Die Ereignisse rund um die Razzia bei der nordischen Ski-WM im Februar 2019 und in Erfurt sind auch eineinhalb Jahre danach noch lange nicht aufgearbeitet. Am Freitag muss sich der ehemalige österreichische Langläufer Harald Wurm unter anderem wegen des Verdachts auf schweren Sportbetrug vor Gericht, zwei Tage davor gab die Staatsanwaltschaft Innsbruck nun bekannt, dass auch gegen drei Personen - zwei Athleten und einen Betreuer - Anklage erhoben wurde.

Vorerst aber beschäftigt sich die Justiz mit dem 35-jährigen Harald Wurm. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2015 und 2019 zu den Handlungen des deutschen Sportmediziners Mark S., der als Drahtzieher eines Doping-Netzwerkes gilt, beigetragen zu haben. Wurm soll nämlich im Jahr 2015 die Lieferung eines Spezialkühlschrankes, der zur Lagerung von Blut- und Erythrozytenbeuteln diente, zu Mark S. nach Erfurt veranlasst haben. Der Kühlschrank soll bis zu seiner Sicherstellung im Rahmen der "Operation Aderlass" im Februar 2019 zur Lagerung der Blutbeutel verwendet worden sein. Zudem soll der ehemalige Langläufer laut Staatsanwaltschaft als Zeuge gegen einen ehemaligen Trainer falsch ausgesagt haben.

Gegen Wurm war bereits im Jahr 2015 eine mehrjährige Sperre wegen Dopings ausgesprochen worden. 2016 hatte er sich deshalb auch bereits vor Gericht verantworten müssen. Das damalige Strafverfahren wurde diversionell erledigt und damit nach Zahlung einer Geldstrafe eingestellt. Seine Rolle bei der Lieferung des Kühlschranks war damals laut Staatsanwaltschaft noch nicht bekannt.

Olympiasieger Veerpalu muss sich verantworten

Am Mittwoch erklärte die Staatsanwaltschaft, dass sich auch die Esten Karel Tammjärv und Andreas Veerpalu in Tirol vor Gericht verantworten werden müssen. Auch Vater Andrus Veerpalu sei wegen Beihilfe zum Sportbetrug angeklagt.

Den Sportlern, die nach ihrer Festnahme bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld Doping gestanden hatten und für jeweils vier Jahre gesperrt worden waren, wird demnach Eigenblut-Doping und die Einnahme verbotener Substanzen seit der Wintersaison 2016/2017 zur Last gelegt. Außerdem sollen sie zu Unrecht Sponsorengelder von jeweils 15.000 Euro kassiert haben.

Im Herbst muss dann Andreas Veerpalu (l.) in Innsbruck erscheinen. - © APAweb / afp, Fabrice Coffrini
Im Herbst muss dann Andreas Veerpalu (l.) in Innsbruck erscheinen. - © APAweb / afp, Fabrice Coffrini

Andrus Veerpalu, der 15-Kilometer-Olympiasieger von 2002 und 2006, soll sein Zimmer bei der WM 2019 einem anderen Sportler zum Eigenblut-Doping zur Verfügung gestellt haben.

Für ihn ist ein Verhandlungstermin für den 8. Oktober angesetzt. Die anderen beiden Verfahren sind noch nicht terminiert. (red/apa)