Und dann kam der Lockdown. Nichts ging mehr, sämtliche Sportligen in Österreich wurden abgebrochen und die letzten WM-Tickets - Ironie am Rande - am grünen Tisch vergeben. Österreichs Handball-Männer erhielten eines für die Titelkämpfe im kommenden Jänner in Ägypten, nur wie man sich darauf vorbereiten sollte, wusste keiner so genau. "Es ist wie ein Fahren im Nebel", hatte Tom Berger, damals Geschäftsführer der Spusu-Handball-Liga-Austria, im Mai noch gesagt. Mittlerweile wurde Berger - geplantermaßen - von Christoph Edelmüller abgelöst, und der Nebel hat sich in einigen Bereichen gelichtet. Am Samstag treten nun die Fivers Margareten zum European-League-Hinspiel bei Benfica Lissabon an, eine Woche später steht das Rückspiel in Wien auf dem Programm. Es ist nach neun Jahren des Wartens für die Fivers eine Rückkehr in den Europacup - und gleichsam die Ummantelung des Comebacks des Handballsports in Österreich. Denn am 2. September steigt der Supercup, in dem ebenfalls die Fivers auf Hard treffen, am 4. September legt die Liga los.

Gerade für die Fivers verlief die Vorbereitung nicht friktionsfrei. Schon zum Trainingsauftakt wurden mehrere Spieler positiv auf das Coronavirus Sars-CoV2 getestet, Quarantäne und Trainingsrückstand waren die Folge. "Wir haben unsere Online-Trainings gemacht, und die Vereinsführung hat super reagiert. Trotzdem war es nicht einfach und hat uns in der Vorbereitung sicher zurückgeworfen", sagt Lukas Hutacek, der heuer zum Handballer des Jahres gewählt worden war.

Diese Auszeichnung hat Hutacek freilich auch seinen Leistungen bei der EM im Winter zu verdanken, als die Welt noch in Ordnung schien - und für Österreichs Handballer wie Fans ganz besonders: Bei der Heim-EM glänzte Österreich nicht nur als Ausrichter organisatorisch, sondern auch sportlich. Der achte Platz war ein historisches Ergebnis.

Gebremste Impulse

Doch während die Verantwortlichen von einem Handball-Boom in Österreich geträumt hatten, von einer neuen Basis für den Nachwuchs und künftigen Großtaten der Aushängeschilder, machte Corona dem Sport einen Strich durch die Rechnung. Anstatt von einer Belebung des Geschäfts war aufgrund der Einbußen durch den Lockdown gar von einem Wegbruch mehrerer Vereine die Rede.

Dass es nicht so weit gekommen ist und sowohl die Herren- als auch die Damenliga im September plangemäß und mit allen Teams den Betrieb wieder aufnehmen kann, führt Neo-Geschäftsführer Edelmüller auf mehrere Faktoren zurück: "Wir sind relativ gut durch die vergangenen Monate gekommen. Zum einen haben uns Modelle wie die Kurzarbeit geholfen, zum anderen haben Ligen und Vereine rasch reagiert und zusammengearbeitet, außerdem haben uns Partner und Sponsoren den Rücken gestärkt. Es ist nicht selbstverständlich, dass in so einer Phase sogar Sponsoren dazukommen", sagt Edelmüller. Die Erleichterung ist also da, Grund zur Euphorie freilich nicht: "Wir sind nicht naiv und wissen, dass das nächste Quartal umso schwieriger wird."

Getrübte Freude

In diesem haben sich Österreichs Handballer nun erst recht zu bewähren, schließlich ist man mit dem Saisonstart im September quasi Testballon für viele andere Indoor-Sportarten, die langsam, aber sicher und unter den gegebenen Hygienebestimmungen und Corona-Maßnahmen ihren Betrieb wieder aufnehmen wollen. Über 60 Seiten umfassen die Vorgaben, "wir übererfüllen die Testvorgaben", versichert Bernd Rabenseifner, Generalsekretär des österreichischen Verbandes. "Wir sind sehr froh, dass wir als erste Indoor-Sportart starten können. Wenn man bedenkt, dass viele vor ein paar Monaten geglaubt haben, dass es in diesem Jahr gar keinen Indoor-Mannschaftssport geben wird, ist das schon etwas."

Allerdings ist auch diese Freude nicht ungetrübt. Am Wochenende zog sich Team-Kapitän Nikola Bilyk im Training einen Kreuzbandriss zu, für die WM fällt er also aus. Manchmal sind es auch die normalen Unwägbarkeiten, die den Sport vor Schwierigkeiten stellen. Da muss es nicht einmal Corona sein.