hamilton, der sich in der letzten Runde auch noch den Streckenrekord holte. "Ich war auf mich alleine gestellt, aber wir haben eine super Grundgeschwindigkeit gehabt, tolle Boxenstopps und eine perfekte Strategie." Dem 35-Jährigen fehlen nur noch fünf Siege auf die 91, die Schumacher in seiner Karriere verbucht hat. Verstappen freute sich über Platz zwei, der "ist wie ein Sieg für mich heute". Sein Auto war erst Minuten vor dem Start wieder flott gemacht wurden. "Die Mechaniker waren unglaublich. Ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben."

Der auf dem siebenten Platz der Startaufstellung stehende Wagen wurde auf der Strecke repariert. - © AFP
Der auf dem siebenten Platz der Startaufstellung stehende Wagen wurde auf der Strecke repariert. - © AFP

Vor dem Start hatte es in der Gegend nordöstlich Budapest geregnet, die Autos waren am Anfang mit Intermediate-Reifen ausgerüstet. Hamilton kam gut weg, Bottas hingegen fiel nach einem hochriskanten Startversuch, der man auch als Frühstart werten hätte können, auf Platz sechs zurück. "Da habe ich so viel verloren, das hat mein Rennen zerstört", sagte der Finne. Verstappen schob sich nach der ersten Kurve auf Position drei vor.

In den ersten Runden bewegte sich das gesamte Feld prozessionsartig an die Box, um Trockenreifen anzustecken. Das anfängliche Chaos nützte aber nur Hamilton und Verstappen sowie den beiden Haas-Piloten Kevin Magnussen und Roman Grosjean, die nicht an die Box mussten und so auf einmal in den Top Ten lagen. Der Däne Magnussen war am Ende Neunter und holte heuer die ersten Punkte für das US-Team Haas.

Neben Bottas wurden auch die Ferrari von Vettel und Charles Leclerc nach hinten gespült, noch schlimmer erging es aber Racing-Point-Pilot Sergio Perez. Der Mexikaner war im Mittelfeld eingekesselt, während sich sein Teamkollege Stroll auf Platz drei hinter dem Hamilton und Verstappen etablierte. Erst bei der Hälfte der Renndistanz überholte Bottas Stroll mittels Undercut, indem er früher als der Kanadier einen frischen Reifensatz montieren ließ.

Danach setzte Bottas Verstappen mit einer Serie von schnellen Runden gehörig unter Druck, kam aber vorerst nicht vorbei. Der Finne besorgte sich noch einmal neue Gummiwalzen und versuchte es mit einem Angriff in der letzten Runde. Da kam er aber nicht mehr vorbei.

Bei Red Bull hatte es zunächst nach einem Anwendungsfall von Murphys Gesetz ausgesehen, wonach alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht. So musste das ohnehin mit Abstimmungsproblemen kämpfende Team vor dem Rennen mitansehen, wie sich Verstappen Frontflügel und Radaufhängung durch einen Unfall in der Einführungsrunde demolierte. In knapp 20 Minuten schaffte es die Crew in hektischer Arbeit aber, den Wagen noch auf der Strecke zu reparieren. Verstappen behielt Platz sieben in der Startaufstellung.

In zwei Wochen geht die Formel-1-WM-Saison in England weiter. In Silverstone hat Hamilton gleich zwei Heimrennen vor sich.

Mechaniker retteten Verstappens Wochenende am Hungaroring

Die wundersame Auferstehung, die Max Verstappen am Sonntag mit dem zweiten Platz im Ungarn-Grand-Prix vollendet hat, gehört zu den bemerkenswertesten Ereignissen der noch jungen Formel-1-Saison. 20 Minuten vor dem Start stand der RB16 des Niederländers mit schwerer Havarie da, dann gelang der Red-Bull-Mannschaft jedoch in Rekordzeit die Reparatur. Und Verstappen fuhr ein fehlerfreies Rennen.

"Die Vorderachse hat blockiert. Ich bin von der Bremse gegangen, habe noch einmal gebremst, aber es hat wieder blockiert", erklärte Verstappen seinen Unfall in Kurve 12 in der Einführungsrunde. "Ich habe schon die ganze Runde mit dem geringen Grip gekämpft, dann bin ich nicht mehr ausgekommen und bin direkt in die Mauer." Nach dem Einschlag war der Frontflügel weg und die vordere Aufhängung schwer ramponiert.

Er hätte auch an Ort und Stelle aus dem Auto aussteigen und das Rennen vor dem Start beenden können, meinte der 22-Jährige. Auch Teamchef Christian Horner berichtete, dass Verstappen kurz vor der Aufgabe war. "Aber man soll nie aufgeben", erklärte der Niederländer. "Ich wollte das Auto noch auf die Startaufstellung stellen, damit wir sehen können, was noch möglich ist." Und dann vollbrachten die Mechaniker ein wahres Wunder, brauchen die durchgeführten Arbeiten doch laut Horner normalerweise eineinhalb Stunden. "Sie haben es in 20 Minuten geschafft", betonte der Engländer.

So manch anderer hätte das beschädigte Auto an die Box beordert, wo die Reparatur vermeintlich einfacher durchzuführen wäre. Nicht so Horner. Das hätte nämlich auch zur Folge gehabt, dass Verstappen den siebenten Platz in der Startaufstellung aufgeben und auch aus der Box ins Rennen gehen hätte müssen. Bei den nahezu nicht vorhandenen Überholmöglichkeiten auf dem Hungaroring wäre die Chance auf einen Podestplatz dahin gewesen. Also riskierte Red Bull, und das Kalkül ging auf. Horner: "Sie sind 25 Sekunden vor der Deadline fertig geworden!"

Wenn sie es nicht hingekriegt hätten, wäre sein verkorkstes Wochenende perfekt gewesen, sagte Verstappen. "Es waren verrückte zehn bis zwölf Minuten." Nachher bedankte er sich unzählige Male bei seiner Crew. "Die Mechaniker haben einen unglaublichen Job gemacht, das Auto zu reparieren. Die erste Runde war dann wirklich gut, und von da an haben wir strategisch die richtigen Entscheidungen getroffen. Nach so einem schwierigen Wochenende zwischen die zwei Mercedes zu fahren, ist ein tolles Ergebnis und etwas, mit dem wir definitiv nicht gerechnet haben." Horner meinte: "Die Mechaniker haben den Tag von Max gerettet."

Ein Fehler von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas beim Start trug sicher auch zum positiven Resultat bei, doch auch insgesamt machte Red Bull im Rennanzug einen stabileren, schnelleren Eindruck als in den Trainings und im Qualifying. Der Thailänder Alexander Albon im zweiten Red Bull belegte von Startplatz 13 aus den respektablen fünften Platz.

"Wir wissen jetzt, woran wir arbeiten müssen", sagte Horner zu den Aerodynamik-Problemen, die das Auto laut Aussage von Verstappen zuvor teilweise fast unfahrbar gemacht hatten. "Wir kommen schön langsam hin", verriet Verstappen. "Wir müssen viele Dinge analysieren, wo wir uns verbessern können. Aber auch wenn man ein schlechtes Wochenende hat, muss man immer das Beste rausholen."

Magnussen nach Zeitstrafe nur noch Zehnter in Ungarn

Formel-1-Pilot Kevin Magnussen rutscht wegen einer nachträglichen Zeitstrafe beim Großen Preis von Ungarn von Rang neun auf Platz zehn ab, Neunter ist der spanische McLaren-Fahrer Carlos Sainz. Die Rennkommissare sahen am Sonntag nach einer Untersuchung als erwiesen an, dass der Däne von seinem Haas-Team während der Fahrt in die Startaufstellung unerlaubte Unterstützung per Funk erhalten hatte.

Daraufhin kam er noch einmal zum Reifenwechsel an die Box. Durch dieses Manöver war Magnussen im Gegensatz zu seinen Konkurrenten schon zu Beginn mit Trockenreifen unterwegs und konnte daher zunächst weit nach vorne fahren.

Endstand Grand Prix von Ungarn mit WM-Wertungen

Offizieller Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Ungarn am Sonntag in Mogyorod bei Budapest sowie die WM-Wertungen nach dem dritten von vorerst 10 Saisonrennen*:

Rennlänge: 70 Runden zu je 4,381 km = 306,630 km

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1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 01:36:12,473

Durchschnittsgeschw.: 191,644 km/h

2. Max Verstappen (NED) Red Bull +08,702

3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +09,452

4. Lance Stroll (CAN) Racing Point +57,579

5. Alexander Albon (THA) Red Bull +01:18,316

6. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +1 Runde

7. Sergio Perez (MEX) Racing Point +1 Runde

8. Daniel Ricciardo (AUS) Renault +1 Runde

9. Carlos Sainz jr. (ESP) McLaren +1 Runde

10. Kevin Magnussen (DEN) Haas +1 Runde

11. Charles Leclerc (MON) Ferrari +1 Runde

12. Daniil Kwjat (RUS) AlphaTauri +1 Runde

13. Lando Norris (GBR) McLaren +1 Runde

14. Esteban Ocon (FRA) Renault +1 Runde

15. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +1 Runde

16. Romain Grosjean (FRA) Haas +1 Runde

17. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +1 Runde

18. George Russell (GBR) Williams +1 Runde

19. Nicholas Latifi (CAN) Williams +5 Runden

~

Ausgeschieden: Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri

Schnellste Runde: Lewis Hamilton (GBR) Mercedes in der 70. Runde in 1:16,627 Min (Schnitt: 205,820 km/h)

WM-Stand (nach drei von 10 Rennen):

~

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 63

2. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 58

3. Max Verstappen (NED) Red Bull 33

4. Lando Norris (GBR) McLaren 26

5. Alexander Albon (THA) Red Bull 22

6. Sergio Perez (MEX) Racing Point 22

7. Charles Leclerc (MON) Ferrari 18

8. Lance Stroll (CAN) Racing Point 18

9. Carlos Sainz jr. (ESP) McLaren 15

10. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 9

11. Daniel Ricciardo (AUS) Renault 8

12. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri 6

13. Esteban Ocon (FRA) Renault 4

14. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo 2

15. Daniil Kwjat (RUS) AlphaTauri 1

16. Kevin Magnussen (DEN) Haas 1

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Konstrukteurs-WM:

~

1. Mercedes 121

2. Red Bull 55

3. McLaren 41

4. Racing Point 40

5. Ferrari 27

6. Renault 12

7. AlphaTauri 7

8. Alfa Romeo 2

9. Haas 1

~

* Die Platzierungen von Racing Point sind provisorisch, da gegen das Team eine Untersuchung des Weltverbands FIA anhängig ist, ob die Autos dem Reglement entsprechen

(apa)