Zu den in der Blutdopingaffäre Operation Aderlass noch nicht enttarnten Sportlern gehört auch ein aktiver Radprofi. "Meines Wissens gibt es einen Radsportler, der noch aktiv ist und dessen Name noch nicht öffentlich bekannt ist. Ich weiß allerdings nicht, ob er von seinem Team für die Tour de France nominiert wird", sagte Oberstaatsanwalt Kai Gräber dem Magazin "Tour" (Mittwoch-Ausgabe).

Insgesamt 19 Namen der 23 in das Netzwerk um den Mediziner Mark S. verwickelten Sportler, darunter elf Österreicher, sind bekannt. Laut Gräber, der die Anklageschrift in dem am 16. September beginnenden Prozess verfasst hat, werden die fehlenden Namen in dem Prozess nicht durch die Beweisführung bekannt.

Neuerliche Erschütterung unwahrscheinlich

"Das liegt daran, dass für diese Sportler Blutdoping zu dem Zeitpunkt, zu dem wir es nachweisen konnten, noch nicht strafbar oder aus Sicht der behandelnden Personen verjährt war", sagte der Jurist. Aufgrund des Anti-Doping-Gesetzes sei es der nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschlands aber möglich, Informationen von der Staatsanwaltschaft zu bekommen und sportrechtliche Konsequenzen zu prüfen. "Ich denke, dass noch das eine oder andere auf den Tisch kommt", sagte Gräber.
In Sachen Radsport glaubt der 55-Jährige aber nicht, dass dies "eine Erschütterung" zur Folge haben könnte. "Die Fakten sind ja größtenteils bekannt", betonte Gräber.

In dem Prozess werden dem Sportarzt Mark S. Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz und Antidopinggesetz vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er seit Ende 2011 regelmäßig und in einer unbekannten Anzahl von Fällen weltweit Blutdoping betrieben hat. Im Februar 2019 hatten österreichische und deutsche Behörden während der Nordischen Ski-WM in Innsbruck und Seefeld Razzien unter anderem bei ihm durchgeführt. (apa/dpa)