Unter normalen Umständen würden sich LeBron James und Giannis Antetokounmpo jetzt nach einer kräftezehrenden Saison in der sommerlichen Sonne entspannen. Stattdessen beginnt für die beiden Basketball-Superstars nun die entscheidende Phase im Kampf um den Titel. Angesichts des Corona-Fiaskos im Baseball steht die NBA enorm im Fokus. Ein zentrales Thema ist auch die Debatte um Rassismus und soziale Ungleichheit.

Wenn die stärkste Basketball-Liga der Welt in der Nacht auf Freitag in Orlando ihren Spielbetrieb nach 141 Tagen Pause wieder aufnimmt, werden die meisten Augen auf einen Mann gerichtet sein: LeBron James von den Los Angeles Lakers, die es in einem sicher hitzigen Stadtderby gleich mit den L.A. Clippers (3.00 Uhr MESZ) zu tun bekommen. Der 35-Jährige möchte im Oktober seinen vierten Titel einsacken. Sollte es ihm tatsächlich gelingen, wäre er erst der dritte Profi, der mit drei verschiedenen Teams alles gewonnen hat.

Zunächst geht es für die Topteams einzig um ihre Position in der Setzliste für die Play-offs, die ab 17. August nach dem gewohnten Muster ablaufen sollen. Die Lakers waren in der Western Conference bis zum Abbruch der Regular Season im März auf Platz eins, in der Eastern Conference dominierten die Milwaukee Bucks um ihren Superstar Antetokounmpo.

Der Grieche ist der klare Favorit für die Auszeichnung des besten Spielers der Saison. 29,6 Punkte und 13,7 Rebounds pro Partie holte der 25-Jährige im Grunddurchgang. Nun muss sich aber auch der "Greek Freak" erst wieder an die Intensität gewöhnen. "Ich fange gerade erst wieder an, in den Regular-Season-Modus zurückzukommen", sagte Antetokounmpo nach dem Test-Sieg gegen Jakob Pöltls San Antonio Spurs. "Ich möchte wieder in der Lage sein, den Court für 35 oder 40 Minuten rauf und runter laufen können, ohne müde zu werden." Nach fast vier Monaten Pause, während der nur individuell trainiert werden konnte, sind die NBA-Stars seit Anfang Juli in Orlando. "Es ist, als ob wir nie getrennt waren. Wir haben gleich da weitergemacht, wo wir aufgehört haben", berichtete James über das Lakers-Wiedersehen.

Die Finalspiele sind spätestens am 13. Oktober zu Ende und laut Experten werden sich Antetokounmpo und James sowohl den Titel als auch die MVP-Trophäe unter sich ausmachen. Für die Lakers hätte ein Erfolg heuer auch deshalb besondere Bedeutung, weil Kobe Bryant, das langjährige Aushängeschild des Teams, im Jänner bei einem Flugzeugabsturz gestorben war. Herausforderer sind die Clippers, Denver Nuggets und Houston Rockets sowie im Osten die Toronto Raptors und die Boston Celtics. Im Schnitt brachte es "King James" in der Regular Season auf 25,7 Punkte und 10,6 Assists - Letzteres ein Bestwert in seinem 17. Jahr in der Liga. Mit den Miami Heat hatte er 2012 und 2013 den Titel geholt, mit den Cleveland Cavaliers 2016. Mit drei Teams erfolgreich waren bisher nur Robert Horry und John Salley, die beide in die Kategorie wichtige Ergänzungsspieler fallen.

James wird aber auch deshalb in Blickpunkt stehen, weil sich der Modellathlet schon seit jeher als gewichtiger Fürsprecher im Kampf gegen Diskriminierung hervorgetan hat. Mit anderen Prominenten rief er vor kurzem etwa eine Initiative ins Leben, welche sich gegen die Ausgrenzung von Schwarzen bei der Wählerregistrierung einsetzt. In den USA steht im November die nächste Präsidentenwahl an.

Die NBA hat sich dem Thema als Ganzes verschrieben. Sie will das große Schaufenster in diesem Jahr nutzen. So wird beim Comeback in schwarzen Großbuchstaben der Slogan "Black Lives Matter" auf dem Spielfeld stehen. Vorausgewählte Botschaften können die Spieler auf ihren Trikots statt ihres Nachnamens aufdrucken lassen. James verzichtete darauf, weil er kein Mitspracherecht hatte. Welche Gesten während des Abspielens der US-Hymne zu sehen sein werden, ist noch offen.(apa)