Gemeinsamer Protest, der erste Korb durch jenen Spieler, der den ersten positiven Coronavirus-Test abgelegt hatte und ein Sieg der Los Angeles Lakers im Stadtduell gegen die Los Angeles Clippers in Orlando: Das waren die ersten Eindrücke der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA, der seit 11. März unterbrochen war.

Im Spitzenduell siegte Superstar LeBron James mit den Lakers 103:101. Zuvor holten die Utah Jazz ein 106:104 gegen die New Orleans Pelicans. Utah-Profi Rudy Gobert hatte den ersten Ball im Korb versenkt.

Noch symbolischer war allerdings die konzertierte Aktion aller Mannschaften: Alle knieten für die Nationalhymne hin und protestierten damit gegen Rassismus und gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. Die Basketballer trugen schwarze T-Shirts mit weißer Schrift und dem Slogan "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen). Auch alle im TV sichtbaren Trainer, Betreuer und Schiedsrichter beteiligten sich an dem symbolischen Protest.

"Müssen weiter Liebe verteilen"

Das Knien - so wie es Football-Profi Kaepernick als Quarterback für die San Francisco 49ers schon 2016 tat - hat für die NBA-Profis mittlerweile eine riesige Bedeutung. "Ich hoffe, wir haben Kaep stolz gemacht, und ich hoffe, wir machen ihn weiterhin stolz", sagte Superstar LeBron James, der kurz vor Schluss wieder einmal die entscheidenden Punkte machte. "Ich habe zugehört, die schwarze Gemeinschaft hat zugehört, und wir sind dankbar für die Opfer, die er gebracht hat."

Ausgerechnet Rudy Gobert, der den ersten positiven Coronavirus-Test abgegeben hatte, versenkte auch den ersten Ball. - © APAweb / afp / Getty, Ashley Landis-Pool
Ausgerechnet Rudy Gobert, der den ersten positiven Coronavirus-Test abgegeben hatte, versenkte auch den ersten Ball. - © APAweb / afp / Getty, Ashley Landis-Pool

Mit reduziertem Teilnehmerfeld wird die Saison nun auf dem Gelände von Disney World in Florida beendet. Die Mannschaften haben vor dem Beginn der Play-offs acht Partien, um sich entweder noch zu qualifizieren oder ihre Position für die Setzliste zu ermitteln.

"Es gab schon einen Fortschritt. In der Vergangenheit haben wir dann den Fuß vom Gas genommen, das können wir nicht mehr machen", sagte James dem TV-Sender TNT. "Wir müssen weiter Liebe verteilen. Wir wollen, dass die Ohren offen bleiben." Clippers-Coach Doc Rivers antwortete auf die Frage, welche Wirkung er sich von dem Protest erhoffe: "Ich möchte, dass das weiter geht. Ich möchte, dass die Leute darauf konzentriert bleiben."

Laut dem Regelbuch dürfen die Profis während der Hymne nicht knien, NBA-Boss Adam Silver will dieses Vergehen aber nicht bestrafen. "Ich respektiere den gemeinsamen friedlichen Protest unserer Mannschaften für soziale Gerechtigkeit und werde unter diesen Umständen die lange existierende Regel, die das Stehen bei der Nationalhymne einfordert, nicht durchsetzen", sagte er nach Angaben von US-Medien.

Pöltl hat erstes Spiel noch vor sich

Im Spiel trugen viele Spieler Botschaften statt ihres Namens auf dem Trikot. "Equality" (Gleichberechtigung), "I am a man" (Ich bin ein Mensch), "Peace" (Frieden) und "Vote" (Wähle) waren unter den Slogans. Die Topstars aus Los Angeles, James und der stark spielende Anthony Davis von den Lakers sowie Kawhi Leonard und Paul George von den Clippers, verzichteten auf diese Möglichkeit. Ihre Nachnamen standen aber unter der Nummer und nicht wie üblich - und wie die Botschaften - darüber.

Für den einzigen österreichischen NBA-Spieler Jakob Pöltl geht es in der Nacht von Freitag auf Samstag (2 Uhr MESZ) los. Seine San Antonio Spurs treffen auf die Sacramento Kings. (apa)