Es waren die ganz großen Emotionen am Sonntag, sowohl bei Brad Binder selbst als auch bei seinem Team, dem oberösterreichischen Konzern KTM. Beim Grand Prix von Tschechien in Brünn gelang den Orangen der große Coup: der Premierensieg von KTM und zugleich der erste Erfolg von Brad Binder in seinem erst dritten MotoGP-Rennen überhaupt.

Der Moto3-Weltmeister von 2016 und Moto2-Vizeweltmeister von 2019 ist erst seit dieser Saison in der Königsklasse im Einsatz und überzeugt als Teil einer Reihe von jungen Rookies in der MotoGP mit seinem Können. Mit dem ersten Sieg erfüllte er sich in Tschechien einen Kindheitstraum und machte sich zugleich ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk: "Ich kann es noch gar nicht fassen. Das ist definitiv der beste Tag meines bisherigen Lebens", jubelte der Südafrikaner, der am Dienstag seinen 25. Geburtstag feiert und sich in der WM auf den fünften Gesamtrang verbesserte. Enthusiastisch äußerte er sich auch über sein Team: "KTM hat mir ein irres Bike gegeben, und am Ende waren es die verrücktesten zehn Runden meines Lebens." Eine gute Maschine brauchte es auch, um das Rennen am Sonntag für sich zu entscheiden: Zusätzlich zu 30 Grad Lufttemperatur und 47 Grad am Asphalt sorgten auch ein niedriges Griplevel und viele Bodenwellen für schwierige Bedingungen am Masaryk-Ring. Im Reifenmanagement zeichneten sich zwei Strategien ab: Die eine Hälfte des Feldes war mit einer weichen Mischung am Hinterrad unterwegs - so auch der zweitplatzierte Petronas-Yamaha-Pilot Franco Morbidelli und der drittplatzierte Johann Zarco, der als Polesetter ins Rennen ging -, die andere Hälfte fuhr mit einer Medium-Mischung.

Dreijahresplan ging auf

Auf letztere Variante setzte auch der von Position sieben gestartete Binder. Besonders im letzten Renndrittel machte sich die Entscheidung zum härteren Reifen bezahlt: "Ich hatte einen guten Start", resümierte der souverän fahrende KTM-Pilot. "Als ich hinter Fabio Quartararo lag, konnte ich sein Tempo recht einfach halten. Als ich ihn überholt hatte, lag noch Franco Morbidelli vor mir. Nach ein paar Runden hinter ihm fiel mir auf, dass ich mehr Grip hatte als er. Als ich auch ihn überholt hatte, lag ich vorne. Die letzten drei Runden waren dann wohl die saubersten, die ich jemals hingelegt habe. Einfach unglaublich!" Auch der unverschuldete Ausfall des zweiten KTM-Pilots Pol Espargaró, der in den Positionskämpfen von Zarco abgeschossen wurde, konnte die Freude bei den orangenen Masterminds nicht trüben.

"Wir könnten nicht glücklicher sein, aber es hätte sogar noch mehr herausschauen können", betont Team-Manager Mike Leitner. "Das ist der Lohn für so viel harte Arbeit. Wir wussten, dass unser Bike heuer noch besser ist, und das ist kein Zufall", jubelt auch KTM-Motorsportdirektor Pit Beirer über den Erfolg Binders.

Im vierten vollen Jahr in der MotoGP erreichte das österreichische Werksteam, welches bereits in den kleinen WM-Klassen der Moto3 und Moto2 sowie in der Rallye Dakar erfolgreich war, nun auch in der Königsklasse fast punktgenau das Ziel ihres Dreijahresplans. "Wir hatten nicht die Erfahrung der anderen Marken, gegen die wir antreten. Es ging auf und ab in den vergangenen drei Jahren, aber der Lohn ist unglaublich", freute sich Leitner.

Doch KTM ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus, denn kommendes Wochenende wartet mit dem Red Bull Ring bereits der Heim-Grand-Prix in Spielberg. "Ich denke, sie sind für die nächsten Rennen in Österreich Favorit", betonte Yamaha-Pilot Valentino Rossi. Eines ist klar: KTM wird auch in Zukunft nicht locker lassen und den großen Werkteams - Yamaha, Ducati, Honda und Co. - den Kampf ansagen. Denn das nächste Ziel steht bereits: der WM-Titel.

Verstappen triumphierte

Ein österreichischer Konzern durfte am Sonntag auch in der Formel 1 jubeln: Dem Niederländer Max Verstappen und seinem Team gelang es, mit exzellentem Reifenmanagement und guter Taktik, erstmals die Mercedes-Dominanz zu durchbrechen. Red Bull Racing feierte beim 70-Jahres-Jubiläums-Grand-Prix im englischen Silverstone den ersten Saisonsieg.