Ich wurde so oft geschlagen, dass ich es nicht zählen kann. Wir wurden alle zum Trainer gerufen, und ich wurde vor allen ins Gesicht geschlagen. Ich blutete, aber er hörte nicht auf, mich zu schlagen. Ich sagte zwar, dass meine Nase blutete, aber er hörte nicht auf", erzählt Daiki A., ein professioneller Sportler, unter seinem Pseudonym. Am Montag hat Human Rights Watch pünktlich zur eigentlich geplanten Startwoche der Olympischen Spiele in Japan einen Bericht veröffentlicht, der vor Augen führen soll, wie manche Nachwuchsportlerinnen und Nachwuchssportler in diesem Land behandelt werden. Hier die erhobenen Zahlen.

Insgesamt über 800 Sportlerinnen und Sportler aus 50 verschiedenen Sportarten standen den Fragen Antwort. 381 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind jünger als 24 Jahre alt. 19 Prozent von ihnen führen an, dass sie geschlagen, geohrfeigt, getreten, auf den Boden geworfen oder mit einem Objekt geschlagen wurden. 18 Prozent von ihnen geben an, verbalen Missbrauch erlebt zu haben, fünf der Befragten berichten von sexuellem Missbrauch oder sexueller Belästigung als Kinder im Sport. Ein Viertel der 381 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben auch an, dass sie dazu gezwungen wurden, übermäßig viel Nahrung zu sich zu nehmen. Sieben Prozent hingegen berichten, dass sie während eines Wettbewerbes nicht mit ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt wurden. Selbst vor verletzten Sportlerinnen und Sportlern wurde nicht haltgemacht: 22 Prozent der unter 24-Jährigen erzählen, dass sie zum Training - trotz einer Verletzung - gezwungen wurden oder dass sie mit exzessivem Training bestraft wurden.


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Human Rights Watch Report
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Eine weitere Strafe konnte auch das Abrasieren der Haare sein - das war bei sechs Prozent der Befragten der Fall. Während Haare wieder nachwachsen, leiden einige erwachsene Sportlerinnen und Sportler noch immer unter dem Missbrauch. Unter anderem sind die Folgen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Viele von ihnen haben ein Trauma, leiden unter Depressionen, Ess- oder Schlafstörungen und vielem mehr.

Normalerweise sollte Sport Kindern und Jugendlichen Freude bereiten. In Japan wird dies jedoch von Gewalt und Missbrauch überschattet. Der physische Missbrauch von Kindern prägt den Nachwuchssport in Japan schon lange. Deshalb wurde dies mit der Zeit auch ein "normaler" Bestandteil der Erfahrung eines Athleten. Folglich löst der Sport jedoch auch noch heute bei vielen japanischen Kindern Angst, Schmerz und Verzweiflung aus.

Zeit für Veränderungen

Dies kann bis zum Selbstmord von Jugendlichen gehen. Das wurde daher in den vergangenen Jahren zu einem viel diskutierten Thema. Bereits 2013 - nach dem großen Judo-Skandal in Japan, bei welchem ein Trainer Mitglieder des olympischen Frauen-Nationalteams misshandelt hat - versprachen fünf der größten nationalen Sportorganisationen, der Gewalt und dem Missbrauch im Sport ein Ende zu bereiten.

Von diesem Versprechen ist offenbar nicht viel übrig geblieben, denn noch immer leiden Kinder und Jugendliche im Nachwuchssport. Noch immer nehmen sich manche Sportlerinnen oder Sportler das Leben oder denken darüber nach, weil der Druck zu groß ist. Noch immer werden die Verantwortlichen nicht richtig zur Rechenschaft gezogen oder kommen mit einer milden Strafe davon. Reformen gehören her, die Kinder und Jugend geschützt. Human Rights Watch hat seine Forderungen an die japanischen Verantwortungsträger gestellt, nun ist es an ihnen, etwas für ihre Sportlerinnen und Sportler zu tun.