In einem Jahr, in dem im Sport fast alles anders läuft als geplant - auch die Tour de France musste aufgrund der Corona-Pandemie zwei Monate nach hinten verschoben werden - dürfen sich so viele Österreicher wie seit Jahren nicht mehr über eine Startmöglichkeit beim prestigeträchtigsten und wichtigsten Radrennen des Jahres freuen. Mit den Oberösterreichern Michael Gogl aus dem Team NTT, Gregor Mühlberger, Lukas Pöstlberger und Felix Großschartner aus dem Rennstall Bora-hansgrohe und dem Kärntner Marco Haller aus dem Team Bahrain-McLaren stehen gleich fünf Österreicher am Start.

Freie Fahrt hat jedoch nur der Erstgenannte des Quintetts - Michael Gogl. Der 26-Jährige ist zum insgesamt fünften Mal bei einer großen Landesrundfahrt dabei und tritt bei der Tour de France, die heuer zum 107. Mal ausgetragen wird, zum dritten Mal in Folge an. Zuletzt präsentierte sich der Oberösterreicher in einer bestechenden Form: Bei der Strade Bianche - dem ersten World-Tour-Rennen nach der Corona-Pause - konnte Gogl in Italien trotz technischer Defekte den neunten Platz ins Ziel retten. Gerade weil NTT keinen Anwärter auf das Gesamtklassement stellt, bleiben dem Oberösterreicher bei der Tour de France viele Freiheiten. "Wir werden am ersten Tag alle für Italiens Meister Giacomo Nizzolo fahren", betont Gogl und spielt damit auf eines der Ziele des Rennstalls NTT, sich mit dem kurzfristigen gelben Trikot und durch gute Leistungen möglicherweise für einen neuen Großsponsor interessant zu machen, an. Danach werde man beim südafrikanischen Radsportteam vor allem auf Etappenjagd gehen. "Ich werde auch Freiheiten bekommen", erklärt der Oberösterreicher, der nach einem überstandenen Hitzeschlag bei der Tour de France nun wieder im vollen Besitz seiner Kräfte an den Start gehen wird.

Unterstützung der Teamkollegen

Abgesehen von Gogl kommen den restlichen Österreichern bei der Frankreich-Rundfahrt vor allem unterstützende Zwecke zu. Im Team Bahrain wird alles einer Top-Gesamtplatzierung des Spaniers Mikel Landa untergeordnet. "Er ist so stark drauf, dass ich mich richtig darauf freue, erstmals einen Klassementfahrer zu unterstützen", sagt Marco Haller. Eine einfache Aufgabe kommt ihm dabei nicht zu, soll der Kärntner dem Spanier vor dem Hochgebirge doch so etwas wie ein Bodyguard sein. "Ich kann mich selbst nicht exponieren und auf keine Fluchtgruppe hoffen", sagt der 29-jährige und betont damit die Schwierigkeit des Unterfangens, das sich noch dazu nicht im persönlichen Ergebnis ausdrücken wird.

Auch im Rennstall Bora wird auf die Österreicher als Unterstützer der Podestanwärter Emanuel Buchmann und Peter Slava gesetzt. Der Vorjahres-Etappen-Dritte Lukas Mühlberger wird wie auch sein Landsmann Felix Großschartner den Deutschen Buchmann unterstützen. "Ich muss eine Schiene tragen und mit den Schmerzen umgehen. Ich bin aktuell nicht so stark wie im Vorjahr", erklärt der Oberösterreicher, der nach der Corona-bedingten Zwangspause eigentlich gut in Form war. "Aber zwei Stürze in den vergangenen zwei Wochen haben mich zurückgeworfen, ich hatte keine gute Vorbereitung", erklärt der 26-Jährige.

Auch Lukas Pöstlberger kommt eine helfende Funktion zu: Er wird den Slowaken und Sprinter Peter Sagan, der um den achten Gewinn des grünen Trikots des Punktebesten fährt, zur Seite stehen.

Eines ist jedoch klar: Alle Top-Fahrer, die die Österreicher bei der diesjährigen Tour de France unterstützen, waren in den vergangenen Jahren ebenfalls als Helfer unterwegs. Und wer weiß? Vielleicht wird in naher Zukunft auch ein Österreicher den Platz des zu Unterstützenden einnehmen.(kra/apa)