Die Superbike-Weltmeisterschaft ist nach fünf Monaten Corona-bedingter Pause wieder zurück. Ihren großen Saisonauftakt feierte sie noch in Australien vor der Corona-Pandemie, nun ging es vergangenes Wochenende in Jerez (Spanien) weiter. Bei der Superbike-WM gibt es pro Strecke jeweils drei Rennen: das erste Rennen, das Superpole-Rennen und das zweite Rennen. Das Superpole-Rennen gibt es erst seit vergangenem Jahr, hierbei werden zehn Runden gefahren, somit ist es das neue Sprint-Format. Das Ergebnis wird für die Startaufstellung der ersten neun Positionen für das zweite Rennen herangezogen. Ab Platz zehn werden die Platzierungen aus der Superpole verwendet. Die Superpole ist die Qualifying-Session, welche die Startaufstellung für das erste Rennen und teilweise auch für das zweite festlegt. Das erste Rennen wird am Samstag gefahren, am Sonntag findet zuerst das Superpole-Rennen und anschließend das zweite Rennen statt. Mit diesen drei Rennen werden die Karten jedes Mal neu gemischt, da man bei jedem WM-Punkte sammeln kann.

So hat beispielsweise in Australien Toprak Razgatlioglu das erste Rennen gewonnen, Jonathan Rea das Superpole-Rennen und Alex Lowes das zweite Rennen. Der WM-Stand nach Australien sah aber freilich anders aus: Alex Lowes führte die Meisterschaft an, dicht gefolgt von Scott Redding und Razgatlioglu. Rea, der Titelverteidiger vom Vorjahr, musste sich vorerst mit einem vierten Platz zufriedengeben. Nun hat sich das Blatt in Spanien gewendet: Scott Redding belegte den ersten Platz beim ersten Rennen, hinter ihm Rea und Razgatlioglu. Beim Superpole-Rennen standen Rea, Redding und der Niederländer Michael van der Mark auf dem Stockerl. Der Abschluss fand am Sonntag statt mit Redding, Chaz Davies und Razgatlioglu auf den ersten drei Plätzen. Die Weltmeisterschaft führt nun Scott Redding mit 98 Punkten an, gefolgt von Jonathan Rea und Alex Lowes.

Scott Redding könnte diese Saison für den Titelverteidiger Jonathan Rea ein gefährlicher Konkurrent werden. Der ehemalige MotoGP-Fahrer überzeugte schließlich mit zwei ersten Plätzen in Jerez und dominierte somit die vergangenen Rennen in Jerez, womit er auch eine ziemliche Durststrecke beendete. Nach fast sieben Jahren ohne Sieg auf WM-Level stand Redding wieder einmal ganz oben am Stockerl.

Comeback mit Bienenstich

Neben drei spannenden Rennen, die so einiges in der Weltmeisterschaft drehten, waren nicht nur alle Augen auf die drei Fahrer, die es aufs Stockerl geschafft haben, gerichtet, sondern auch auf Marco Melandri. Dieser hatte am Ende der vergangenen Saison seine Karriere beendet, doch nach nur 279 Tagen kehrte Melandri für die Ducati Panigale V4 R bei Barni Ducati auf die Strecke zurück. 2011 wurde der Fahrer aus Ravenna mit seinem Team Yamaha Vizeweltmeister, ein Jahr später wurde er mit BMW Dritter in der Weltmeisterschaft. Insgesamt gewann Melandri 22 seiner 189 Rennen und stand für Yamaha, Aprilia, BMW und Ducati 75 Mal auf dem Stockerl. Nun fuhr er bei seinem Comeback in den beiden Hauptrennen in die Top Ten, wurde jedoch beim Superpole-Rennen von einer Biene in den Bauch gestochen, weshalb er aufgrund der Schmerzen nur den 18. Platz belegte.

Wie es nun im Fahrerlager der Superbike-Piloten weiter geht? Dieses Wochenende starten die Motorrad-Profis in Portugal, das ist das dritte Rennen der vorerst sieben fixierten Termine. Zwei weitere Termine - jene für San Juan, Argentinien und Rimini, Italien - sollen noch folgen. Ob die Superbike-WM tatsächlich in Übersee ausgetragen wird, steht noch nicht fest, doch die MotoGP hat bereits vergangene Woche bekanntgegeben, dass sie dieses Vorhaben unterlassen und stattdessen noch einen weiteren Europatermin hinzufügen wird. Fest steht jedoch, dass es auch am kommenden Wochenende wieder spannend in der Superbike-WM werden könnte. Vergangenes Jahr konnte sich Jonathan Rea im ersten Rennen und im Superpole-Rennen den ersten Platz sichern, beim zweiten Rennen hatte Alvaro Bautista die Nase vorne. Diese Saison ist ein Kampf zwischen Razgatlioglu, Redding, Lowes und Rea programmiert, die Krone wollen sie sich schließlich alle holen. Doch auch andere Piloten im Fahrerlager sind nicht zu unterschätzen, denn wie man am vergangenen Wochenende bereits gesehen hat, kann sich noch alles drehen und wenden. Die Superbike-WM hält schließlich immer wieder einige Überraschungen bereit.