Dieses Wochenende dreht die Formel 1 wieder ihre Runden auf der Strecke in Silverstone. Eher unbekannt ist noch, dass es auch eine "grüne" Alternative zu den spritfressenden Rennboliden gibt: die Formel E. Das Gleiche gilt auch für die MotoGP, seit der vergangenen Saison wird auch in der MotoE auf strombetriebene Motorräder gesetzt.

Die Formel E wurde 2014 ins Leben gerufen, seither gastiert sie weltweit auf Stadtkursen und ist somit unabhängig von der Formel 1 zu betrachten. Sie ist nicht nur die erste rein elektrische Rennserie der Welt, sondern auch die erste, die es Fans mithilfe des Fanboosts ermöglicht, aktiv ins Renngeschehen einzugreifen. Hierbei werden fünf Fahrer von Fans nominiert, diese erhalten während des Rennens einen zusätzlichen Energieschub. Am 5. August setzt die Formel E die Weltmeisterschaft in Berlin nach einer Corona-Pause fort. In neun Tagen werden sechs Rennen auf drei verschiedenen Strecken gefahren. Am Ende, sprich am 13. August, wird der Weltmeister gekrönt.

Kleinerer CO2-Fußabdruck

Die elektrische Rennserie fokussiert sich auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit, denn sie will verhindern, dass Abgase und Feinstaub die Städte verschmutzen. Deswegen setzt sie darauf, ihren CO2-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Dies versucht die Formel E mit hybriden Reifen, die für alle Wetterbedingungen geeignet sind, das gesamte Rennen über halten und am Ende des Tages dann recycelt werden. Auch der Strom für die Autos wird aus Formel-E-Glycerin-Generatoren hergestellt. Diese sind beinahe emissionsfrei, dafür werden zu 100 Prozent erneuerbare Kraftstoffe verwendet. Sogar die Fans werden eingebunden: Da die Rennen in der Stadt ausgetragen werden, werden sie dazu angeregt, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Deswegen werden keine Parkplätze für die Zuschauer bereitgestellt.

Vor allem ein Fahrer hat in den vergangenen Jahren versucht, mehr Fans für die Formel E an Land zu ziehen und sie bekannter zu machen: Daniel Abt. Nach seinem "Race at home"-Skandal kündigte ihm Audi vorzeitig den Vertrag. Abt hatte bei den virtuellen Rennen den österreichischen E-Sport-Profi Lorenz Hörzing an seiner Stelle fahren lassen. Was als Spaß gemeint war, hatte für ihn Konsequenzen. Nun geht er für Nio 333 an den Start, Rene Rast nimmt seinen Platz bei Audi ein.

Strombetriebene Bikes

Seit der vergangenen Saison gibt es an ausgewählten Rennsonntagen der MotoGP vor der Moto3 ein weiteres Rennen, nämlich jenes der MotoE. Diese Rennserie steckt quasi noch in den Kinderschuhen, erfreut sich aber mittlerweile auch an großer Beliebtheit, fahren in dieser doch auch bekannte Fahrer, wie Dominique Aegerter, mit.

Auch die MotoE setzt auf Nachhaltigkeit und verwendet ausschließlich strombetriebene Motorräder. Dies führte in der ersten Saison jedoch zu einigen Problemen: Immer wieder kam es zu Bränden beim Aufladen des Motorrades, das Problem soll nun behoben sein.

Neben den elektrobetriebenen Fahrzeugen haben die Formel E und MotoE noch weitere Gemeinsamkeiten. In beiden Rennserien fahren oder fuhren Frauen mit - das ist bei der Formel 1 und der MotoGP schon länger nicht der Fall gewesen. Außerdem kommt es sowohl in der Formel E als auch in der MotoE mehr auf den Fahrer an, schließlich ähneln sich die Fahrzeuge der Teams doch. In der Formel E werden die Rennwagen als Einheitsautos produziert und zur Verfügung gestellt, das soll eine größere Chancengleichheit garantieren. So konnten sich beispielsweise in den ersten sieben Rennen der vergangenen Saison sieben verschiedene Teams den Sieg holen. Jedoch ist es den Teams gestattet, beispielsweise an der Eigenentwicklung von E-Motor, Inverter, Getriebe, Hinterradaufhängung und Software von eingeschriebenen Herstellern zu arbeiten.

Das Modell der Zukunft?

Die beiden elektrischen Rennserien könnten sich künftig eventuell über größere Beliebtheit erfreuen. Die Forderung nach nachhaltigen Fortbewegungsmitteln wird immer lauter, der Umweltaspekt gewinnt an immer größerer Wichtigkeit. Freilich meinen einige, dass der Sound bei der MotoGP oder Formel 1 besser ist, doch haben auch die beiden anderen Rennserien einen besonderen Klang. Zwar ist dieser eher hoch, doch lässt er einen Dinge hören, die sonst eigentlich untergehen würden. Wichtig wird in der Zukunft der Treibstoff, der für den Antrieb nötig ist, sein - da lässt sich für den Sound sicherlich auch ein Kompromiss finden.